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Interview mit dem ANTL-Vorsitzenden Thomas Volk

„Wir haben viele Ziele und sindsehr breit aufgestellt

Tecklenburg

Das Recker Moor war eines der ersten Einsatzgebiete der Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz Tecklenburger Land (ANTL). Dort sei inzwischen eines der wertvollsten Moore in NRW entstanden, berichtet Thomas Volk, der vor Kurzem den Vorsitz der ANTL übernommen hat. Auch bei den Themen Grubenwasser, Halden-Nachnutzung und Kalkabgrabungen im Teuto will die Arbeitsgemeinschaft die Anliegen des Naturschutz engagiert vertreten, verspricht er im Interview.

Thomas Volk ist neuer Vorsitzender der ANTL. Der Naturschutzverein hat zurzeit rund 500 Mitglieder. Foto: Anke Beimdiek

Mehrere Jahre lang war der Vorsitz der Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz Tecklenburger Land (ANTL) unbesetzt. Vor einigen Wochen ist Thomas Volk offiziell an die Spitze des Naturschutzvereins gerückt. Mit dem Mettinger, CDU-Mitglied, der viele Jahre stellvertretender Vorsitzender war, sprachen wir über neue Ziele und bereits Erreichtes.

Der ANTL-Vorsitz war lange vakant. Warum?

Thomas Volk: Das lag daran, dass wir niemanden gefunden haben, der diese Aufgabe übernehmen wollte. Der Vorsitz ist ja eine Position, die Öffentlichkeitsarbeit und -darstellung in größerem Stile verlangt. Es ist auch ein ziemlich umfangreiches Aufgabenfeld. Die ANTL ist mittlerweile ja ein kleiner Betrieb mit mehreren Angestellten.

Warum haben Sie sich entschieden, diese Aufgabe zu übernehmen?

Volk: Wir haben einen vielversprechenden zweiten Vorsitzenden gefunden. Deswegen konnte ich mir vorstellen, den seit ewigen Zeiten vakanten Vorsitz zu übernehmen. Im Vorstandsteam teilen wir ohnehin viele Aufgaben. Die Arbeit ist in verschiedene Bereiche gesplittet, denn es gibt viele Themen, in die man sich reinhängen kann. Aber es ist ein Ehrenamt und soll auch ein Ehrenamt bleiben.

Wie sind Sie zum Naturschutz gekommen?

Volk: Im Studium vor knapp 30 Jahren. Ich habe Landespflege studiert und bin so zum Naturschutz gekommen.

Welche Ziele haben Sie sich für die ANTL gesetzt?

Volk: Wir haben viele Ziele, sind sehr breit aufgestellt. Angefangen bei den weiteren Abgrabungen, die die Kalkindustrie im Teutoburger Wald plant, über das Ende des Bergbaus, das auch Probleme mit sich bringt, wie die Grubenwasser-Problematik. Die Ableitung wurde politisch einfach durchgewunken, obwohl noch Riesenprobleme auf uns zukommen können. Eine andere wichtige Thematik ist die Halden-Nachnutzung, an der wir intensiv beteiligt waren. Dort sind sekundär aus Menschenhand tolle Biotope entstanden, die schützenswert sind. Dazu kommen noch Themen wie Biodiversität, Landwirtschaft, Umweltbildung. Wir haben eine eigene Schafherde und, und, und.

Abgrabungen, Grubenwasser – das sind Themen mit viel Konfliktpotenzial ...

Volk: In der Frage der Abgrabungen kooperieren wir mit der Bürgerinitiative Pro Teuto, die fachlich sehr versierte Leute hat. Zu diesem Thema gibt es ganze Ordnerreihen, die zu bearbeiten sind. Als kleiner Verein können wir so etwas mit eigener Manpower nicht leisten. Da muss man Kooperationen eingehen – wie auch mit der Grubenwasser-AG. Insgesamt sind wir mit 300 Naturschutzverbänden kooperativ verbunden.

Die Arbeit der ANTL besteht also nicht nur aus Kopfweiden schneiden und Nistkästen bauen ...

