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„Don Camillo und Peppone“ feiert auf der Freilichtbühne Premiere

Unterhaltung auf hohem Niveau

Tecklenburg

Das Hochwasser ist abgewendet, die Liebe hat gesiegt und die Menschen blicken wieder optimistisch in die Zukunft. Es ist geschafft: Arm in Arm verlassen Don Camillo und Peppone die Piazza und schreiten hinaus in die Nacht. Was sie zurücklassen, sind feiernde Dorfbewohner – und jubelnde Zuschauer. Drei Stunden lang haben die rund 2000 Besucher der Musical-Premiere mit den Akteuren gelacht und gebangt, Freude, Sorgen und Nöte miterlebt. Als der letzte Akkord über der Freilichtbühne verklingt, gibt es kein Halten mehr. Standing Ovations für „Don Camillo und Peppone“.

Ruth Jacobus

Das Bühnenbild von Jens Janke und die Kostüme von Karin Alberti sorgen für das passende italienische Flair, als auf der Piazza gefeiert wird. Endlich versöhnen sich Don Camillo und Peppone (kleines Bild, von links). Foto: Detlef Dowidat

Das Hochwasser ist abgewendet, die Liebe hat gesiegt und die Menschen blicken wieder optimistisch in die Zukunft. Es ist geschafft: Arm in Arm verlassen Don Camillo und Peppone die Piazza und schreiten hinaus in die Nacht. Was sie zurücklassen, sind feiernde Dorfbewohner – und jubelnde Zuschauer. Drei Stunden lang haben die rund 2000 Besucher der Musical-Premiere mit den Akteuren gelacht und gebangt, Freude, Sorgen und Nöte geteilt. Als der letzte Akkord über der Freilichtbühne verklingt, gibt es kein Halten mehr. Standing Ovations für „Don Camillo und Peppone“.

„Großartig“ findet Michael Kunze (Text) die Inszenierung. „Super. Toll“ ist Dario Farina (Musik) begeistert. Aus deren Federn stammt das Musical. Beide sind nach Tecklenburg gereist, um die deutsche Erstaufführung mitzuerleben. Sie sind ebenso begeistert wie das restliche Publikum. Erlebt haben sie ein höchst unterhaltsames Musical, das auf jeglichen Klamauk verzichtet. Es ist Komödie und Drama zugleich – eine perfekte Balance zwischen Ernsthaftigkeit und intelligenter Komik.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Es ist nur wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. In dem kleinen italienischen Dorf Boscaccio finden Wahlen statt. Die Kommunisten gehen als Sieger hervor und Peppone wird Bürgermeister – zum Leidwesen des Dorfpfarrers Don Camillo, der um das Seelenheil seiner Schäfchen fürchtet. Die beiden streiten und prügeln sich. Um ihre Ziele zu erreichen, schrecken sie auch vor Erpressung nicht zurück. Und wenn es dann doch zu bunt wird und Don Camillo mal wieder über die Stränge schlagen will, schaltet sich Jesus ein und nimmt den Pfarrer ins Gebet.

Wie ein roter Faden ziehen sich Ginas Erinnerungen durch das Musical. Als zerbrechliche, alte Dame (zauberhaft dargestellt von Barbara Tartaglio) kehrt sie in ihr Heimatdorf zurück. Damit beginnt das Stück. Sie wird von einem jungen Mann begleitet, dem sie ihre Geschichte erzählt. Und eben jener junge Mann ist Florian Albers, der als mahnender Jesus über die Bühne schreitet. Da ist keine Stimme aus dem Nirgendwo zu hören. Eine gute Idee.

Bis zur kleinsten Nebenrolle ist das Musical perfekt besetzt. Als Don Camillo glänzt Thomas Borchert, der zu den Topstars der deutschsprachigen Musicalszene gehört. Er steht zum ersten Mal auf der Tecklenburger Bühne. Stimmgewaltig und alles überragend legt er sich mit Peppone an. Als Pfarrer, der auch einmal an der Gerechtigkeit und an sich selbst zweifelt, der schlitzohrig versucht, Jesus zu überlisten, weiß Thomas Borchert mehr als zu überzeugen. Seine Mimik ist unübertrefflich.

Patrick Stanke hat als kraftstrotzender Peppone, der mit seiner mangelnden Bildung hadert und sich selbst gern als harten Kerl hinstellt, sichtlich großen Spaß an seiner Rolle. Er ist sowohl mimisch als auch gesanglich der ideale Gegenpart zu Thomas Borchert.

Und dann ist da noch das Liebespaar Gina und Mariolino. Milica Jovanovic und Dominik Hees verkörpern überzeugend die beiden jungen Leute, die zunächst so hoffnungsvoll in die Zukunft schauen. Sie aus reichem Haus, er der Sohn eines Pächters – die Eltern wollen die Verbindung verhindern. Besonders Ginas sturer Vater Filotti und Mariolinos Vater Brusco, eindrucksvoll verkörpert von Kevin Tarte und Görg Neubauer, steigern die Verzweiflung der beiden. Sie wollen sich umbringen.

Doch das sind nicht die einzigen Probleme, mit denen Bürgermeister und Pfarrer zu kämpfen haben. Es geht um Geld für die Kirchenrenovierung, ein Denkmal, die Kriegskasse der Faschisten – und um Peppones Sohn, der auf den Namen Lenin getauft werden soll. Zudem bedroht eine Flut das Dorf. Ach ja, nicht zu vergessen Nonno, der Großvater von Gina. Sebastian Brandmeir sorgt in dieser Rolle für Gelächter, wenn der schlitzohrige alte Herr wieder einmal stirbt – oder auch nicht. Er will auf jeden Fall noch die charmante Lehrerin Laura (Femke Soetenga) erobern.

Ausgezeichnet ist die Choreografie von Till Nau. Ausdrucksstarke Tänze verstärken das Geschehen. Die Verzweiflung der Dorfbewohner, als eine Flut droht, die Wut, aber auch die Erleichterung, als sich alles zum Guten wendet – das Ensemble verstärkt durch seine Tänze die handlungstragenden Emotionen.

Das alles geschieht in bester Harmonie mit dem wieder einmal großartigen Orchester unter der Leitung von Giorgio Radoja. Mal italienisch anmutend, mal rockig sind die Songs, laden zum Mitswingen ein. Das alles gepaart mit einigen der besten Stimmen, die die Musicalszene zu bieten hat, ist „Don Camillo und Peppone“ ein wunderschönes Musical voll italienischer Leichtigkeit und mitreißender Dramatik.

Zum Thema

„Don Camillo und Peppone“ ist bis zum 25. August noch 19 Mal zu sehen. Karten gibt es an der Theaterkasse, Schlossstraße, ' 0 54 82/220.   | Weitere Bilder im Online-Auftritt dieser Zeitung.

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