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Wasserschlosskonzert

Reise durch die Welt der Klassik

Tecklenburg

Ein junger Musiker mit ausgereiftem Können: Arash Rokni konzertierte im Rahmen der Wasserschlosskonzerte im Rittersaal von Haus Marck.

Von Brigitte Striehn

Der Foto: Brigitte Striehn

Seit vielen Jahren laden die Wasserschlosskonzerte auf Haus Marck in Tecklenburg zu Entdeckungsreisen in die Welt der Klassik ein. Sie bieten jungen Musikern die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten einem interessierten Publikum zu präsentieren. Am Sonntag gastierte der Pianist Arash Rokni im Rittersaal. Coronabedingt hatten nur etwa 30 Zuhörer Gelegenheit, sich von seinem ausgereiften Können zu überzeugen. Timo Maschmann begrüßte als Veranstalter der Konzertreihe die Gäste und stellte das Programm vor.

Arash Rokni begann seinen Vortrag mit der Fantasie in B-Dur von Carl Philipp Emanuel Bach (1714 – 1788). Der berühmteste Sohn Johann Sebastian Bachs erlangte in der Epoche des Übergangs zwischen Barock und Frühklassik große Bewunderung. In seinem „Versuch, über die wahre Art das Clavier zu spielen“ unterstreicht er seine besondere Hinwendung zu Cembalo und Klavier. Er beschreibt darin auch den ungebundenen Stil, der Empfindsamkeit strengen formalen Anforderungen gegenüberstellte. Seine eigenen „Fantasien“ sind jedoch keineswegs regellos. Arash Rokni hatte sich den planvollen Aufbau angeeignet, der den Zeitgenossen Bachs ein „intellektuelles Vergnügen“ verschaffen sollte. In der B-Dur-Fantasie kam diese Absicht wirkungsvoll zum Ausdruck.

Intellektuelles Vergnügen

Übergangslos schlossen sich Ludwig van Beethovens (1770 – 1827) „Zehn Variationen über das Duett „La stessa, la stessissima“ aus der Oper „Falstaff“ von Antonio Salieri an. Die Opernpremiere im Januar 1799 war ein außerordentlicher Erfolg, sodass Beethoven noch im selben Jahr die Variationen zu dem Werk seines Lehrers Salieri komponierte. Die „Hommage à Berényi Ferenc“ des ungarischen Tondichters György Kurtág (*1926) gab einen kurzen Einblick in das Schaffen dieses Meisters musikalischer Miniaturen. Danach zeugten die „Variationen über ein Thema von Robert Schumann op. 9“ von der Verehrung Johannes Brahms‘ (1833-1897) für Robert und Clara Schumann.

Nach der Pause gab Timo Maschmann eine Einführung zu dem Stück „Deux Nocturnes op. 15“ von Alexander Mosolov (1900-1973), einem überragenden Vertreter der russischen Avantgarde im frühen 20. Jahrhundert. Da dessen konstruktivistische, teilweise provokante Arbeiten dem Regime missfielen, wurde er in ein Arbeitslager verschleppt. „Danach wirkte er total angepasst und entwickelte einen gefälligen Stil“, so Maschmann. Die Nocturnes mit den Bezeichnungen „Elegiaco“ und „Adagio“ entstanden 1926 und haben einen dramatischen, sinistren Charakter. Häufige Sprünge, Überlappungen der Hände über fast die gesamte Länge des Klaviers und gebrochene Akkorde sind eine große Herausforderung für jeden Pianisten, die Rokni bravourös meisterte.

Ein gefühlvolleres Ende bot der Solist mit der „Französischen Ouvertüre BWV 831“ von Johann Sebastian Bach (1685-1750) dar. Die gegensätzlichen Stimmungen von dunkel über tiefgründig bis zum fröhlichen „Echo“ am Ende der Suite arbeitete Rokni sehr gezielt und mit großer Spielfreude heraus. Nach dem verdient langen Beifall erfreute er das Publikum als Zugabe mit einem Tanz von Alexander Mosolov.

Der 28-jährige Pianist gilt als Senkrechtstarter in der Welt der klassischen Konzerte. Seinen ersten Musikunterricht erhielt er in seiner Geburtsstadt Teheran. Das Interesse seiner Eltern an persischer Musik und Lyrik, aber auch an europäischer Musik, prägten ihn frühzeitig. Nach ersten Studien in Armenien setzte er seine Ausbildung an Musikhochschulen in Deutschland fort. Erfolgreich war er zudem bei internationalen Wettbewerben und Festivals. Er lebt in Köln.

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