1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Tecklenburg
  6. >
  7. Mit der Schaukel hoch hinaus

  8. >

Familie Howe unterwegs in Ecuador

Mit der Schaukel hoch hinaus

Tecklenburg

Die Länder der Welt erkunden, einmal aus den geregelten Bahnen des Lebens ausbrechen – diesen Traum erfüllt sich Familie Howe. Die Tecklenburger Carlos, Tanja und Mateo Howe sind auf Weltreise und berichten in regelmäßigen Abständen von ihren Erlebnissen – dieses Mal aus Ecuador.

Mateo genießt als erster den fantastischen Ausblick von der Baumhaus-Schaukel aus. Foto: Carlos Howe

Die Länder der Welt erkunden, einmal aus den geregelten Bahnen des Lebens ausbrechen – diesen Traum erfüllt sich Familie Howe. Sie ist auf Weltreise und berichtet in regelmäßigen Abständen von ihren Erlebnissen – dieses Mal aus Ecuador:

„Nach unserem mehrtägigen Aufenthalt im Amazonas dürstete es uns nach Stadtleben. Genauer gesagt nach Stadt, Spaß und Action. Letzteres hatten wir zwar schon im Amazonas zu genüge, aber wir wollten Action in städtischer Form. Was liegt da näher als ein Aufenthalt im Abenteuerspielplatz Baños, der Partystadt Ecuadors?!

Baños ist eine malerische kleine Stadt in der Provinz Tunhurahua und erst einmal bekannt für ihre Thermalbäder. Circa 15 000 Einwohner leben etwa 170 Kilometer südlich von Quito am Fuße des aktiven Vulkans Tungurahua auf einer Höhe von 1800 Metern. Die Stadt ist einer der wichtigsten Wallfahrtsorte Ecuadors und zugleich ein wichtiges Touristenzentrum. Die Schutzheilige Nuestra Señora del Rosario de Agua Santo soll, so sagt man, die Stadt schon bei mehreren Ausbrüchen des Tungurahua vor der Zerstörung bewahrt haben.

Die heiligen schwefelhaltigen Thermalquellen von Baños gelten überdies schon seit Jahrhunderten als Heiligtum und ermöglichen dem geneigten Besucher ein entspannendes Bad auf der Reise.

Gerade für Adrenalin-Junkies hat Baños so allerlei zu bieten und für genau jene Sorte Mensch wirkt die Stadt mit ihren ganzen angebotenen Aktivitäten geradezu anziehend. Die Auswahl ist riesig. Das fällt schon auf, wenn man das Ortsschild passiert und auf den Straßenseiten die unzähligen Möglichkeiten sieht, die dargeboten werden, um sich meist kopfüber und an einem Seil befestigt auf verschiedene Art und Weise in den Abgrund zu stürzen - haarscharf vorbei an massiven Felswänden in Richtung Fluss.

Unsere erste Anlaufstelle ist die Baumhaus-Schaukel Casa del Árbol. Schon auf dem Weg dorthin wird übrigens schnell klar, warum sich diese vielerorts als höchste und gefährlichste Schaukel der Welt einen Namen gemacht hat: Es geht mit dem Auto über eine halbe Stunde steil nach oben, um dann – auf über 2600 Metern über dem Meeresspiegel – mit Karacho auf den Abgrund und die darunter liegende Stadt zu schwingen. Wobei – eigentlich wird man geschwungen. Durchtrainierte Helferlein, immer bedacht, den ein- oder anderen Dollar als Trinkgeld einzuheimsen, sind schon sehr darum bemüht, lebensmüden Touristen auch den letzten Tropfen Adrenalin aus dem Körper zu quetschen, indem sie Schaukel und Schaukelnden mit nahezu unbändiger Kraft in die Weite werfen. Ganz beliebt dabei ist das vorherige Eindrehen der Seile, das garantiert die volle Dröhnung. Man will schließlich unterhalten werden. Die Stadt Baños indes scheint von hier oben so weit weg, dass es fast eines Fernglases bedarf, um die städtische Wuselei vernünftig erkennen zu können.

Einmal oben, wollen wir natürlich auch schaukeln. Und selbstredend ist es Mateo, der nicht mehr zu halten ist und zuerst auf der Schaukel landet. Übrigens: Kinder werden hier ganz alterskonform und damit eher behutsam in die Weite geschaukelt. Und man muss wirklich sagen: Der Ausblick ist fantastisch, wenn man sich die Sekunde gönnt und das Auge in die Ferne schweifen lässt. Viel länger ist ohnehin nicht möglich, ist man doch voll und ganz damit beschäftigt, sich auf der Schaukel zu halten.

