1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Tecklenburg
  6. >
  7. Situation mit vielen Variablen

  8. >

Personalknappheit und Energiekrise stellen Bäder vor Herausforderungen

Situation mit vielen Variablen

Tecklenburg

Die aktuelle Situation ist nicht einfach: Die Personaldecke ist dünn in den Bädern. Eine Krankheitswelle macht zu schaffen. Und dann ist da auch noch die drohende Energieknappheit. Doch noch läuft beziehungsweise schwimmt im Waldfreibad alles in geregelten Bahnen.

Von Luca Pals

Das Tecklenburger Freibad musste noch nicht von den Öffnungszeiten abweichen. Die Wassertemperatur zum Energiesparen wurde auch noch nicht reguliert und liegt bei etwa 23 Grad. Foto: Luca Pals

Mario Brinkmann ist leidenschaftlicher Schwimmer. Als solcher hat er zahlreiche Bahnen in diversen Bädern gezogen und kann einen guten Vergleich ziehen: „Das Tecklenburger Freibad zeichnet sich durch seine Einfachheit, kurze Wege und den Charme von früher aus. Jeder kennt jeden und dadurch ist viel möglich.“ Der gebürtige Tecklenburger ist nahezu aus dem gleichen Jahrgang wie das Freibad, kommt fast täglich zum Frühschwimmen und ist seit einigen Jahren Schriftführer beim Förderverein. Auch dort wird diskutiert über die Themen, die die Branche so bewegen: Personalknappheit auf der einen, Energiekrise auf der anderen Seite: „Das oberste Ziel des Fördervereins ist es, den Badbetrieb vor Ort weiter sichern zu können.“ Auch im Gespräch mit Tilo Frömmel von der Bäder und Wasser GmbH (BWG) als Schwimmbadbetreiber wird deutlich: Die aktuelle Situation besitzt viele Variablen.

Mario Brinkmann

Einige davon sind nur schwierig zu berechnen: „Die Krankheitswelle, auch durch Corona trifft uns gerade hart. Alleine in der vergangenen Woche haben sich vier Fachangestellte infiziert.“ Woanders nach Ersatz suchen? Aussichtslos: „Der Markt ist dicht.“ Aktuell jonglieren Frömmel und Co. am Anschlag, versuchen Ausfälle so gut es geht zu kompensieren und auf die verschiedenen Standorte zu verteilen: „Am besten ist es, wenn die Badegäste davon nichts merken.“

Während es in Tecklenburg noch zu keiner verkürzten Öffnungszeit kommen musste, wurden in Lengerich am gestrigen Freitag um 18.30 Uhr die Schlüssel umgedreht.

Stets zwei Anforderungen müssen die Fachangestellten vor Ort, die bei Bedarf durch Rettungsschwimmer unterstützt werden, meistern: Das technische Gerüst im Hintergrund und die Sicherheit der Badegäste stehen im Mittelpunkt.

Das weiß auch Eva Brönstrup aus Leeden, die am Freitagvormittag für eine Stunde mit Freundin Evelyn Hüls aus Brochterbeck ihre Bahnen zog: „Der Job ist sehr vielfältig und man hat viel Verantwortung.“ Ein Lob: „Hier sind alle unglaublich freundlich. Das ist ein tolles Team.“

Eva Brönstrup

Arbeitszeiten von Montag bis Sonntag, mögliche Einsätze zwischen 5 und 22 Uhr, bessere Verdienstmöglichkeiten in anderen Bereichen, außerdem die große Verantwortung und einen generellen Fachkräftemangel nennt Frömmel als Gründe dafür, dass deutschlandweit etwa zehn bis 15 Prozent der Stellen nicht besetzt sind: „Und die Zukunft sieht nicht besser aus.“ Einen anderen Grund sieht er in kollektiven Begeisterungsmomenten: „Viele Schwimmbäder sind Anfang der 70er Jahre zu Olympia erbaut worden. Da war Schwimmen eine ganz große Nummer, auch das fehlt in der öffentlichen Wahrnehmung.“ Diejenigen, die einst in den „Bademeister“-Beruf eingestiegen sind, befinden sich aktuell bereits in Rente oder zumindest auf dem Weg dorthin.

Es hat sich viel verändert seitdem: Unter anderem heißt die Berufsbezeichnung „Fachangestellter für Badebetriebe“, und Energie ist keine Selbstverständlichkeit mehr. So erinnert sich Brinkmann an die Anfangszeit des Bades und ein Alleinstellungsmerkmal zurück: „Im Umkreis von bestimmt 30 Kilometern gab es kein Bad, das beheizt war. Damit wurde hier mit großen Zahlen für 23 Grad geworben. Das hat viele Leute angezogen.“

Die gleiche Temperatur gilt auch 50 Jahre später, an die Regulierung der Wassertemperatur müssen sie in Tecklenburg noch nicht dran. Dem bundesweiten Aufruf nach möglichen Energieeinsparungen könne in Teilen auch deswegen entgegengetreten werden, weil eine Absorberanlage für zusätzliche Energie sorgt. Deswegen ist das Bad zwar nicht autark, aber krisenfester aufgestellt. 23 Grad im Becken sollen somit ein Versprechen sein, das im Sommer nicht aufgehoben wird.

Schwimmerin Brönstrup meint es dagegen wohl ernst, wenn sie sagt: „Ich würde auch bei neun Grad schwimmen.“ Und so weiß auch Frömmel von den unterschiedlichen Vorlieben der Badegäste. Die sportlichen und ritualisierten Schwimmer machen sich weniger Gedanken um die Temperaturen als vielleicht Familien mit Kindern. Ab 21 Grad würden Badegäste den Unterschied aber dennoch merken und natürlich sei jeder Gast individuell. So sei eine konstante Wassertemperatur wiederum bei älteren Badegästen wichtig. Was das Energiesparen angeht, sei man mit allen Verantwortlichen im stetigen Austausch.

Angesichts der Wetterprognosen für die kommenden Tage wird sich Frömmel aber nicht viele Gedanken machen müssen: „Da kommt das Becken ganz von alleine auf mehr als 23 Grad.“

Startseite
ANZEIGE