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Der Obsthof von Werner Harlinghausen

Viel Arbeit im kleinen Paradies

Tecklenburg

Werner Harlinghausen hat sich ein kleines Paradies geschaffen - und er lässt andere daran teilhaben. Nahe Haus Marck liegt sein Obsthof. Dort gedeihen Erdbeeren, Johannisbeeren Zwetschgen und mehr, die geerntet werden können.

Von Ruth Jacobus

Werner Harlinghausen verbringt die Sommersaison gern in seinem Obst-Paradies. Derzeit sind es vor allem Erdbeeren und Johannisbeeren, die geerntet werden. Foto: Ruth Jacobus

Sie sind leuchtend rot, saftig und süß. Frisch gepflückt schmecken sie am besten. Das weiß auch die fünfköpfige Familie, die auf dem Obsthof von Werner Harlinghausen fleißig bei der Ernte ist. Es dauert nicht lange, da hat jeder ein mit Erdbeeren gut gefülltes Körbchen in den Händen. Die Familie gehört zu den Stammkunden des Tecklenburgers, der seit jeher ein Faible für den Gartenbau und daraus ein zeitintensives Hobby gemacht hat.

Werner Harlinghausen

„Nur den Ruhestand zu pflegen, das tut nicht gut“, sagt der 78-Jährige und lächelt verschmitzt. „Ich bin immer unter Leuten, habe nette Gesprächspartner und Arbeit, die mich fit und munter hält.“ Und Arbeit gibt es genug auf dem Areal. „Ich habe dieses Paradies Mitte der 1980er Jahre gepachtet.“ Es sei der alte Gemüsegarten von Haus Marck gewesen. Früher sei er von einem Gärtner bewirtschaftet und das Gemüse auf Märkten verkauft worden. Nun gedeihen dort Erdbeeren, rote und schwarze Johannisbeeren, Bühler Zwetschgen und mehr, Obst, das sobald es reif ist, geerntet und verkauft wird. „Reich werde ich davon nicht“, weiß Harlinghausen. Aber darum geht es dem begeisterten Hobbygärtner auch nicht.

Der Tecklenburger hat bereits 1978 angefangen, Spargel, Gemüse und Obst anzubauen. Er hatte den Weidenhof gepachtet und später gekauft. In Spitzenzeiten habe er auf 25 Hektar Land Spargel angebaut. Das wurde dem Berufsschullehrer, der gerne Bauer geworden wäre, irgendwann zu viel. Aus heutiger Sicht sei das falsch gewesen. „Ich hätte kleiner weitermachen sollen.“

Begeisterter Hobbygärtner

2001 hat er den Hof an der Wechter Straße verkauft und sich in Polen einen Hof angeschafft, der seine Ursprünge um das Jahr 1800 herum hatte. Der liegt in einem kleinen Dorf in Hinterpommern, rund zehn Kilometer vom Meer entfernt. Weite Wälder gibt es dort. „Das erfreut mein Herz.“ Mit seiner Frau pendelt er hin und her. In der Sommersaison kümmert sich Harlinghausen um den Obsthof, ansonsten ist er oft in Polen.

Seit gut einer Woche kann jetzt wieder auf dem Obsthof geerntet werden. Früher hätten die Leute die Früchte kistenweise gekauft, heute sind es Schälchen, hat Harlinghausen ein verändertes Kundenverhalten festgestellt.

In seinem Obstgarten setzt er auf Vielfalt. Auf knapp 2,5 Hektar Land wachsen nicht nur Erdbeeren, Himbeeren, Stachelbeeren und Zwetschgen, sondern auch die Schwarze Apfelbeere. „Das ist die vitaminreichste Waldfrucht“, weiß der Obstbauer aus Leidenschaft. Zum Naschen eignet sie sich eigentlich nicht, weil sie sehr herb schmeckt. Harlinghausen lässt daraus Saft pressen, den er nicht nur verkauft, sondern auch selbst regelmäßig trinkt. Denn er wirkt gegen zu hohes Cholesterin, bei Bluthochdruck und Kreislaufproblemen. Nicht nur die Früchte, auch der Saft schmeckt sehr säuerlich und herb: also verdünnen und süßen, eventuell mit Honig, rät der Fachmann. Die Aronia-Beere, wie sie auch heißt, wächst üppig im Tecklenburger Obsthof. Stolz verweist Harlinghausen beim Rundgang auf die vielen Früchte.

Als ökologisch wirtschaftender Betrieb setzt der Obsthof auf „natürliche Gegenspieler“ zu den Schädlingen. „Hornissen machen sich breit“, freut sich Harlinghausen. Die würden andere Insekten jagen. Außerdem gebe es vielerlei Vögel in seinem kleinen Paradies. Und die beobachtet er gerne. „Wenn ich hier sitze, sehe ich den Turmfalken“, schwärmt er. „Es herrscht hier totale Stille.“

Werner Harlinghausen

Die ist natürlich vorbei, wenn Kunden kommen. Aber auch darüber freut er sich. Im Moment sind es Erdbeeren und Johannisbeeren, die reif sind. Reiche Ernte versprechen die Himbeersträucher. Auch die Zwetschgenbäume hängen voller Früchte. Die werden bis Mitte September verkauft. Danach kommen im Oktober die Äpfel. Und dann wird es ruhig im Obsthof. Bis im nächsten Frühjahr die Arbeit wieder vor vorn beginnt. Denn die Pflanzen wollen gehegt und gepflegt werden. Da wird freigeschnitten, gestutzt und gemäht (mit tatkräftiger Unterstützung eines Nachbarn). Und es wird gedüngt – mit natürlichem Mist. Denn Chemie kommt ihm nicht ins Haus beziehungsweise ans Obst.

Der Obsthof am Marcker Esch ist montags bis samstags von 15 bis 19 Uhr geöffnet.

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