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Geschichts- und Heimatverein

Lepramuseum als friedvoller Ort

Tecklenburg

Das Lepramuseum in Münster war jetzt Ziel einer Informationsfahrt des Geschichts- und Heimatmuseums.

In Kinderhaus erfuhren die Besucher aus Tecklenburg Informatives und Geschichtliches über das Lepra-Hospital und über das Museum. Foto: Frank Bosse

Viele sind überrascht, wenn sie zum ersten Mal nach Kinderhaus kommen. „Kinderhus“ hieß ein um 1333 entstandenes Hospital der Stadt Münster. Mittlerweile gibt es dort ein Lepramuseum, und das war ziel einer Fahrt des Geschichts- und Heimatvereins (GHV) – passend zum Weltlepratag.

Gelegen an der alten Friesischen Straße, bestanden zunächst nur eine Kapelle und ein Wohngebäude für Leprakranke, die hier von den Reisenden und Kaufleuten Almosen erbitten konnten. Wer auf der alten Hansestraße nach Münster unterwegs war oder Münster nach Norden verließ, lernte Kinderhaus als eine Zuflucht für Leprakranke kennen, die man wegen ihrer Hilfebedürftigkeit als „Kinder im Felde“ bezeichnete. Sie waren ausgegrenzt aus den Wohnbereichen der Gesunden, heißt es im Bericht des GHV.

Rund um das Lepramuseum bezeugt die Anlage des ehemaligen Leprahospitals dessen Geschichte. Dazu gehören die Josefskirche, die frühere Hauptstraße „Kinderhaus“, das Heiligenhäuschen vor der Kirche mit Heiligenskulpturen und Inschriftentafel, die Umfassungsmauer mit heute verschlossener Durchreiche, der Brunnen im Garten, der Kinderbach mit Brücke zum alten Schulhaus und schließlich Armenhaus und Provisorenhaus. Auf einer Inschriftentafel ist zu lesen „Ach Reisender bedenke die aussätzigen Armen so wird Gott dir Glück geben und sich deiner Seele erbarmen“.

Ökologische Nische

Der Ort, wie er sich heute darstellt, strahlt Ruhe und Zurückgezogenheit aus, aber nicht „Ghettoisierung“. Hier hat sich etwas bewahrt, eine ökologische Nische, so der GHV weiter. Kleine Gärten mit Hühnern und vielfältiger Vogelwelt lassen nachempfinden, wie Leprakranke, die eigentlich „ausgemustert“ waren, eine Aufgabe hatten, um etwas Unabhängigkeit zu erlangen und so wieder Sinn in ihrem Leben bekamen. Im 20. Jahrhundert entstand der Stadtteil Kinderhaus, wie man ihn heute kennt.

Wie Zeugnisse der Jungsteinzeit belegen, bestand in diesem Gebiet eine frühe Ansiedlung. Exponate aus dieser Zeit befinden sich im Heimatmuseum im denkmalgeschützten Pfründnerhaus.

In zwei Gruppen wurde den Teilnehmern des Geschichts- und Heimatvereins die wechselvolle Geschichte bis zur Gegenwart nahegebracht und über die Entwicklung und Behandlung der Lepra informiert. Petra Jahnke vom Lepramuseum und Walter Schrör, zweiter Vorsitzender vom Heimatmuseum Kinderhaus, führten die Besucher.

Am Kaminfeuer im Hotel Schraeder in Gimpte fand der Ausflug seinen gemütlichen und schmackhaften Ausklang.

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