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Die Freilichtbühne bekommt 1992 ein mobiles Dach

Hubschrauber liefert die Masten

Tecklenburg

Über eine Million DM habe n die Freilichtspiele in ihr mobiles Dach investiert. Das war 1992 – ein Jahr voller Hiobsbotschaften.

Von Ruth Jacobusund

Vor 30 Jahren wurden nach langer Planung zunächst die Masten für die mobile Überdachung montiert. Ein Hubschrauber hievte sie auf die Bühne. Das war damals schon ein großer Akt. Die Konstruktion hält bis heute, die Membranfläche wurde 2016 ausgetauscht. Foto: Ruth Jacobus

Seit 30 Jahren gibt es bereits das mobile Dach auf der Freilichtbühne. Und seit ebenfalls 30 Jahren ist Radulf Beuleke Vorsitzender der Freilichtspiele? Man mag es kaum glauben. Ein Blick in alte Zeitungen beweist es: „Jetzt ist es amtlich“, freute man sich am 14. März 1992. „Die Tecklenburger Freilichtbühne bekommt ein mobiles Dach. Das Bauamt des Kreises Steinfurt hat die Baugenehmigung erteilt, die Arbeiten können beginnen, erklärten Geschäftsführer Fred Banse und Vorsitzender Karlheinz Arndt. Die Freude über das „Grüne Licht“ aus Steinfurt war ihnen im Gespräch deutlich anzumerken.

Wie Karlheinz Arndt erklärte, sollen die nötigen Fundamente für das Projekt bis Ende April gesetzt werden. Wenn alles problemlos klappt, soll das Dach bis Ende Mai installiert sein. Die Saison beginnt am 24. Mai mit „Der Widerspenstigen Zähmung“.

Die Zeiten, in denen schlechtes Wetter gleichzusetzen war mit leeren Rängen und leeren Kassen dürften also bald der Vergangenheit angehören. Die überdimensionale Regenhaube soll auch dann das Publikum auf den Burgberg locken, wenn die Wetterfrösche Wind und Wolken vorhersagen. Regenschirme brauchen die Besucher dann höchstens noch für den Weg vom Parkplatz bis ins Theater.

Ausfallbürgschaft

Das Projekt konnte auch deshalb realisiert werden, weil der Kreis Steinfurt eine Ausfallbürgschaft übernommen hat. Er springt dann ein, wenn die Bühne Kredite und Rückzahlungen nicht leisten kann. Doch durch das Dach erhoffen sich die Verantwortlichen höhere Zuschauerzahlen und damit Mehreinnahmen.“

Kurze Zeit später wurden dann die Auflagen bekannt: Nur der Sommerbetrieb sollte ohne Einschränkungen genehmigt sein. Im Winter bei Schneefall müsse die Tribünenüberdachung eingefahren werden. Außerdem hieß es damals: Die Überdachung ist in ausgefahrenem Zustand nur bis zu einer Windgeschwindigkeit von 75 Stundenkilometern (Windstärke 6 bis 7) konzipiert. „Durch geeignete Maßnahmen, wie zum Beispiel Windwächter, ist deshalb sicherzustellen, dass die Anlage bei zu erwartenden schlechteren Windverhältnissen in den Parkzustand gebracht wird.

Die Freilichtbühne verspricht sich durch diese Investition von über einer Million DM eine nachhaltige Verbesserung der Attraktivität und damit auch der Einnahmen.“

Mitten in diese wichtige Planungsphase platzte dann Anfang Mai die Nachricht, dass Karlheinz Arndt, erst seit Februar Vorsitzender der Freilichtspiele, aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurücktritt. Und nicht nur das: „Die Bühne hat zur Zeit eine Hiobsbotschaft nach der anderen einzustecken“, hieß es damals in dieser Zeitung. „Vor einigen Tagen mussten die Verantwortlichen erklären, dass das mobile Dach zur neuen Saison nicht rechtzeitig fertiggestellt werden kann.“ Der Vorstand schlug den bisherigen zweiten Vorsitzenden Radulf Beuleke als neuen Vorsitzenden vor, neuer Stellvertreter sollte Klaus Holthaus werden. Ende Mai wurden die beiden von der Mitgliederversammlung in diese Positionen gewählt.

Neuer Vorsitzender

Die Saison läuft, endet – und es bewegt sich etwas. Mitte Dezember werden die zwölf Masten für das mobile Dach mit einem Hubschrauber eingeflogen. Warum eingeflogen? Zunächst war geplant, das Material mit einem großen Mobilkran zur Bühne zu fahren. Doch dieser passte nicht durch den Torbogen. Man hätte die Straße darunter auskoffern müssen. Damit war allerdings die Denkmalschutzbehörde nicht einverstanden.

„Auch die Idee, mit einem Turmdrehkran die Masten von außen in das Bühnenoval zu hieven, konnte nicht umgesetzt werden“, hieß es damals in der Zeitung. „Die Auffahrt zum Burgberg war für die breiten Spezialfahrzeuge zu eng. Blieb nur noch der Höhenflug mit dem Helikopter.“

Es war schon spannend für die Beobachter, was sich da im Dezember 1992 abspielte: Das Geräusch des Motors ist weithin zu hören, der Hubschrauber schwebt schon über der Burg. Jetzt beginnt der knifflige Teil. Für die Mannschaft in der Luft und für das Personal am Boden. Zwar seien Wind und Wetter gut, meint Pilot Ernst Rhon. Doch die Masten haben in der Mitte ein Gelenk. Das könnte schwierig werden, glaubt er.

Nach und nach werden die Masten zur Bühne geflogen. Einige kleinere Schwierigkeiten sorgen zwar für Zeitverzögerungen, doch die Spezialisten finden immer die richtigen Lösungen. Zehn Minuten vor Sonnenuntergang ist die luftige Aktion erfolgreich beendet. Grund genug für Crew und Bodenpersonal, mit einem Gläschen Sekt anzustoßen.“

1993, als unter anderem die Operette „Die Fledermaus“ aufgeführt wurde, gab es die Veranstaltung unter dem Dach. Die Konstruktion hält bis heute. Nur die Membranfläche musste 2016 ausgetauscht werden.

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