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Führungstrio der Feuerwehr zur Corona-Pandemie

Herausforderung und Kraftakt

Tecklenburg

Die Corona-Pandemie hat die Arbeit der Feuerwehr komplett umgekrempelt. Dienstabende finden online statt. Auch die Schulung ist eine Herausforderung.

Michael Baar

Die Führungsspitze der Freiwilligen Feuerwehr Tecklenburg mit Stadtbrandinspektor Thomas Sundermann (Mitte) und seinen beiden Stellvertretern Andy Brockmann (rechts) und Rene Westermann. Foto: Feuerwehr

So ziemlich komplett umgekrempelt hat die Tecklenburger Feuerwehr ihr Programm abseits von Einsätzen. Dienstabende finden online statt. Dazu gehören auch die Zugführer-Meetings, nicht nur in Vorbereitung der Dienstabende in Corona-Zeiten. Darüber hinaus steht der Brandschutzbedarfsplan für die Stadt ebenso auf der Liste der zu erledigenden Dinge wie die Situation der Dienstgebäude.

Derer stehen vier in der Stadt. „In Ledde gibt es einen Neubau“, erzählt Thomas Sundermann. In Brochterbeck soll der Löschzug vorübergehend in eine Halle der Firma Upmeyer ziehen, bis der ehemalige Edeka-Markt für die Bedürfnisse der Wehr umgebaut ist. „Die Stadt wird sich da schon Gedanken gemacht haben, warum diese Lösung gewählt worden ist“, sagt der Stadtbrandinspektor als Leiter der Feuerwehr Tecklenburg. In Leeden wird es noch dauern. Und in Tecklenburg? „Das ist momentan das einzige Dienstgebäude, in dem Fahrzeuge und Umkleide getrennt sind.“

Für die alle zwei Wochen stattfindenden Dienstabende hat er, gemeinsam mit seinen Stellvertretern Andy Brockmann und Rene Westermann, eine pragmatische Lösung gewählt. „Da setzen wir eine Gopro-Kamera ein, mit der live aus dem Gerätehaus Dienstinhalte übermittelt werden“, beschreibt Rene Westermann das Vorgehen.

Rene Westermann

Dass alle rund 120 Kameradinnen und Kameraden darauf zugreifen können, beschreibt er als „Kraftakt“. Am Gründonnerstag des vergangenen Jahres sei klar gewesen, dass die Corona-Pandemie keine Präsenz-Dienstabende zulässt. „Innerhalb von drei Tagen waren alle Kameraden online“, sagt er mit berechtigtem Stolz.

Das war der Anfang. Derzeit strickt die Wehrführung an einem digitalen Konzept, mit dem die vier Gerätehäuser vernetzt werden sollen. „Ein schneller und zuverlässiger Datenzugriff ist unentbehrlich“, nennt Thomas Sundermann den Grund. Allerdings greift die Wehr weiterhin auch auf analoge Mittel in Form von Karten zurück. Möglichen technischen Blackouts bei Einsätzen werde so ein Riegel vorgeschoben.

Wobei sich die Karten nicht auf die Straßen in der Stadt beziehen. Wesentlicher Inhalt sind die Hinweise auf Hydranten und Feuerlöschteiche. „Um das abbilden zu können, ist viel Fußarbeit im Vorfeld notwendig“, schmunzelt Andy Brockmann und nennt ein Beispiel: Ist ein vor Jahren gemeldeter Löschteich noch zugänglich, führt er überhaupt genug Wasser, um ihn im Brandfall nutzen zu können? „Das zu klären, geht nur vor Ort, mit dem Fahrrad oder auch zu Fuß.“

Thomas Sundermann

Ebenfalls eine Herausforderung in Corona-Zeiten ist die Schulung der Mitglieder, wenn ein neues Fahrzeug geliefert worden ist, wie jüngst in Ledde. „Wir durften nur bis zu sechs Kameraden gleichzeitig unter Beachtung aller Corona-Regeln für maximal eineinhalb Stunden am Block schulen“, beschreibt Thomas Sundermann die Situation.

Der nächste anstehende Knackpunkt: Die Atemschutz-Übungsstrecke muss von allen Atemschutzgeräteträgern alle zwölf Monate absolviert werden. „Das wird jetzt wieder fällig, aber wie das unter Corona-Regeln laufen soll, ist noch nicht endgültig geklärt“, erklärt der Wehrleiter, mit welchen Problemen er und die Kameraden konfrontiert sind.

Viel Verwaltungsarbeit

Vier Löschzüge und die Verbindung zu den Freunden im französischen Chalonnes-sur-Loire – kein Wunder, dass Thomas Sundermann von „ziemlich viel Verwaltungsarbeit“ spricht. Dazu kommen umfangreiche Dokumentationspflichten. Beispiel Dienstabend: „Bei der Vorbereitung müssen schon das Gefährdungspotenzial abgeschätzt und entsprechende Gegenmaßnahmen ausgearbeitet werden.“ Ein wesentlicher Grund, warum die Wehrführung auf drei Personen vergrößert worden ist.

Was für das Trio okay ist, „weil wir den möglichst großen Schutz der Kameraden wollen“, formuliert es Rene Westermann. Hinzu kommen die digitalen Dienstabende. „Das eine oder andere wird nach Corona bleiben“, ist sich Thomas Sundermann sicher. Er kann sich vorstellen, dass beispielsweise Zugführer-Meetings im Wechsel digital und in Präsenz durchgeführt werden.

Unter dem Strich, daraus machen die Drei keinen Hehl, geht schon einiges an Zeit fürs Ehrenamt drauf. „Abends, nach Feierabend, werden Dinge für die Feuerwehr gemacht“, gibt Thomas Sundermann einen Einblick in seine Freizeit. Ganz abgesehen davon, dass sie auch während der Arbeitszeit immer wieder mal in Sachen Feuerwehr angerufen werden. Deshalb ist das Trio froh, dass die Stadt beim Thema Feuerwehrhäuser ein Ingenieurbüro eingeschaltet hat. Und auch beim Brandschutzbedarfsplan ist eine externe Firma mit im Boot. Hinzu kommt, dass die Ausbildung „heute viel zeitaufwendiger ist als früher“. Thomas Sundermann spricht von einem „Riesenbrett, das wir vor uns haben. Da muss die Verwaltung mithelfen“. Was sie, fügt er hinzu, auch erkannt habe.

Hätte der Stadtbrandinspektor einen Wunsch frei, wäre das „mehr Wertschätzung fürs Ehrenamt“. Corona habe die Mitgliederwerbung nicht einfacher gemacht. Und mit einem Auge schielt er rüber zu den Freunden in Chalonnes. „Wer dort 20 Jahre in der Wehr aktiv war, erhält dafür eine kleine Rente.“ Ein Ansatz, den er für nachahmenswert hält mit Blick auf die Einsatz-Szenarien, mit denen die ehrenamtlichen Blauröcke immer wieder konfrontiert würden.

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