1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Tecklenburg
  6. >
  7. Gute Lebensmittel wertschätzen

  8. >

Bundestagsabgeordneter Jan-Niclas Gesenhues besucht den Hof Neyer

Gute Lebensmittel wertschätzen

Tecklenburg-Ledde

Um die Wertschätzung von Bio-Lebensmitteln, aber auch um Preise und Umweltbildung drehte sich alles beim besuch des Bundestagsabgeordneten Jan-Niclas Gesenhues auf dem Windmühlenhof Neyer.

Von Ruth Jacobus

Jan-Niclas Gesenhues, Eva-Maria Tilly, Jörg Neyer, Wiltrud Foto: Ruth Jacobus

Wo drückt der Schuh in de Biolandwirtschaft? Mit welchen Problemen haben Direktvermarkter zu kämpfen? Und wie kann die Politik helfen? Diese Fragen stellte Dr. Jan-Niclas Gesenhues am Freitag auf dem Windmühlenhof und bekam ausführliche Antworten von Jörg Neyer. Der Bundestagsabgeordnete der Grünen war gemeinsam mit Tanja Blömker und Angelika Struck (Ortsverband Tecklenburg) und seinen Mitarbeiterinnen Wiltrud Kampling und Eva-Maria Tilly nach Ledde gekommen und hatte sich viel Zeit genommen, um dem Biolandwirt zuzuhören und sich auf dem Hof Neyer umzusehen.

Ein großes Sorgenkind ist für Neyer eine mögliche Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Fleisch von sieben auf 19 Prozent. Mit dem Geld soll unter anderem die Landwirtschaft umstrukturiert werden, hin zu mehr Tierwohl. „Aber die Leute müssen das Fleisch zu dem höheren Preis auch kaufen“, gab Neyer zu bedenken und rechnet vor: Ein konventionelles Hähnchenbrustfilet kostet im Durchschnitt zehn Euro, beim Biohof 30 Euro. Wenn dann 19 Prozent Steuer draufkommt, sind das zusätzlich drei Euro. Der Verbraucher werde dadurch vom Kauf abgehalten.

Jörg Neyer

Gerade Fleisch müsse einen „auskömmlichen Preis“ haben. Oft werde es für „Ramschpreise“ gehandelt. Auch dadurch gebe es kein Geld für den Umbau der Ställe. Für ihn sei es wichtig, auch den Handel am Umbau zu beteiligen. Früher sei in Deutschland immer auf Massentierhaltung und auf den Weltmarkt gesetzt worden. Doch wenn man hierzulande 10.000 Schweine produziere, seien es in China 100.000.

Womit man beim Thema Wertschätzung der Lebensmittel angekommen war. In Frankreich würden die Leute ältere Autos fahren, aber Geld für gute Lebensmittel ausgeben. Hierzulande dagegen würden ein SUV gefahren und billige Lebensmittel eingekauft. Dafür zeigte Tanja Blömker keinerlei Verständnis. „Und dann kaufen sie sich einen Grill für 1500 Euro und legen Billigfleisch auf den Rost“, setzte Gesenhues noch einen drauf. Aber wie bekommt man es hin mit der Wertschätzung von guten Lebensmitteln? Und wie können Biohöfe unterstützt werden? Da sind nach Ansicht von Gesenhues und Neyer auch die öffentliche Hand, Kommunen und Kreise gefragt. Schnell entspann sich ein Gespräch über das Essen in Kantinen und Schulmensen. Wobei der Bundestagsabgeordnete erläuterte, dass es in NRW ein landesweites Kantinenprogramm gebe. Für alle Kinder solle es demnach gesundes Essen geben – bio, saisonal und regional. Und für die Kantine des Kreises Steinfurt hätten die Grünen schon öfter einen Antrag gestellt, damit dort Bioessen angeboten wird.

Gesundes Essen

Womit wieder die Kosten ein Thema sind. Eine „armutsfeste Grundsicherung“ müsse es geben, „damit alle in der Lage sind, sich eine gesunde Ernährung zu leisten“, so Gesenhues. Und: Die Preise der Nahrungsmittel müssten auch die „ökologische Wahrheit“ sagen. „Die Reparationskosten in der Natur“ würden die Kunden bezahlen.

Auch die Umweltbildung war ein Thema des Gesprächs. Neyer führt ab und zu Schulklassen über den Hof. Die Kinder wüssten zu wenig, zum Beispiel über Getreidearten und Obstsorten, aber auch über Tiere. Da hat auch schon mal ein Junge einen Hahn für einen Papagei gehalten. Ein Besuch auf einem Bauernhof müsste eigentlich ein fester Bestandteil in Schulen sein, fand Gesenhues.

Startseite
ANZEIGE