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Der Familienname Tecklenburg/Tecklenborg

Nicht alle stammen vom Grafen ab

Tecklenburg

Tecklenburg ist nicht nur der Name des kleinen Burg- und Fachwerkstädtchens auf dem Kamm des Teutoburger Waldes, sondern – in hochdeutscher wie niederdeutscher Form (Tecklenborg) – im Lauf der Zeit auch der Name von Personen und Familien geworden. Die ersten, die sich nach der Festung benannten, waren die Grafen von Tecklenburg, deren Nachfolger bis heute diesen Namen führen.

Von Dr. Christof Spannhoffund

Die Herkunft aus der Grafschaft Tecklenburg konnte den Familiennamen Tecklenburg/Tecklenborg motivieren. Bei der Karte aus dem Jahr 1630 handelt es sich um einen kolorierten Kupferstich von Johann Janssonius, Amsterdam. Foto: Christof Spannhoff

Tecklenburg ist nicht nur der Name des kleinen Burg- und Fachwerkstädtchens auf dem Kamm des Teutoburger Waldes, sondern – in hochdeutscher wie niederdeutscher Form (Tecklenborg) – im Lauf der Zeit auch der Name von Personen und Familien geworden. Die ersten, die sich nach der Festung benannten, waren die Grafen von Tecklenburg, deren Nachfolger bis heute diesen Namen führen. Unehelich geborene Nachkommen der Grafen trugen den Namen in Abgrenzung zu den legitimen Erben oftmals ohne die Präpositionen „von/van“ oder „zu/to“.

Dennoch sind nicht alle Namensträger Tecklenburg/Tecklenborg Abkömmlinge des gräflichen Geschlechts. Denn der Familienname bildete sich auch auf andere Art und Weise, wie zwei Beispiele zeigen. Beide Fälle geben zudem einen spannenden Einblick in die Anfänge der Entstehung von Familiennamen in Westfalen und zeigen, wie unfest die Benennung von Personen damals noch war und welche Faktoren auf sie einwirken konnten. Im Archiv der Familie von Kerckerinck zur Borg, das sich als Depositum im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen in Münster befindet, ist eine Urkunde vom 5. Januar 1526 über folgendes Rechtsgeschäft erhalten: Gerhardus Kerkerinck, Priester, Provisor und Verwahrer der münsterischen Antonius-Bruderschaft, übergibt seinem Verwandten Johan Kerkerinck, der damals den Bispinghof in Münster verwaltete, den „Johan Smijt anders genant Teckennborch“, Sohn des Ehepaars Herman Smedes und Elsen, geboren „upr Günne“ im Kirchspiel Lienen, Bauerschaft Holzhausen zu Eigentumsrecht. Der in Lienen geborene Johann Schmedt auf der Günne erhielt in Münster also den Beinamen „Teckennborch“ nach seiner Herkunftsregion. Jemand, der später Tecklenburg genannt wurde, muss also nicht einmal unbedingt aus dem Ort Tecklenburg gekommen sein. Schon die Landschaft, die Grafschaft Tecklenburg, aus der er stammte, konnte namengebend wirken.

Ebenso verhält es sich bei einem „Ernst Teckenborg genannt Ottenberndts Sohn“ aus Ibbenbüren. Dieser hatte sich in gewaltsamem Streit mit dem Frauenstift Nottuln befunden, war deshalb gefangengesetzt worden und schwor nun am 23. Januar 1540 vor dem Gografen (Richter) des münsterischen Domkapitels „Urfehde“, um seine Freiheit wiederzuerlangen (Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen, Stift Nottuln, Urkunden, Nr. 213). Unter einer Urfehde verstand man seinerzeit einen durch Eid bekräftigten Verzicht auf Rache und weitere Kampfhandlungen. Als Bürgen dieses Vorgangs werden der damalige Pastor zu Ibbenbüren namens Berndt Krude, die münsterischen Bürger Hermann Demmer, Borchart von Münster und Albert Pothoff sowie Smytherman, Heinrich Vynne und Ottenberndt aus Ibbenbüren genannt. Das zeigt, dass der als „Ottenberndts Sohn“ in Ibbenbüren geborene Ernst, als er nach Münster gezogen war, den Namen „Teckenborg“ nach seiner regionalen Herkunft erhielt. Ibbenbüren wurde vor 1540 somit noch zweifelsfrei zur Grafschaft Tecklenburg gerechnet.

Heißt also heute jemand Tecklenburg oder Tecklenborg, müssen seine Vorfahren nicht von den Grafen oder ihren illegitimen Sprösslingen abstammen und aus dem Ort selbst gebürtig sein. Auch das Tecklenburger Herrschaftsgebiet konnte Motiv für die Benennung einer Person sein. Möglicherweise lassen sich so ebenfalls die vier münsterländischen Hofnamen Teckenborg und Tecklenborg in Dülmen (1498 „Hinrick Tekenborch“, 1499 „Hinrick Tekeneborch“), Diestedde (1498 „Herman Tekenborch“, 1499 „Herman Tekeneborch), Hamm-Hövel (1668 „Teckenborg“) und Everswinkel (1663 „Teckenborghs“) erklären. In Everswinkel deutet darauf möglicherweise der hier ebenfalls vorkommende Hofname Riesenbeck (1663) hin, bei dem es sich ebenfalls um eine Übertragung von dem Ort im heutigen Tecklenburger Land handeln könnte.

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