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Kuratorium der Stiftung für denkmalwerte Kirchen

Kattenvenner Orgel ist ein Schatz

Lienen-Kattenvenne

Viel interessantes erfuhren die Besucher in der evangelischen Kirche in Kattenvenne. Das Kuratorium der Stiftung für denkmalwerte Kirchen hatte dorthin eingeladen.

Von und

Das Bild zeigt Vertreter des Vorstands und des Kuratoriums der Stiftung sowie Mitwirkende des Stiftungsabends. Foto: Christine Fernkorn

„Diese Orgel ist ein Schatz und einzigartiges Instrument“, unterstrich der Orgelwissenschaftler Herbert Brügge beim Stiftungsabend in der evangelischen Kirche in Kattenvenne. „Hüten und pflegen Sie es wie einen Augapfel!“ appellierte er an den Kirchenkreis Tecklenburg und die Kirchengemeinde. Jedes Jahr lädt das Kuratorium der Stiftung für denkmalwerte Kirchen im Kirchenkreis Tecklenburg in eine der 21 historischen Kirchen ein. Interessierte Gäste erfahren so Wissenswertes rund um diese geschichtsträchtigen Kirchbauten.

Auf plattdeutsch und in historischer Kleidung informierten Pfarrerin Verena Westermann und Kirchenführerin Christel Rotsch kurzweilig über die Geschichte der Gemeinde. Klar wurde, die Menschen in Kattenvenne mussten vor dem Bau der Kirche sonntagmorgens den weiten Weg nach Lienen nehmen. Sie wünschten sich eine eigene Kirche im Dorf Kattenvenne. Hochzeiten, Beerdigungen – alles fand in Lienen statt, bis 1887/88 endlich die neue Kirche in Kattenvenne gebaut war. Mit viel Eigenleistung und Geschick haben die Kattenvenner Gemeindeglieder Grundsteine gelegt, auch an Vorschriften des Konsistoriums in Bielefeld vorbei.

Pfarrerin Verena Westermann

„Seit 2012 hat die katholische Nachbargemeinde Einzug in die Kirche gehalten“, berichtete Verena Westermann. „Wir nutzen sie samstagsabends immer mit der katholischen Gemeinde zusammen“, so die Pfarrerin weiter. Seitdem steht auch eine Franziskusfigur neben dem Altarraum.

An diesem Abend stellten Kantor i. R. Christoph Henzelmann musikalisch und Orgelexperte Herbert Brügge im kurzweiligen Vortrag die Vielfalt der historischen Orgel vor. Superintendent André Ost begrüßte die Gäste und führte durch den Abend.

Im Tecklenburger Land stehen gut 70 Orgeln, inklusive der Truhenorgeln. Das Besondere an der Orgel in Kattenvenne sei, dass sie zur originalen Ausstattung der Kirche gehöre, berichtete Herbert Brügge. Das 1892 von der Firma Rohlfing aus Osnabrück gebaute pneumatische Instrument ist bis heute in unverändertem Zustand. Kleinere Reparaturen wurden immer mal wieder vorgenommen. 1916 haben die Mäuse der Orgel den Garaus gemacht: „Viele kleine Bälge sind von Mäusen des Leders beraubt worden“, heißt es im Gemeindearchiv.

Kleinere Reparaturen an der Orgel

Wie schnell sich Meinungen zu Orgel und Orgelklang ändern, stellte Herbert Brügge anschaulich dar: 1931 bescheinigte Studienrat Karl Seubel, der Orgelsachverständige im Konsistorium in Münster, der Gemeinde, dass die Orgel in schlechtem Zustand sei. Eine neue Orgel war im Gespräch. „Gut, dass dies in den Kriegswirren nicht geklappt hat“, meinte der Referent. 1980 ist der Orgelsachverständige des Landesdenkmalamts ganz anderer Meinung. Obwohl der Organist der Gemeinde einen Neubau empfahl, sagte der Orgelsachverständige, sie funktioniere erstaunlich gut.

Virtuos und einfühlsam präsentierte Kantor i.R. Christoph Henzelmann die vielfältigen Klangmöglichkeiten und Gestaltungsvarianten, die das Instrument bietet. Bei der Choralbearbeitung von „Schmücke dich, du liebe Seele“ von Johannes Brahms ermöglicht die Orgel dem Organisten mit Hilfe der Pfeifen „Viola da Gamba“ und der Hohlflöte Stimmungen darzustellen. Die Zuhörer konnten im Spiel den etwas scharfen Ton der Gambe wahrnehmen. Ein Genuss für die Gäste waren auch das Präludium in H-Moll aus dem „Wohltemperierten Klavier“ von J.S. Bach, die „Morgenstimmung“ aus Peer Gynt von Edvard Grieg sowie die 6. Sonate in D-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy sowie Eigenkompositionen des Kantors. Unterstützt wurde Christoph Henzelmann dabei von seiner Frau, Gabriele Henzelmann, die registrierte.

Genuss für die Gäste

Informationen zur neuen Website der Stiftung für denkmalwerte Kirchen im evangelischen Kirchenkreis Tecklenburg (www.denkmalwert.ekvw.de) gab Jörg Birgoleit, Pressesprecher der Ledder Werkstätten. Er hat die Website mit interessanten Informationen und Fotos zur Arbeit der Stiftung neugestaltet.

Marlies Beckemeyer, Vorstandsmitglied des Kuratoriums, informierte die Besucherinnen und Besucher über Einnahmen und Ausgaben der Stiftung und der elf Unterstiftungen: Die Stiftung hat im Jahr 2020 Zustiftungen in Höhe von 3921,17 Euro verzeichnet. Ins Stifterbuch trugen sich Marlies Fangmeier und Dr. Dr. Dietmar Balkau ein.

Der Kuratoriumsvorsitzende, Superintendent André Ost, wies darauf hin, dass die Stiftung im kommenden Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiern könne. Dies soll im September 2022 mit einem besonderen Festprogramm gefeiert werden.

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