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ANTL feiert sein 40-jähriges Bestehen

„Schützen kann man nur, was man kennt“

Tecklenburg

Nicht so viel reden, besser anpacken. Gestern Mittag lief es bei der ANTL mal genau andersherum. Beim Festakt zum 40-jährigen Bestehen mussten die Anwesenden lange die Füße still halten, ehe sie sich auf dem Gelände der alten Sägemühle umschauen konnten und Lammfleisch aus eigener Produktion serviert bekamen. Klar, dass bei einem solchen Anlass Grußworte und Rückblicke nicht zu kurz kamen. Und so was zieht sich halt. Das Zuhören hat sich dennoch gelohnt.

Michael Schwakenberg

Auf dem Gelände der alten Sägemühle von Haus Marck fand gestern der Festakt zum 40-jährigen ANTL-Bestehen statt. Der ehemalige Vorsitzende Horst Michaelis schaute bei seinem Rückblick auf die ersten Jahre und zeigte das Original-Foto mit der ANTL-Eiche. Den Festvortrag zur Rolle der Naturschutzverbände hielt der Zoologe Professor Dr. Herbert Zucchi. Foto: Michael Schwakenberg

Wirklich bemerkenswert war dabei der Gastvortrag von Professor Dr. Herbert Zucchi aus Osnabrück, der sich mit der Rolle der Naturschutzverbände beschäftigte und dabei den Bildungsauftrag in den Mittelpunkt rückte. Um dort hin zu kommen, holte der Hochschullehrer weit aus und skizzierte einige von vielen Problemen: „Die Rote Liste gefährdeter Arten wird immer länger. Waldvernichtung, Bodenfraß und die Verschmutzung der Weltmeere nehmen bedrohliche Ausmaße an.“ Trotz einzelner Erfolge, wie in Deutschland zum Beispiel beim Kiebitz oder beim Rebhuhn, sei es um die Artenvielfalt nicht gut bestellt. Gleiches gelte aber auch für die Anzahl der Menschen, die sich damit auskennen, beklagte Zucchi: „Weltweit gibt es immer weniger Professuren für klassische Zoologie, während der Anteil in den Molekular-Bereichen immer weiter steigt.“ Dafür macht der Hochschullehrer die Wirtschaft mitverantwortlich: „Sie kennt den Preis von allem, aber von vielem nicht den Wert.“

Auch in der Bevölkerung sinke immer weiter der Anteil jener Menschen, die über Kenntnisse von Flora und Fauna verfügen. VHS-Angebote in diesem Bereich seien in den vergangenen 40 Jahren um 90 Prozent zurückgegangen. Und Kinder hätten heutzutage kaum noch eine reale Beziehung zur Natur. Zucchi: „Es reicht halt nicht, wenn Kinder einmal im Jahr an einem außerschulischen Lernort im Wald einen Baum umarmen.“ Ohne zum Verklärer der eigenen Kindheit zu werden, verglich Zucchi, wie Kinder heute groß werden und wie das früher der Fall war. Zeit zum Spielen, Brachflächen vor der Haustür und Wälder in erreichbarer Nähe, in diesen Genuss kämen Kinder heute kaum noch. Von daher sei es kein Wunder, dass die Entfremdung von der Natur immer weiter zunehme. Und genau darin sieht Zucchi ein Kernproblem für die Zukunft des Naturschutzes. Denn: „Schützen kann man nur, was man auch kennt.“ Am Ende seines Vortrages appellierte der Zoologe an den ANTL, politischer (aber nicht im Sinne von Parteipolitik) zu werden, die Jugendarbeit zu intensivieren, Kooperationen mit anderen Vereinen einzugehen und auf Institutionen wie Kindergärten, Schulen und Kirchengemeinden zuzugehen. „Sponsoren suchen und mal Geld für eine PR-Aktion ausgeben ist auch nicht verkehrt.“

Zu den Gratulanten, die der zweite Vorsitzende Thomas Volk begrüße, zählten unter anderem Landrat Dr. Klaus Effing und Bürgermeister Stefan Streit. Auf die ersten drei Jahrzehnte mit ersten Schutzmaßnahmen im Recker Moor, zum Teil heftigen Auseinandersetzungen mit Vertretern anderer Interessenverbände aber auch internen Querelen sowie mit der ständig wachsenden Anerkennung für den ANTL blickten damalige Vorstandsmitglieder wie die ehemaligen Vorsitzende Horst Michaelis und Rainer Seidel zurück.

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