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Konzert im Rittersaal von Wasserschloss Haus Marck

Große Kunst mit Leichtigkeit dargeboten

Tecklenburg

„Solch ein schönes Konzert habe ich lange nicht mehr erlebt.“ Dieser Einschätzung einer Besucherin am Sonntag im Rittersaal des Wasserschlosses Haus Marck kann man sich nur anschließen. Einmal mehr hat es Timo Maschmann als Gründer des Euregio Musik Festivals geschafft, Künstler nach Tecklenburg zu holen, die dem Publikum auf ganz hohem künstlerischen Niveau ein überaus unterhaltsames Musikerlebnis schenkten.

Axel Engels

Philipp Comploi, Anna Kiskachi und Paula Pinn (von links) sorgten für ein besonderes Musikerlebnis. Foto: Axel Engels

Was die Blockflötistin Paula Pinn, die Cembalistin Anna Kiskachi und der Barock-Cellist Philipp Comploi boten, übertraf sicherlich alle Erwartungen der Musikliebhaber. Mit Akribie und Feinsinn hatten sie ein Programm zusammengestellt, das neben barocken Weisen bis in die Moderne führte und die Werke bis ins kleinste Detail jederzeit stilsicher interpretiert wurden. Schon der Anfang mit der „Chaconne“ eines unbekannten barocken Meisters war ungewöhnlich. Während die Cembalistin mit einleitenden Figurationen begann, betraten ihre beiden musikalischen Weggefährten den Raum spielend durch den Nebeneingang. Diese „spontane“ Zusammenkunft wirkte ganz natürlich.

Lebendigkeit und Spielfreude der drei Künstler schufen sofort ein enges Band zum begeisterten Publikum. Seine Virtuosität und spieltechnische Brillanz stellte das Trio immer in den Dienste der musikalischen Gestaltung. Mediterranes Flair durchzog den Rittersaal bei der „Sarabande“ aus der „Sonata VII op. 5 von Arcangelo Corelli, deren Variationen gleichsam spielerisch ihren Charme versprühten. Als der Blues „Daido“ des amerikanischen Komponisten Paul Leenhouts erklang, wirkte dieses Stück nicht nur durch die Sonnenbrille von Philipp Comploi wie eine inspirierende Hommage an die Blues Brothers.

Anna Kiskachi hatte für dieses Konzert das Solostück „Ceci n’est pas une passacaille“ von Johan Huys einstudiert. Dieses durch ein Bild von René Magritte inspirierte Stück wirkte wie ein Crossover der Stile, konnten sogar jazzige Elemente auf dem barocken Instrument sich exquisit in den Spielfluss integrieren. Dass ein Barockcello nicht nur ganz andere Spieltechniken erfordert als seine „moderne“ Weiterentwicklung, merkte man bei „Und Salomo sprach...“ von Volker David Kirchner.

Für das grandiose Finale hatte sich das Trio die als „La Follia “ bekannte „Sonata op. 5 Nr.12“ von Arcangelo Corelli ausgesucht. Zahllose Komponisten haben sich dieser spanischen Melodie angenommen und die Variationen von Corelli gehören mit ihren überaus anspruchsvollen Variationen wohl zu den bekanntesten Verarbeitungen. Alles, was die damalige Zeit an spieltechnischen Herausforderungen zu bieten hatte, ist in diesem Werk vorhanden. Aber das Trio spielte sie mit Esprit und Leidenschaft, die einfach jeden Besucher mitriss. Das war schon ganz große Kunst, was die drei Musiker da mit Leichtigkeit boten.

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