Tecklenburger wegen Besitz und Verbreitung kinderpornografischen Materials verurteilt

Über 2000 Fotos und 101 Videos

Tecklenburg

Über 2000 Foto und 101 Videos kinderpornografischen Inhalts hat die Polizei bei einer Hausdurchsuchung gefunden. Nun musste sich ein 55-jähriger Tecklenburger deswegen vor Gericht verantworten.

Foto: dpa

Weil er kinderpornografisches Material besessen und verbreitet hat, wurde ein 55-jähriger Tecklenburger v

om Amtsgericht Tecklenburg am Freitag zu einer Haftstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Die Strafe ist zur Bewährung ausgesetzt. Neun Punkte umfasste die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen den bisher nicht vorbestraften Familienvater. In acht Fällen – im Zeitraum von August 2017 bis September 2020 – ging es um die Beschaffung und Weitergabe von kinderpornografischen Bildern, im neunten Fall um den Besitz entsprechender Fotos und Videos.

Bei einer Hausdurchsuchung im September 2020 stellte die Polizei auf zwei Computern und einem Smartphone sowie weiteren Datenträgern insgesamt über 2000 Fotos und 101 Videos mit strafrechtlich relevanten, einschlägigen Inhalten sicher. Die genaue Auflistung der Staatsanwältin war schockierend: „Die meisten der Aufnahmen zeigen Jungen und Mädchen im Kindergartenalter, auf zehn Fotos sind die Kinder gefesselt, auf Zweien wird Gewalt angewendet.“

Der Angeklagte

Gleich zu Beginn der Verhandlung machte der Angeklagte reinen Tisch und räumte die ihm vorgeworfenen Taten ein: „Ja das stimmt, ja das habe ich getan, das alles tut mir unendlich leid.“ Erst die Hausdurchsuchung habe ihm die Augen geöffnet, in was er sich da verstrickt habe, so der Angeklagte. Danach habe er sich sofort in Therapie begeben: „Ich wollte herausfinden, was mit mir los ist.“ An der fachlichen Expertise des Therapeuten hegte der Vorsitzende Richter allerdings Zweifel. Dieser hatte bescheinigt, dass der Angeklagte keine pädophilen Neigungen habe. „Da haben Sie nicht mit offenen Karten gespielt und nicht alles gesagt,“ vermutete der Amtsrichter und verlas entgegen seiner ursprünglichen Absicht Auszüge aus Chatprotokollen. Darin kommentiert der Angeklagte gegenüber dem Mann, dem er kinderpornografisches Material überlassen hatte, die getauschten Bilder in entlarvender Weise.

Gründe für sein Handeln lieferte der Angeklagte nicht. Über lange Zeit habe er sich lediglich „normale Pornografie“ heruntergeladen, aus Neugier sei er dann auf einschlägige Seiten im Darknet (versteckter illegaler Teil des Internets) gestoßen. Dabei habe er sich keine Gedanken gemacht über sein Tun, auch dass er das Material weitergegeben habe, sei ohne Nachdenken und Unrechtsbewusstsein geschehen.

Hier zeigte der Vorsitzende Richter Skepsis und hielt dem Angeklagten vor, wie dieser auf die Warnung seines Tauschpartners: „Sei vorsichtig, in Köln haben sie einen Freund von mir hochgenommen,“ abwiegelnd regiert habe: „Kein Problem, hier läuft alles ruhig.“

Der Vorsitzende Richter

Mit einem Jahr und vier Monaten Haft blieb das Gericht nur knapp unter der von der Staatsanwaltschaftgeforderten Strafe. „Sie haben gezielt nach Kinderpornografie gesucht, sie wussten, was Sie taten. Dass es Ihnen heute leid tut, ist glaubhaft. Dass sie aber nicht wissen konnten, was passiert, wenn man sich Material von einer Plattform im Darknet herunterlädt, die sich „Hurt meh“ nennt, glaube ich Ihnen nicht,“ so der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung: „Ihre Nachfrage nach Fotos unterstützt sexuelle Gewalt an Kindern.“

Das Gericht wertete das umfassende Geständnis sowie die Bereitschaft, eine Therapie zu beginnen, als strafmildernd, ebenso wie die günstige Sozialprognose des Angeklagten. Diesem wird ein Bewährungshelfer beigestellt und er muss eine Geldstrafe von 3000 Euro zahlen.

Startseite