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Holzfäll-Arbeiten am Trimm-Pfad

Kein Regen – zu viele Borkenkäfer

Tecklenburg-Broch...

Der Borkenkäfer treibt nicht nur in den Wäldern in Brochterbeck sein Unwesen. Am Trimm-Pfad müssen jetzt zahlreiche Fichten gefällt werden. Der Wald der Zukunft könnte ganz anders aussehen, mutmaßt Förster Georg Berkemeier.

Erhard Kurlemann

Der Trimm-Pfad in Brochterbeck ist jetzt für einige Tage gesperrt. Die markierten Bäume dienen der Orientierung für die Arbeiten, unter anderem mit dem Harvester. Braunes Bohrmehl am Fuß ist übrigens sicherer Hinweis, dass der Borkenkäfer „aktiv“ war. Foto: Erhard Kurlemann

„Die Trockenheit ist das Problem, nicht der Borkenkäfer.“ Revierförster Georg Berkemeier vom Regionalforstamt Münsterland begründet, warum zahlreiche Fichten entlang des Trimmpfades in Brochterbeck in diesen Tagen gefällt werden müssen. Für gut eine Woche müssen Wanderfreunde den Kammweg benutzen. Ein ihm bekannter Waldbesitzer habe das Problem genau beschrieben: „Ich brauche keine Zuschüsse oder andere Unterstützung. Ich brauche nur das Wetter wie vor 20 Jahren.“

Das dritte Jahr in Folge gebe es nicht ausreichend Wasser für die Fichten. Deshalb könnten sie dem Borkenkäfer nicht (mehr) trotzen.

„Eine Fichte braucht zwischen 800 und 1000 Millimeter Wasser pro Jahr. Dann bilden sie ein Harz, das dem Borkenkäfer keine Angriffsmöglichkeiten lässt“, erläutert Berkemeier. 2019 seien es höchstens 500 Millimeter gewesen. „Aber die Natur ist dynamisch“ Möglicherweise lernten junge Fichten, mit dem weniger Wasser umzugehen und sich deshalb tiefer zu verwurzeln. „Ich gehe aber eher davon aus, dass wir die Fichte auf längere Zeit ganz verlieren.“ Den Fichtenbestand in Tecklenburg beziffert Berkemeier auf rund 200 Hektar, den in Ibbenbüren auf etwa 90 Hektar.

Ein Borkenkäfer-Weibchen hat rund 100 000 Nachkommen pro Jahr. „Da können Schwarz- und Buntspechte als natürliche Feinde nicht gegen fressen“, erläutert Berkemeier. Natürlich führe eine starke Borkenkäferpopulation zu einer Zunahme der Spechte, aber „das dauert“.

Zum Fällen der Fichten hat Berkemeier in Absprache mit der Forstbetriebsgemeinschaft Uwe Janning engagiert, dessen Firma solche Arbeiten ausführt – mit einem Harvester. Das Gerät greift jede Fichte und zieht sie mitsamt Wurzelwerk aus dem Boden. „Das Holz muss sortiert werden, da es viele Waldeigentümer gibt.“ Etwa 90 Prozent des Waldes in der Region befänden sich im Privatbesitz, darunter viele kleinere Parzellen.

Ein Waldbesitzer ist Thomas Mersch. Es gebe aktuell viel Fichtenholz auf dem Markt – somit sei kein Erlös zu erzielen. „Die Aktion bringt allenfalls eine schwarze Null“, fasst er zusammen. Andersherum: „Die Arbeiten sind notwendig, weil auch die Erholung der Menschen zum Wald gehört“. Deshalb: Befallene Fichten verlieren nach und nach ihren Halt – „besser jetzt agieren, als später reagieren.“

Fichte wird vorwiegend als Bauholz verwendet – etwa für Dachstühle. „Es wird Regionen geben, da müssen Sägereien schließen“, prophezeit Berkemeier. Der Borkenkäfer habe auch nicht erntereife Bestände befallen Es werde viele kahle Flächen im Wald geben.

Wer aktuell einen Wald anlegen wolle, solle auf Mischbepflanzung setzen, etwa verschiedene Eichen oder Buchen. Es gebe Flächen, da wird mit Esskastanien, der Europäischen Weißtanne oder der Douglasie experimentiert – der Wald der Zukunft?

Wenn die Fichten weg sind, rät Berkemeier, die Fläche gut zwei Jahre liegen zu lassen, wenn wieder in Nadelwald investiert werden soll. Der Grund: In Bodennähe macht der Rüsselkäfer den Bäumen zu schaffen.

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