Aber Baños hat noch weitaus mehr zu bieten. Wer möchte, klettert – befestigt an einem Seil und geschützt durch einen Helm – auf einer winzigen Holzkonstruktion knapp 100 Meter hoch über eine Schlucht zur 300 Meter entfernten anderen Seite über den darunter liegenden Fluss. Dass man die hölzernen Trittstufen in der Mitte dieser Holz-/Stahlkonstruktion größtenteils ausgelassen hat, um den ahnungslosen Kletterer zu möglichst großen Schritten in schwindelnder Höhe zu zwingen, weiß man erst, wenn man in besagter Mitte angekommen ist und direkt davor steht. An Umkehren ist hier dann nicht mehr zu denken – man will einfach nur noch rüber.

Natürlich brauchen wir Zeit, uns mental vorzubereiten. Und so naht dann auch, auf halber Strecke, die heranziehende Dunkelheit, die für noch mehr Adrenalin sorgt. Drüben angekommen lockt die deutlich schnellere Rückkehr mit der Zipline. Mit ausgebreiteten Armen fliegen wir zu dritt nebeneinander in schwindelerregender Höhe zurück – wirklich, ein Riesenspaß.

Wir verbringen drei Tage im lebhaften Baños. Ein kleines Hostel inmitten des quirligen Zentrums dient uns als Herberge und der Kaffee in der Caféteria gleich nebenan ist frisch, heiß und unglaublich lecker. Dazu gibt es eine von diesen unzähligen kleinen Gebäckspezialitäten, die hier an jeder Ecke angeboten werden.

Das Zentrum ist niedlich. Menschen aus aller Herren Länder wuseln durch die Straßen und stöbern in den vielen Geschäften, die größtenteils Souvenirartikel verkaufen. Uns zieht es indes zur „Basilika Virgen de Agua Santa“. Wie der Name schon sagt, ist die Basilika zu Ehren der Virgen de Agua Santa gebaut worden, die die Stadt Baños insbesondere vor Unheil durch den nahen Vulkan beschützt. Die vielen Malereien im Inneren sind fantastisch. Sie zeigen verschiedene Wunder, die gleich in der Nähe von Baños geschehen sein sollen.

Nach diesen trubeligen Tagen in Baños zieht es uns dann weiter in Richtung Latacunga. Diese mit seinen knapp 100 000 Einwohnern verhältnismäßig große Stadt befindet sich auf einer kargen, steinigen Ebene in den Anden. Die Lage zwischen den Vulkanen Quilotoa, Iliniza und Cotopaxi machen Latacunga zu einem beliebten Stop in unmittelbarer Nähe dieser Ausflugsziele. In Latacunga erwartet uns eine authentische ecuadorianische Stadt mit traumhaften Aussichten auf die Vulkane drumherum.

Der Aufenthalt in Latacunga ist für uns allerdings Mittel zum Zweck, haben wir es doch darauf abgesehen, den nahegelegenen Quilotoa zu besteigen und fotografisch sowie filmisch zu verewigen.

Quilotoa bezeichnet übrigens eine Caldera und den darin befindlichen, durch Mineralien grün gefärbten Kratersee. Die Caldera weist einen sagenhaften Durchmesser von drei Kilometern und eine Höhe von knapp 4000 Metern auf.

Die Höhe von etwa 4000 Metern bereitet uns – diesmal schon im Vorfeld – Probleme. Die Erlebnisse auf dem Papallacta-Pass zwischen Quito und Baeza führen dazu, dass sich Tanja und Mateo für einen Aufenthalt in der Stadt entscheiden, während ich bewaffnet mit Drohne, Kamera und Stativ in unserer Blechschüssel durch die Anden fahre. Dass die Drohne mit muss, versteht sich natürlich von selbst. Hätte ich allerdings im Vorfeld schon gewusst, welche Überraschung mir droht, hätte ich sie vermutlich im Hostel gelassen.

Welche Überraschung das war und wie genau es auf dem Quilotoa ausschaut, schildern wir im nächsten Teil unserer Reisekolumne „Eine Familie auf Weltreise“. Wer möchte, kann uns auch gerne auf unserem YouTube-Kanal CaptainsandSon und dem gleichnamigen Instagram-Kanal folgen.“

Startseite
ANZEIGE