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Clausmeyer-Hof lagert bis vor 35 Jahren in einer Scheune

Stein für Stein wieder aufgebaut

Tecklenburg-Brochterbeck

Seine Rettung hat der Hof Clausmeyer aus dem Jahr 1792 Dr. Uwe Sundermann aus Tecklenburg zu verdanken. Als das Gebäude 1981 wegen eines geplanten Neubaus abgerissen werden sollte, machte ihn ein Zeitungsinserat neugierig, in dem die alten Materialien des Hofes angeboten wurden.

Von und

Der Hof Clausmeyer kurz vor seiner Abtragung im Jahr 1981. Nur wenige Meter vom Originalstandort entfernt wird er wieder aufgebaut. Foto: WN-Archiv

Ein Haus abbauen, in Einzelteile zerlegen, einlagern und später wieder aufbauen? Das hört sich kompliziert an – ist aber durchaus zu realisieren. Bester Beweis dafür ist der Hof Clausmeyer an der Niederdorfer Straße. Vor 35 Jahren wurde all das, was in mühevoller Kleinarbeit abgebaut und sieben Jahre lang eingelagert war, wieder aufgebaut. Die Heimatzeitung begleitete das Projekt damals und berichtete:

„Stein für Stein, Ziegel für Ziegel haben sie abgebaut. Fenster, Türen, Treppen, Kacheln, Bodenbeläge, selbst die Wasserpumpe und die Porzellane Toilettenschüssel transportierten sie in wochenlangen Einsätzen aus dem alten Fachwerkhaus, von dem zum Schluss nur noch ein Skelett stand. Und selbst diese Ständer wurden säuberlich zerlegt und weggeschafft. Die Mühe der Mannschaft unter Leitung von Dr. Uwe Sundermann, Vorstandssprecher der Interessengemeinschaft Bauernhaus (IGB) im Tecklenburger land, hat sich gelohnt: Der Hof Clausmeyer wird sieben Jahre nach seiner vollständigen Abtragung wieder aufgebaut – auf einem Grundstück an der Niederdorfer Straße 8 in Brochterbeck, nur wenige Meter entfernt von seinem ursprünglichen Standort.“

Volle Kostenförderung

Anfang des Jahres 1988 erhielt die IGB den Bescheid über die volle Kostenförderung seitens der Nordrhein-Westfalen-Stiftung für Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege. Die zwei Jahre andauernde Planung für den Wiederaufbau startete im Sommer des Jahres. Die Hauptlast der Vorbereitungen trug Hans-Ulrich Müller, Vorstandssprecher der IGB. Die bauliche Ausführung des Projektes übernahm der Tecklenburger Architekt Jürgen Bardelmeier. Und Ulrich Fendrich, Gartenbauingenieur und hauptamtlicher Mitarbeiter der IGB, war zuständig für die Rekonstruktion eines ehemaligen Bauerngartens, der ebenfalls zum Hof Clausmeyer gehörte.

Wie kam es dazu, den Hof zu retten? Die Heimatzeitung berichtete darüber: „Seine Rettung hat das Haus aus dem Jahr 1792 Dr. Uwe Sundermann aus Tecklenburg zu verdanken. Als das Gebäude 1981 wegen eines geplanten Neubaus abgerissen werden sollte, machte ihn ein Zeitungsinserat neugierig, in dem die alten Materialien des Hofes angeboten wurden. Nach einer Besichtigung der Anlage entschlossen sich Sundermann und eine Gruppe von Gleichgesinnten, dem Bagger zuvorzukommen. In einer vierwöchigen Rettungsaktion trugen sie das Haus Stück für Stück ab, hielten die fachgerechte Zerlegung in Bildern und Filmen fest und erstellten eine umfangreiche Dokumentation. In einer extra für das abgebaute Haus errichteten Scheune lagern die Baustoffe seit dieser Zeit.“

Fachgerecht zerlegt

Den Wiederaufbau privat zu finanzieren und zu organisieren klappte damals nicht, zumal ein passendes Gelände fehlte. Unterstützt durch die Stadt, fand sich schließlich das Grundstück an der Niederdorfer Straße 8.

„Bei einer neuen Bebauung des Grundstücks werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen“, hieß es damals in der Zeitung. „Ein fast 200 Jahre altes Haus, ein wichtiges historisches Zeugnis in Brochterbeck, entsteht nur wenige Meter vom Ursprungsstandort wieder. Gleichzeitig wird ein unschönes Loch am Rand des staatlich anerkannten Erholungsortes gestopft – durch ein städtebauliches Schmuckstück, das das Bild des Dorfes sicher noch attraktiver gestalten wird.“

Städtebauliches Schmuckstück

Die 100-prozentige Förderung des Wiederaufbaus war an Bedingungen geknüpft. Die Stiftung unterstützt nur Projekte, bei denen sie selber Grundstücks- oder Projekteigentümer wird – was dann auch geschehen ist.

Eingerichtet werden sollte ein Kulturzentrum, das von vielen genutzt werden kann und allen offen steht. „Für Brochterbeck und ganz Tecklenburg ist das zukünftige Kulturzentrum von großer Bedeutung: Es lockt weitere Gäste in die Gemeinde, die von der weißen Industrie lebt, wirbt kostenlos für den Fremdenverkehr und sorgt dafür, dass die Bekanntheit von ganz Tecklenburg noch vergrößert wird. Brochterbeck selber erhält zudem einen weiteren Anziehungspunkt, der das idyllische Bild des mehrfach prämierten Dorfes optimal ergänzt“, heißt es in dem Bericht.

Der Clausmeyer-Hof ist heute ein Haus, das gemietet werden kann von Gruppen oder Familien für Tagungen oder Erholung. Mittlerweile kann man dort auch heiraten.

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