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Die Zeit der Postkutschen ist vorbei

Tecklenburg einst wichtiges Drehkreuz

Tecklenburg

Mit dem Jubel über die Betriebseröffnung der TWE endete 1901 zum großen Teil die Postbeförderung mit Pferden, die im Juli 1643 mit der Einrichtung einer Reitpost zwischen Münster und Osnabrück durch die Gräfin Alexandrine von Taxis auf Anordnung von Kaiser Ferdinand III. begonnen hatte.

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Der Verein der Kaltblut- und Kutschenfreunde Tecklenburg Foto: Michael Dölling

Vor genau 120 Jahren endete die Postkutschen-Zeit auf der Route Lengerich-Tecklenburg. Am 19. Juli 1901 nahm die damals neue Teutoburger Wald-Eisenbahn nach der Premierenfahrt am 18. Juli zwischen Bad Laer und Ibbenbüren den Betrieb auf.

Mit dem Jubel über die Betriebseröffnung der TWE endete aber auch zum großen Teil die Postbeförderung mit Pferden, die im Juli 1643 mit der Einrichtung einer Reitpost zwischen Münster und Osnabrück durch die Gräfin Alexandrine von Taxis auf Anordnung von Kaiser Ferdinand III. begonnen hatte. Mit den damaligen Postreitern wurde die Grundlage geschaffen, die nötige Korrespondenz für den Beginn des Friedenskongresses zur Beendigung des 30-jährigen Krieges zu befördern.

Tecklenburg zentraler Ort

Über die Jahrhunderte entwickelte sich Tecklenburg zu einem zentralen Ort, an dem die verschiedenen Postreiter- und Kutschen-Routen zusammen liefen. So gab es zum Beispiel ab September 1871 eine täglich zweimalig verkehrende Personenpost zwischen Lengerich und Tecklenburg. In Tecklenburg begann die Fahrt um 7.25 früh und um 14.30. In Lengerich fuhr die „Retour-Kutsche“ um 9.15 vormittags und um 18.15 nach Tecklenburg ab. Zusätzlich gab es eine tägliche Personenpost zwischen Tecklenburg und Westerkappeln über Velpe, die in Tecklenburg um 15.15 nachmittags startete. Um 8 Uhr morgens war dieser Postwagen bereits in Westerkappeln abgefahren.

Im Jahre 1901 ging die romantische Zeit der Postkutschen in Tecklenburg schrittweise zu Ende. Nach der Einstellung der Postkutsche nach Lengerich am 18. Juli 1901 verkehrte nur noch der Postwagen nach Westerkappeln, der dann ab 1902 nicht mehr in Tecklenburg, sondern in Velpe seine Fahrt begann und am 30. April 1904 ganz eingestellt wurde. Bis Ende der 1920er-Jahre gab es noch einen Landbriefträgerwagen, der von Tecklenburg aus, gezogen von einem Pferd, nach Leede zuckelte.

Reisen für ein breites Publikum

War eine Fahrt in der Postkutsche einst nur dem wohlhabenden Publikum vorbehalten, begann mit der Eröffnung der TWE 1901 das Zeitalter des Reisens für ein breites Publikum und auch des Tourismus der Region. Die vergangene Zeit der Postkutschen wurde später romantisch verklärt und in dem Volkslied „Hoch auf dem gelben Wagen“ sogar von dem ehemaligen Bundespräsidenten Walter Scheel in den 1970er-Jahren besungen.

Tecklenburg gehört heute zu den wenigen Orten in ganz Deutschland, in denen noch eine Postkutsche unterwegs ist. Dieses rollende Museumsstück aus dem Jahre 1894 hatte kürzlich die Ehre, für die Ankündigung des 375-Jahre-Jubiläums des „Westfälischen Friedens“ und dem „Lengericher Conclusum“ von Tecklenburg nach Lengerich zu fahren und für die kommenden Veranstaltungen zu werben. Postillion Hans-Jörg Siepert freute sich sehr, mit dem viersitzigen Omnibus-Postwagen und seinen braven Pferden einmal den Lengericher Römer anzusteuern und an historischer Stelle zu verweilen.

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