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Bereits vor 30 Jahren suchte die Stadt Unterbringungsmöglichkeiten

Selbst Wohnwagen sind Mangelware

Tecklenburg

Zu wenig Wohnraum für die Flüchtlinge: Das ist ein aktuelles Problem – das es allerdings auch vor 30 Jahren schon einmal gab.

-jac-

Vor 30 Jahren wurde im Rathaus bereits über die Unterbringung von Flüchtlingen diskutiert. Damals ahnte wohl niemand, dass dieses Gebäude einmal als Unterkunft dienen würde. Foto: Ruth Jacobus

Der fehlende Wohnraum ist derzeit eines der großen Probleme: Immer mehr Geflüchtete kommen nach Tecklenburg und müssen untergebracht werden. Allein im vergangenen Jahr sind 145 Menschen aus der Ukraine gekommen sowie 45 Geflüchtete aus anderen Nationen. Diese Zahlen wurden in der jüngsten Sitzung des Stadtrates genannt. Die Schwierigkeit, Wohnraum zu finden, hat die Kommunalpolitiker bereits vor 30 Jahren beschäftigt, wie ein Blick in das Archiv zeigt. Damals hieß es in dieser Zeitung:

„Das Ordnungsamt der Stadt steckt in der klemme. Für immer mehr Asylsuchende und Aussiedler steht immer weniger Wohnraum zur Verfügung. Das wurde in einer Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses deutlich. Zur Zeit leben in Tecklenburg 169 Asylsuchende, acht Obdachlose und sieben Aussiedler. Die Situation verschärft sich ende März. Dann steht das Tennisclubheim, in dem jetzt 27 Personen untergebracht sind, nicht mehr zur Verfügung. Darüber hinaus, so teilte Ordnungsamtsleiter Richard Brockmann dem Ausschuss mit, seien alle 28 Wohnwagen belegt, die Stellplätze auf den Sportplätzen nahezu erschöpft. Bereits angekündigt seien aber schon jetzt zwölf weitere Personen, die in den nächsten Tagen nach Tecklenburg kämen.

Keine Lösung auf die Schnelle

Das Problem brennt unter den Nägeln. Doch eine Lösung hatte auf die Schnelle keiner parat. „Es bleibt uns wohl zunächst nichts anderes übrig, als einen Container aufzustellen“, meinte UWG-Vorsitzender Dr. Helmut Naumann. Er beantragte, die entsprechende Summe für den Ankauf im Haushalt auszuweisen. Der Ausschuss stimmte einstimmig zu.

Stadtdirektor Karl Mügge hatte zuvor darauf hingewiesen, dass die katholische Kirchengemeinde bereit sei, der Stadt ein Gelände an der Sundernstraße in Ledde etwa für einen solchen Container zur Verfügung zu stellen. Zudem sei dieses Grundstück voll erschlossen, so dass es hier keine Schwierigkeiten und zusätzlichen kosten gebe. Ansonsten sei es schwierig, geeignetes Terrain zu finden. „Allerdings haben wir im Leedener Gewerbegebiet ein stadteigenes Grundstück, das noch in Frage käme“, merkte der Stadtdirektor an. Und Klaus-Martin Lausberg (CDU) regte an, mit sämtlichen Kirchengemeinden in der Stadt über die Unterbringungs-Problematik zu sprechen.

Grünen-Vorsitzende Karin Beulting erklärte, Container wie auch Wohnwagen könnten aber nur als Übergangslösung gewertet werden. „Vor allem die Wohnwagen sind menschenunwürdig“, erklärte sie. In diesem Zusammenhang wies Richard Brockmann darauf hin, dass Wohnwagen auf dem Markt zur Zeit nicht zu bekommen seien. „Viele Firmen kaufen sie für ihre Mitarbeiter in den neuen Bundesländern.“

Angesprochen wurde auch der private Wohnraum. Karin Beulting meinte, im Außenbereich von Brochterbeck gebe es Bauten, die leer stünden und die man benutzen könnte. „Sagen sie uns wo, wir sind für jeden Hinweis dankbar und in jeder Beziehung gesprächsbereit“, so Stadtdirektor Karl Mügge.

Finanzielle Anreize

Ausloten soll die Verwaltung darüber hinaus, welche finanziellen Anreize es für Privatleute gibt, die Unterkünfte bauen wollen. Diskutiert wurde auch darüber, ob Gebäude, die zur Zeit anderweitig genutzt würden oder leer stünden, zu Wohnungen umgebaut werden könnten. Hier warnte Ordnungsamtsleiter Brockmann vor den Kosten solcher Umgestaltungsmaßnahmen. Auch für die Erstellung eines festen Bauwerkes, was die Ideallösung sei, fehle der Stadt das Geld, merkte Walter Lagemann (FDP) an.

Klaus-Martin Lausberg forderte die Erstellung eines Gesamtkonzeptes zur Problematik der Unterbringung von Asylsuchenden und Aussiedlern. „Der Sportplatz in Tecklenburg sollte nur eine Übergangslösung sein, jetzt hat sich das Ganze bereits verfestigt.“ Auch müsse eine gleichmäßigere Verteilung der Personen auf die einzelnen Ortsteile erfolgen. Allein 106 der Asylsuchenden lebten im Stadtgebiet Tecklenburg. Das sorge natürlich auch für soziale Konflikte.

Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes können davon ein Lied singen. Für Beschwerden von Anwohnern über Belästigungen sind sie erste Adresse. Hier hakte denn auch Horst Riesenbeck (SPD) ein. „Auch wir sind für ein Konzept. Andere Gemeinden, etwa Ibbenbüren oder Ladbergen, sind da wesentlich weiter als wir. Das müssen wir selbstkritisch feststellen. Wir kriegen das nie in den griff, wenn wir nicht allmählich etwas tun.“ Zu einem Konzept gehöre seiner Meinung nach auch das Ausloten, wie eine soziale Betreuung der Ausländer in Tecklenburg bewerkstelligt werden könne. Es sei doch klar, dass auf diesen beengten Verhältnissen, in denen die Leute zum teil leben müssten, Konflikte untereinander und mit den Tecklenburgern vorprogrammiert seien. „Wenn es noch mehr werden, kann die Verwaltung nicht auch noch die soziale Betreuung übernehmen.“

Kurzfristige Hilfsmaßnahmen forderte Winfried Gurzki (SPD). „Darüber hinaus können wir diese Hilfe nicht umsonst haben. Unter Umständen ,müssen wir Projekte wie die Sporthalle eben noch eine Wahlperiode verschieben.“

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