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Orgel der Stadtkirche wird gereinigt

Sisyphos im Pfeifenwald

Tecklenburg

Großreinemachen im Pfeifenwald: Drei Wochen lang haben der Orgelbauer Hartmut Beyer und sein Kollege jede der über 1000 Pfeifen in der Alfred-Führer-Orgel in der Stadtkirche vom Staub befreit. Eine echte Sisyphos-Arbeit.

Markus Lütkemeyer

Wunderwerk Orgel: Presbyterin Anne Eisenblätter, der ehemalige Presbyter Gustav Becker, Organistin Ulrike Lausberg und Orgelbauer Hartmut Beyer im Inneren des Instrumentes. Foto: mlü

Mit einmal drübersaugen ist es nicht getan. Das Instrument ist sensibel, die Pfeifen bestehen aus Zinn und Blei. Schon der Kontakt mit bloßen Händen greift die Metalle an. Und der Staub ist hartnäckig – er klebt regelrecht in den schmalen Pfeifenspalten, die Windbahnen genannt werden. Weil diese schmalen Spalten den Ton der Pfeife vorgeben, klingt eine Orgel um so tiefer, je dreckiger sie ist.

Und das ist nicht einmal das Schlimmste: Manchmal klemmen dann Register, Töne werden schräg, „manchmal kommt ein Akkord zu spät und die Leute denken, die kann nicht Orgel spielen“, sagt die Stadtkirchen-Organistin Ulrike Lausberg.

Auf der Zielgeraden

Nach der Reinigung kümmert sich Beyer um die so genannte Nachintonation. Dabei wird das gesamte Klangbild der Orgel überprüft. Schlussendlich wird das Instrument dann noch gestimmt. „Wir sind jetzt auf der Zielgeraden“, verrät Lausberg. „Zum Erntedankfest ist die Orgel wieder einsatzbereit.“

Die Sauberkeit hat ihren Preis: 20 000 Euro kostet die Sisyphos-Arbeit im Pfeifenwald laut Presbyterium. Das ist für die Evangelische Gemeinde kein Pappenstiel, zumal eine Reinigung eigentlich nur alle 15 Jahre ansteht – die letzte aber erst fünf Jahre her ist. „Das kam jetzt ziemlich plötzlich“, sagt Presbyterin Anne Eisenblätter. Grund für die vorgezogene Reinigung ist, wie berichtet, ein Schimmelbefall. Anfang des Jahres wurde die Orgel stillgelegt, damit sich die schädlichen Sporen nicht im Kirchraum verbreiten. „Viele Orgeln sind von Schimmel befallen“, erklärt die Organistin Lausberg. Denn die Raumluft in Kirchen sei nicht immer optimal. Besonders in Orgeln sind Schimmelpilze zusätzlich vor UV-Licht geschützt.

Truhenorgel aus Lengerich ausgeliehen

Ganz ohne Orgel musste die Gemeinde in den vergangenen neun Monaten die Gottesdienst nicht feiern: Ihr wurde eine Truhenorgel aus Lengerich geliehen. „Das war sehr freundlich“, lobt Eisenblätter. Ein bisschen ist sie jetzt auf den Geschmack gekommen: „Das war ganz schön, die Organistin hat dann auch mal unten mit der Gemeinde gesessen.“

Jetzt überlegt das Presbyterium, ob sich nicht dauerhaft eine zusätzliche kleine Orgel unten aufstellen lässt. „Zum Beispiel für kleinen Andachten“, sagt Lausberg. „Das wäre jetzt der perfekte Zeitpunkt, das zu regeln.“

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