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Serie Frühling in Tecklenburg

Im Schatten einer alten Buche gemalt

Tecklenburg

Mit Pantoffeln an den Füßen und einer langen Pfeife hat Otto Modersohn in Tecklenburg das Bild „Frühling in Tecklenburg“ gemalt. So steht es jedenfalls im Tagebuch das bekannten Malers.

wn

Das Gemälde, das den Wellenberg zeigt, entstand 1888 und befindet sich in Privatbesitz. Foto:

In einer kleinen Serie präsentiert das derzeit geschlossene Otto Modersohn Museum Frühlingsbilder des Malers. Heute geht es im letzten Teil um das Gemälde „Frühling in Tecklenburg“ (Wellenberg mit Wellenhäuschen), das 1888 entstanden ist.

„Von Krummachers altem Garten gewährte das am Berg liegende Städtchen mit herrlicher Baumgruppe einen sehr schönen Anblick. Mit wahrer Wonne gedenke ich noch dieser unbeschreiblich schönen Frühlingsmorgen, wenn ich mit Pantoffeln und langer Pfeife durch ein Hinterpförtchen in Krummachers alten Garten stieg, durch dichten Blumenteppich um mich im Schatten einer alten Buche niederzulassen. Von dort aus malte ich das Motiv, beschreibt Otto Modersohn in seinem Tagebuch 1888.

Kurator Professor Erich Franz beschreibt das Bild wie folgt: „Liebevoll gibt der Pinsel zahlreiche Einzelheiten wieder, die blumenbestandenen Wiesenhänge, die Baumgruppen, die Fachwerkhäuser, ein Stück von der Stadtmauer, die Spitze des Kirchturms. Und doch fügt sich alles einem großen Zug ein – wie bei Modersohns französischen Vorbildern Daubigny und Millet.

Vom Schlagschatten auf der ansteigenden Wiese und den dunkeln Partien in den Bäumen geht eine Kontrastwirkung aus, die das gesamte Bild in sonnige Helligkeit taucht.

Über die sanften Kurven der Wiesenhänge und die aufwärts steigenden Baumkronen wird der Blick zu den Häusern und dem Kirchturm emporgeführt. Kein Gebäude ist für sich abgegrenzt, keines wird vollständig sichtbar. Die auffälligen Fachwerkmuster und roten Dächer blitzen hinter den Bäumen hervor und fügen sich deren Rhythmus ein. Vor allem steigert das halb verdeckte Rot der Dächer die Leuchtkraft des Frühlings-Grün, und in den Wiesen beleben zart-rötliche und ockerfarbene Blumen-Schleier als Nachklang der warmen Häuserfarben die grünlichen Hänge.

Selbst der Himmel wirkt nicht als Kontrast; sein milchiges Graublau beruhigt den unter ihm aufsteigenden kleinteiligen Rhythmus und findet einen Nachhall in den kühlen Schatten der Bäume. Wie in allen westfälischen Landschaften dieses Jahres ist Modersohns Farbauftrag locker getupft und behält trotz der Genauigkeit etwas Skizzenhaft-Vibrierendes. Durch all diese malerischen Mittel wird der Blick angeregt, sich über alles Gegenständliche hinaus in die Frühlingsstimmung hineinzubegeben, die durch die optischen Bewegungen und die Kontraste der Malerei suggeriert wird.“

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