1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Tecklenburg
  6. >
  7. Mensch und Tier unter einem Dach

  8. >

Dr. Christof Spannhoff erzählt Spannendes über das bäuerliche Leben

Mensch und Tier unter einem Dach

Tecklenburg

„Es ist wahr, der Bauer hat alle seine Früchte und sein Vieh bei sich im Hause, es ist aber nicht wahr, daß er mit den Schweinen aus einem Topfe ißt und alles durcheinander gehe.“ Es gab um 1750 so manches Vorurteil gegenüber den westfälischen Bauern. Wie das Leben auf dem Hof tatsächlich aussah, das weiß Dr. Christof Spannhoff. Davon wird er in einem Vortrag berichten.

Blick in die Flettküche eines Bauernhauses in Ibbenbüren-Bockraden. Unter der Decke hingen die Würste zum Trocknen. Foto: Sammlung Spannhoff

1750 urteilte der französische Philosoph Voltaire (1694–1778) so über die Westfalen: „In großen Hütten, die man Häuser nennt, lebt eine Art von Tieren, die man Menschen nennt, in dem herzlichsten Beieinander mit anderen Haustieren.“ Dieses harte Urteil über das ländliche Wohnen in Westfalen sollte allerdings nicht unkommentiert bleiben.

1767 veröffentlichte der Osnabrücker Staatsmann Justus Möser als Antwort auf Voltaires Kritik seine positive Schilderung der Lebens- und Arbeitsweise in einem niederdeutschen Hallenhaus. Darin werden die wirtschaftlichen und sozialen Vorzüge der ländlichen Wohnungen geschildert, in denen „alles unter Dach und Fach“ war.

Doch Möser war nicht der einzige, der die Vorteile der westfälischen Bauernhäuser lobte. Der Tecklenburger Hoffiskal August Karl Holsche (1746–1831) nahm 1788 direkt Bezug auf Voltaire und schrieb: „Die Art zu bauen in der Grafschaft Tecklenburg hat etwas eigenthümliches, ist dem Zustande, worin die Landbewohner sind, so angemessen, daß die Häuser, so wie sie itzt eingerichtet werden, keiner Verbesserung fähig sind. Es ist wahr, der Bauer hat alle seine Früchte und sein Vieh bei sich im Hause, es ist aber nicht wahr, daß er mit den Schweinen aus einem Topfe ißt und alles durcheinander gehet.“

In den sogenannten „Kübbungen“ der Häuser stand das Vieh; auf der einen Seite die Pferde, auf der anderen die Kühe. Die Schweine wurden entweder in einem Winkel der Diele oder in einem separaten Schweinestall außerhalb des Gebäudes untergebracht.

August Karl Holsche

Im Winter wurde auf der Diele gedroschen, und das Vieh konnte ohne große Mühe von der Diele aus gefüttert werden. Die Küche erstreckte sich über die gesamte Breite des Hauses und hatte an beiden Außenseiten viele Fenster, die den Raum aufhellten. Zudem war sie sehr geräumig, sodass sie Platz für Familie und Gesinde bot. Die Küche war von der Diele und den Ställen mit einer Wand abgetrennt. An dieser Stelle richtete sich Holsche erneut direkt gegen Voltaire, indem er bemerkte: „Mithin geht Mensch und Vieh nicht durcheinander, in vielen Bauernhäusern ist es in den Küchen sehr reinlich.“

Holsche bilanzierte abschließend: „Man hat also alles, was zur Haushaltung gehört, bey einander, und ich wüßte nicht, wie es vernünftiger eingerichtet werden könnte.“

Wer mehr über die bauliche Entwicklung und das Leben im Tecklenburger Bauernhaus wissen möchte, erfährt dies in einem Vortrag von Dr. Christof Spannhoff „Der Tecklenburger Bauer und sein Hof – eine kleine Kulturgeschichte“ am Mittwoch, 25. Januar, um 19.30 Uhr Haus Im Grund (Haus Im Grund 1). Der Eintritt kostet sieben Euro. Der Geschichts- und Heimatverein lädt dazu ein.

Startseite