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Serie „Tecklenburg im Frühling“

Rote Kappe lenkt Blickrichtung

Tecklenburg

Die rote Kappe eines kleinen Mädchens zieht die Blicke der Betrachter geradezu magisch auf sich. Zu sehen ist das Kind auf dem Modersohn-Bild „Bäume am Hang im Frühling“.

wn

Bei diesem Modersohn-Bild zieht die rote Kappe des Mädchens den Blick des Betrachters auf sich. Foto: OMMT

In einer kleinen Serie präsentiert das derzeit geschlossene Otto Modersohn Museum (OMMT) Bilder des Malers und gibt dazu Erläuterungen. Heute geht es um das Werk „Bäume am Hang im Frühling“.

Ein sehr flächig gemalter Wiesengrund, lediglich sporadisch aufgelockert durch ein paar weiße, schwarze, ockerfarbene oder braune Farbeinsprengsel, der durch seine deutlich nach rechts abfallende Horizontkontur eine Dynamik erfährt. Die schlanken links und rechts rahmenden Baumstämme verleihen dem Bild ein lineares Gerüst und dem Bildganzen eine Raumtiefe.

Der Blick wird gelenkt auf drei Staffagefiguren, auf ein kleines Mädchen und auf einen schwarz gekleideten und einen Hut tragenden Mann rechts unter einem der blühenden Bäume sowie auf ein nur schemenhaft angedeutetes schwarzes Tier, womöglich ein Hund oder ein Huhn. Das kleine Mädchen mit seiner auffallend leuchtend roten Kappe erhält besondere Aufmerksamkeit. So könnte man etwa an das Märchen vom Rotkäppchen erinnert sein – versetzt in eine nicht-fiktive Landschaftsszene, der dennoch etwas Ungreifbares innewohnt.

„Otto Modersohns Interesse für Geschichte, Sagen und Märchen war bereits in frühester Jugend geweckt. Die Vorstellungswelt des Märchens wirkte auf seine künstlerische Begabung und Anlage in besonderer Weise anregend.“ (Rainer Noeres, Otto Modersohn – Märchen, in: Es wird einmal sein… Märchen/Heinrich Vogeler, Otto Modersohn und Paula Modersohn-Becker, Ausstellungskatalog Grafschaftsmuseum Wertheim 2008, 47)

Auch als rein malerisches Detail, als künstlerischer ‚Kunstgriff‘, wirkt der kleine leuchtend rote Farbtupfer. Bereits Jean-Baptiste Camille Corot (1796-1875), für Modersohn ein wichtiges Vorbild in seiner künstlerischen Entwicklung, verwandte den charakteristischen Farbakzent (etwa bei Kopfbedeckungen, einem Schultertuch oder einem Hahnenkamm), um dem Gemälde subtil „Leben einzuhauchen“ oder die Aufmerksamkeit auf ein Bedeutungszentrum zu lenken.

Die rote Kappe des kleinen Mädchens als fokussierendes Detail vertieft den Zauber des Bildes. Blassere Rot-Braun- und Rot-Rosé-Töne in den Baumwipfeln oder in der Wiese wirken wie ein zartes, leises Echo.

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