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Was ist ein Schlat?

Historische Karte liefert Beweise

Tecklenburg

Handelt es sich bei einem Schlat um ein Gewässer? Oder eher um eine Schlucht? Die Bedeutung ist wichtig für diejenigen, deren Familiennamen auf diese Bezeichnung zurückgehen.

Von Dr. Christof Spannhoff

Foto: Dr. Christof Spannhoff

Was haben die im Tecklenburger Land verbreiteten Hof- und Familiennamen Schlatmann, Schlautmann, Schlamann oder Schläutker miteinander gemeinsam? Bei dem einen ist zwar der Zahnlaut t oder d weggefallen, bei dem anderen der Selbstlaut a mundartlich zum Zwielaut au geworden, aber alle weisen trotzdem den gleichen Bestandteil auf: Schlat oder Schlade (im Wem-Fall). Historische Belege sind etwa das „huis to Schladen“ in Lengerich-Schollbruch (1460), später „Schlamann (1580), „Schlaetman“ in Lengerich-Wechte (1621) oder „Schlaet Johann“ in Leeden (1580), später „Slaidker“ (1643). Doch was meint dieser niederdeutsche Begriff eigentlich? Was muss man sich unter einem Schlat vorstellen?

Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten, weil sich die Gelehrten über die Bedeutung des Wortes seit dem 19. Jahrhundert den Kopf zerbrochen haben und bisher zu keiner einhelligen Meinung gelangt sind. Einige sind der Ansicht, der Ausdruck sei zu slada ‚Talung, Schlucht‘ zu stellen. Allerdings lässt sich das Wort in dieser Bedeutung nicht sicher nachweisen. Zudem tritt der Begriff im Namen westfälischer Flurorte auf, denen jedoch gänzlich der schlucht- oder talartige Charakter fehlt. Deshalb ist man auf den Gedanken gekommen, dass vielleicht auch Mulden oder kleinere Vertiefungen mit dem Wort benannt worden sein könnten.

Kleinere Vertiefungen

Andere Forscher vermuten eine Verwandtschaft mit Schlot, also dem ‚Kamin, Rauchfang‘, und setzen somit für Schlat die Bedeutung ‚Flechtwerk, Gerüst, Zaun‘ an. Grundlage dieser Überlegung ist ein althochdeutsches Wort slât, das mit ‚Darre‘ zu übersetzen ist und lautgesetzlich im niederdeutschen slâd gelautet hätte. Allerdings ist dieses Wort mit dem a als Stammvokal ebenfalls nur recht unsicher in späteren, abschriftlichen Textzeugen überliefert. Hier könnten also Abschreibfehler vorliegen. Darüber hinaus passen die Bedeutungen Schlot und Darre nicht unbedingt zu einem häufig auftretenden Flurnamen und die weitergehende Auslegung als ‚Flechtwerk, Gerüst, Zaun‘ bleibt ohne eindeutige Belege spekulativ.

Hilfreich zur Beantwortung dieser Frage sind zusammengesetzte alte Flurnamen, die ebenfalls mit Schlat oder Schlade gebildet wurden. So finden sich im Oldenburgischen: dat swarte Slatt, dat blanke Slatt, dat Moorslatt oder dat Poggenslatt. Ferner kommt bei Altena ein Mollenslat im Zusammenhang mit einer Wassermühle vor.

Tümpel im Sumpf

Vor allem letztere und die Flurbezeichnungen Moor- und Poggenslatt deuten schon eine Richtung an. Es dürfte sich bei einem Schlat um ein Gewässer handeln. Denn die Poggen sind im Niederdeutschen nichts anderes als Frösche. Diese Vermutung wird bestätigt durch eine Karte des in preußischen Diensten stehenden Geometers Johann Hermann Siekendiek (1731–1811) aus Versmold-Bockhorst. Dieser vermaß und kartierte 1796 auch die königlichen Zehntländereien in Brochterbeck. Am Weg nach Lengerich findet sich auf seinem Plan ein länglicher Teich eingezeichnet, der mit „Im Schlaat“ benannt ist. Wort und Sache werden hier anschaulich zusammengeführt. Ein Schlat war also ein Teich, das genannte Moorslatt folglich ein Tümpel im Sumpf, das Poggenslatt ein Froschteich, das Mollenslat ein Mühlenteich. Dieses Ergebnis bestätigt auch der Blick in die Nachbarsprachen: Niederländisch slat meint eine ‚große Pfütze, morastige Stelle‘, friesisch slât den ‚Wassergraben‘ oder die ‚Pfütze‘. Die Schlatmanns, Schlautmanns, Schlamanns oder Schläutkers der Region siedelten somit einst an einem stehenden Gewässer, einem Teich oder Tümpel.

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