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Neue Ausstellung im Otto Modersohn Museum: „Kryal – Vom Verschwinden des Eises“

Katastrophe und Schönheit zugleich

Tecklenburg

Den Lebensraum von Schnee und Gletscher haben beide in zahlreichen Exkursionen erkundet: Lena von Goedeke in der Arktis, Thomas Wrede in den Alpen. Die Ergebnisse sind nun in einer neuen Ausstellung im Otto Modersohn Museum zu sehen.

Von Ruth Jacobus

Lena von Goedeke (5.v.r.) erläutert dem ehrenamtlichen Team des Museums den Hintergrund und die Entstehungsweise ihrer Werke. Foto: Ruth Jacobus

Die Werke von Otto Modersohn sind erst einmal beiseite gestellt. Das Museum, das den Namen des Künstlers trägt, der so viele Landschaftsbilder in Tecklenburg gemalt hat, räumt ihm derzeit keinen Platz ein. Ab Herbst sollen seine Bilder wieder zu sehen sein, versichert Geschäftsführerin Uta Jenschke. Bis dahin dominiert ein anderes Thema die Kunst in den historischen Räumen: „Vom Verschwinden des Eises“ – und die Auswirkungen des Klimawandels. Erstmalig werde damit Gegenwartskunst gezeigt.

Bei einer quasi Vorab-Eröffnung kam jetzt das ehrenamtliche Team im Museum zusammen und ließ sich von der Bildhauerin Lena von Goedeke und dem Fotografen Thomas Wrede die ausgestellten Werke erläutern. Ab heute ist die neue Ausstellung auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich.

Der münstersche Kulturexperte sowie Gründer und Geschäftsführer von „Arts4Business“, Dr. Wolfgang Weikert, der aus Tecklenburg stammt, kennt die beiden Künstler sehr gut. „Beide arbeiten am Ende an dem gleichen Thema, dem Klimawandel.“ So sei klar gewesen, sie einmal in einer Ausstellung zusammenzuführen.

Schnee und Gletscher

Den Lebensraum von Schnee und Gletscher haben beide in zahlreichen Exkursionen erkundet: Lena von Goedeke in der Arktis, Thomas Wrede in den Alpen. „Ich möchte den Stand der Dinge dokumentieren“, erläutert die Bildhauerin. Wenn man jedes Jahr vor Ort sei, könne man sehen, wie schnell die Zerstörung vor sich gehe.

Wissenschaftliche Daten sind unter anderem die Basis ihrer Kunst. So hat sie ein Relief gefertigt, das eine Bucht im Norden Spitzbergens darstellt. Die komplexen geologischen Strukturen hat sie mit 3D-Programmen auf geometrische Formen reduziert und in einem großen Papierschnitt abgebildet. Mit einem Skalpell hat sie rund 26 000 Dreiecke ausgeschnitten. Dadurch sind Verzerrungen und optische Täuschungen entstanden, die wie Erhebungen wirken. „Während ich schneide, verändert sich die Landschaft schon wieder extrem“, weiß die Künstlerin.

Optische Täuschungen

Beeindruckend ist auch ihre Installation aus elf Eisbohrkernen aus Glas. Darin eingelassen hat sie ihre eigenen „Daten“: Blut, Haare, Atem hat sie so konserviert und sagt mit einem Anflug von Galgenhumor: „Nach der Ausstellung werde ich einige davon nach Spitzbergen bringen und in die dort gebohrten Löcher einlassen. Die werden dann übrig sein, wenn der Gletscher weg ist.“

Die Vergänglichkeit des einst als ewig geltenden Eises und die sterbenden Gletscher dokumentiert auch der Fotograf Thomas Wrede. Seine meist großflächigen Bilder zeigen unter anderem den Rhone-Gletscher, der seit rund 15 Jahren mit Kunststofffolien verpackt ist. So soll das Abschmelzen hinausgezögert werden. „Das speziell entwickelte Vlies erhöht marginal die Reflexion des Sonnenlichts und die Bindung der Kälte, ist aber bestenfalls eine Art aufgeklebtes Pflaster für ein sehr viel tieferes Problem“, erläutert er. Nicht nur der Gletscher, sondern auch die touristische Infrastruktur solle so geschützt werden. Denn die Touristen zahlen dafür, sich den Gletscher anzusehen.

Auf seinen Exkursionen sei er auf der Suche nach Motiven, durch die die Klimakrise sichtbar werde. „Katastrophe und Schönheit kommen so zusammen.“

Das Otto Modersohn Museum ist mittwochs bis freitags von 14 bis 18 Uhr geöffnet sowie samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr.

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