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Energiesparen und Klimaschutz auch 1994 ein Thema

Heinrich Früchte und der Biodiesel

Tecklenburg-Leeden

Biodiesel tanken, ein Windrad errichten? Das gab es bereits vor Jahrzehnten. Bauer Heinrich Früchte gehörte damals zu den Menschen, die an die Zukunft dachten.

Der Aufkleber am Auto von Heinrich Früchte war nicht zu übersehen. Er tankte aus Überzeugung Biodiesel, der aus heimischem Rapsöl hergestellt worden war. Foto: Archiv

Energiesparen, hohe Benzinpreise, Tempolimit auf Autobahnen – all das ist erneut zu einem hochaktuellen Thema geworden. Der Klimawandel und der Krieg in der Ukraine sind dafür wesentliche Gründe. Es gab aber auch bereits vor knapp drei Jahrzehnten Energiesparmodelle – die sich allerdings nicht durchgesetzt haben. Einer, der nicht nur redete, sondern handelte, war 1994 der Landwirt Heinrich Früchte aus Leeden.

Unsere Zeitung berichtete damals: „Kein Zweifel, es riecht irgendwie nach Bratkartoffeln. Überraschend nur, dass einem auf dem Hof von Heinrich Früchte dieser Geruch dann in die Nase steigt, wenn der Landwirt sein Auto startet. Wie jetzt. Das typische Nageln eines Dieselmotors ist zu hören, während der Wagen zur Probefahrt in Richtung Hofausfahrt rollt. Weißer Rauch steigt aus dem Auspuffrohr, von schwarzem Ruß keine Spur. Kurze Zeit später sind die Abgase nicht mehr sichtbar. Nur die Nase lässt sich nicht beirren – der Bratkartoffelgeruch liegt weiterhin in der Luft. Ein Aufkleber am Seitenfenster klärt über den vermeintlichen Küchengeruch auf. „Rapsöl“ wird hier von einem 90 PS starken Turbodieselmotor in Bauer Früchtes Auto verbrannt.

Heinrich Früchte

1,29 Mark kostet der Liter „Bio-Saft“, der von einem Chemiker als Rapsölfettsäure-Methyl-Ester bezeichnet wurde. Seit sechs Wochen tankt der umweltbewusste Landwirt aus Leeden den ökologisch weniger schädlichen, auf den heimischen Feldern heranwachsenden Kraftstoff. „Es ist besser ein Licht anzuzünden, als sich über die Dunkelheit zu beschweren.“ Heinrich Früchtes Lebensphilosophie steckt in diesem Satz.

Die Nutzung des Biodiesels kostet ihn gegenüber normalem Diesel acht Pfennig pro Liter mehr. Als Vorreiter in Sachen Biodiesel will er für diesen Kraftstoff werben und im Tecklenburger Land möglichst viele Interessenten für den nachwachsenden Rohstoff gewinnen.

Nach der Einrichtung eines eigenen Wasserkraftwerkes, der Nutzung der Restwärme im Kuhstall und der Aufstellung einer Windkraftanlage ist dies ein weiterer Schritt des Leedeners in Richtung Umweltschutz. „Wir müssen handeln statt reden“, heißt eine seiner Lösungen. Das Bewusstsein der Bedrohung des Weltklimas durch die immer dünner werdende Ozonschicht lässt ihn nicht kalt – und so kreisen seine Gedanken bei dem Kauf eines neuen Autos zunächst um den Erwerb eines Elektroautos. Das hätte er mit Eigenenergie aus dem Windrad betreiben können. „Aber die Technik ist noch nicht ausgereift“, so Früchte. So entschloss er sich, ein „normales“ Auto zu kaufen und es mit „nachwachsendem Kraftstoff“ zu fahren. „Um das Auto mit Biodiesel fahren zu können, mussten keine technischen Veränderungen am Motor vorgenommen werden, sagt Früchte. Die Erfahrungen sind gut. In Münster ist der Biodiesel in Taxis erprobt worden, ein Versuchs-Lkw hat 600.000 Kilometer ohne Schäden absolviert.

Nachwachsender Rohstoff

Eine Anlage zur Herstellung von Biodiesel steht in Hamm, in Münster betreibt eine Genossenschaft eine Tankstelle, wo der „Saft aus Raps“ regelmäßig von verschiedenen Nutzern, darunter von Heinrich Früchte, getankt wird. Über 100 Liter hat er beim ersten Tanken in Kanistern mit nach Hause genommen. Der Bio-Kraftstoff kann gefahrlos transportiert werden, da er sich als ungiftig für die Umwelt erwiesen hat. In Zukunft muss Bauer Früchte zum Tanken nicht mehr so weit fahren, denn die Genossenschaft beabsichtigt, in Laggenbeck eine Tankstelle mit einer entsprechenden Zapfsäule zu betreiben. Damit wird der Biodiesel für den hiesigen Raum interessant.

Weil der nachwachsende Kraftstoff bisher nicht einheitlich genormt ist, haben die Autohersteller ihre Modelle bisher offiziell nicht für den Biodiesel freigegeben. Das soll sich aber Mitte diesen Jahres ändern.

„Es ist ein Rohstoff, der bei uns angebaut werden könnte“, sagt Heinrich Früchte. Nach seinen Worten bieten sich gerade die zahlreichen Äcker, die im Rahmen der Flächenstilllegung brach liegen, dafür an. Nachwachsende Rohstoffe dürfen auf diesen Flächen angebaut werden, zumal sie nicht als Nahrungs- oder Futtermittel weitergenutzt werden, weiß Früchte.

Darüber informierte Helmut Gövert von der Raiffeisen-Centralgenossenschaft Nordwest Mitglieder der Landwirtschaftlichen Ortsvereine Ledde und Leeden in einer Versammlung.

Da Raps Kohlendioxid für das Wachstum benötige, könne man von einem geschlossenen CO2-Kreislauf sprechen. Es kann nur verbrannt werden, was vorher aus der Luft von der Pflanze aufgenommen würde. Biodiesel erzeuge somit kein zusätzliches Kohlendioxid und wirke damit als nachwachsender Rohstoff dem Treibhauseffekt entgegen. Zudem besitze Biodiesel keine Schwefelanteile, also entstehe bei der Verbrennung auch kein Schwefeldioxid.

Der Preis für Biodiesel lag damals acht Pfennige über dem normalen Dieselpreis von 1,21 Mark. Die Genossenschaft ging bei der Suche nach einem wirtschaftlichen Preis einen interessanten Weg.

„Würde der Rohstoff zum Weltmarktpreis eingekauft, müsste der Kunde eine Mark mehr bezahlen. Deshalb verarbeitet die Genossenschaft nur Raps, der auf flächenstillgelegten Äckern angebaut wird, denn die Stilllegung beschränkt sich ausschließlich auf Nahrungs- und Futtermittel. 25 bis 30 Mark pro Doppelzentner bezahlt das Unternehmen den Landwirten, die auf solchen Flächen Raps anbauen“, hieß es damals.

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