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Weihnachtsbaum für die Kirche St. Michael

Etwas bescheidener als im Vorjahr

Tecklenburg

Es ist eine seit Jahren gepflegte Tradition, dass der Weihnachtsbaum in der Kirche St. Michael von Rita Galle-Schneebecke gespendet wird. So auch in diesem Jahr. Kaplan Ernst Willenbrink hat die Nordmanntanne vorab unter die Lupe genommen. Aus einem einfachen Grund: „Im vergangenen Jahr war der Baum arg groß.“

Michael Baar

Rita Galle-Schneebecke und Ernst Willenbrink vor der Nordmanntanne, die zu Weihnachten die Kirche St. Michael schmücken wird. Im Vordergrund Hund Rosa. Foto: Michael Baar

Zielstrebig stapft Ernst Willenbrink den ausgefahrenen Waldweg hoch. Nach „Weihnachtsbaum aussuchen“ sieht das nicht aus. Der Kaplan der katholischen Kirchengemeinde weiß offenbar genau, wo die Nordmanntanne steht, die zu Weihnachten die St.-Michael-Kirche schmücken soll.

„Ja, ich war schon mal hier“, schmunzelt der 53-Jährige. Wenige Schritte weiter biegt er vom Weg ab in die Schonung. Ein großer weißer Zettel hängt an einem Baum. „Kath. Kirche Tecklenburg“ steht auf dem in Folie eingeschlagenen Papier. Seine Wahl ist auf ein rund 3,50 Meter hohes Gewächs gefallen. „Das reicht, im vergangenen Jahr war der Baum doch arg groß“, erzählt er.

Rita Galle-Schneebecke steht wenige Schritte weiter. Ein leises Lächeln umspielt ihre Lippen. Seit zehn Jahren oder mehr spendet sie den Baum für das Gotteshaus. So genau hat sie das nicht nachgehalten. Die einzige Tanne, die in privaten Händen den Hof in Ledde verlässt. „Die Bäume gehen ausschließlich an Händler“, erläutert sie mit Blick auf die etliche Hektar umfassende Fläche.

Dort, wo die Tanne für St. Michael steht, streben weitere Bäume gen Himmel. Eindeutig zu lang fürs heimische Wohnzimmer. „Hoteliers nehmen große Tannen“, nennt sie ein Beispiel. Jedenfalls ist das in den vergangenen Jahren so gewesen. Das Coronavirus hat auch hier, auf dem Weihnachtsbaum-Acker, seine Spuren hinterlassen. „Die Aufträge sind alle abgesagt worden“, stellt sie nüchtern fest.

Den Tannenbaum für die Kirche werden Pfadfinder am Samstag vor dem vierten Advent aus der Schonung holen. Sie werden sich auch um die Bäume für die Freilichtbühne kümmern. Die stehen noch in Ibbenbüren, sind ebenfalls eine Spende.

Auf der Bühne wird am Heiligabend um 17 Uhr Christmette gefeiert. Mit Krippe, eingerahmt von Weihnachtsbäumen. Als er von der Krippe spricht, leuchten die Augen von Ernst Willenbrink. Die Figuren seien 1,20 bis 1,50 Meter hoch – und ein Zufallstreffer. Beim Bistum Osnabrück hat er sich nach Krippen aus dessen Fundus erkundigt. „Eine Stunde vor meinem Anruf ist die letzte rausgegangen“, erzählt er. Doch dann habe ihm ein Mitarbeiter den Tipp gegeben, einen Freund in Natrup-Hagen anzurufen – Volltreffer.

Krippe und Weihnachten, das passt. „Jesus ist in einem Stall zur Welt gekommen“, erinnert der Kaplan. Wie dazu der Weihnachtsbaum mit seinen heidnischen Wurzeln passt? „Der gehört einfach dazu, ohne ihn fehlt etwas an der Krippe“, sieht Ernst Willenbrink keinen Grund, mit dieser über 100 Jahre alten Tradition zu brechen.

Auch wenn der Gottesdienst auf der Bühne sehr stimmungsvoll zu werden verspricht – Rita Galle-Schneebecke wird ihn – „leider“ – nicht besuchen. Aus einem schönen Grund. Gemeinsam mit der Familie ihres Sohnes Benedikt und den sechs Enkelkindern wird in der Kapelle des seit über 500 Jahren in Familienbesitz befindlichen Hofes die Weihnachtsgeschichte erzählt.

Wer auf der Freilichtbühne an Heiligabend dabei sein will, muss sich anmelden. Das ist bis zum 22. Dezember möglich.

Anmeldungen zur Christmette unter www.stensen.de/weihnachten2020. Das von den Pfadfindern geholte Friedenslicht aus Bethlehem wird am 4. Adventssonntag um 18 Uhr in einer Andacht in der Kirche St. Michael weitergegeben.

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