Volk: Das ist unsere praktische Arbeit. Dinge, die vor Ort anliegen – sozusagen unser kleines Handwerkszeug. Die anderen übergeordneten Dinge sind eher ideell. Wobei wir auch dort Arbeitseinsätze machen – zum Beispiel in Nachfolge der Kalkindustrie. Da sind mit den Kalkmagerrasenwiesen sehr wertvolle Biotope entstanden, die weiter von uns gepflegt werden. Nistkästen bauen ist aber auch ein wichtiges Element in der Familienbildung.

Welche Ideen hat die ANTL zur Halden-Nachnutzung?

Volk: Auf den Halden ist ein ökologisch wertvoller Bereich entstanden. Das sieht auch das Forstamt so. Es wäre für uns wünschenswert, wenn man alles unter Naturschutz stellen könnte. Hier handelt es sich um riesige, zusammenhängende Gebiete, die noch nicht von der Landwirtschaft oder Industrie beansprucht werden. Und für Biodiversität und Artenvielfalt brauchen wir eine Vernetzung solch geschützter Flächen. Obwohl deren Anteil irgendwann bei zehn Prozent liegen soll, sind wir in NRW immer noch unter fünf Prozent. Solche Industriebrachen ließen sich für den Naturschutz ideal nutzen, ohne Probleme mit der Landwirtschaft zu provozieren. Leider ist die Politik da nicht unserer Meinung, denn die Flächen lassen sich ja auch gut vermarkten.

Und beim Thema Grubenwasser?

Volk: Es ist traurig, dass sich die politischen Entscheidungsträger der Gemeinden fast komplett einig waren, dass eine weitere Umweltverträglichkeitsprüfung sie nicht interessiert. Da gibt es scheinbar immer noch eine alte Hörigkeit gegenüber dem Bergbau.

Die ANTL gehört zu den ältesten Naturschutzverbänden in der Region. Welche Ziele sind erreicht worden?

Volk: Ursprünglich hat sich die ANTL aus einer Untergruppe des BUND gebildet. Auslöser war die Moorpflege im Recker und Mettinger Moor. Damals war dort der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel erlaubt, was für viele nicht akzeptabel war. Dadurch ist die ANTL entstanden. Wir haben das Recker Moor unter unsere Fittiche genommen, ein großes Leitprojekt zur Renaturierung und Vernässung wurde durchgeführt. Seitdem hat sich dort sehr viel entwickelt – besonders was die Artenvielfalt und -zusammensetzung betrifft. Vor zwei Jahren hat ein Wissenschaftler festgestellt, dass es eines der wertvollsten Moore Nordrhein-Westfalens ist. Er hat mehrere Rote-Liste-Arten und selbst zwei ausgestorben geglaubte Falterarten dort entdeckt. Sehr erfolgreich im Sinne des Naturschutzes ist auch die Beweidung der Kalkmagerrasenwiesen durch unsere Schafherde. Auch hier ist wissenschaftlich festgestellt worden, dass die Artenvielfalt gewachsen ist. Nicht zuletzt hat sich unsere Umweltbildung in den vergangenen 20 Jahren toll entwickelt. Leider ist sie jetzt stark durch Corona gehandicapt.

Ist es für Sie schwierig, junge Leute für den Naturschutz zu gewinnen?

Volk: Das ist wirklich schwierig. Wie fast alle Vereine sind auch wir etwas überaltert. Es gibt zwar eine Kindergruppe und die Naturschutzjugend, die gut laufen. Aber sobald die jungen Leute Abi haben und zum Studieren gehen, sind sie raus und auch später schwer greifbar. Dabei könnten wir noch mehr aktive Manpower brauchen. So etwas wie Stellungnahmen schreiben liegt zum Beispiel im Moment im Argen. Wir haben 500 Mitglieder – das ist zwar eine hohe Zahl, aber die meisten sind leider passive Mitglieder. Nichtsdestotrotz verleiht uns das politisches Gewicht.

Ist in der Coronakrise das Interesse der Menschen, die plötzlich die Natur vor der eigenen Haustür entdecken, gewachsen?

Volk: Wenn sich die Menschen an die ANTL wenden, geht es meist um Fachfragen: Ein Baum wird gefällt, welche Hintergründe hat das? Auch wenn irgendwo ein Stall gebaut werden soll, ist der Aufschrei groß und viele sind der Meinung, der ehrenamtliche Naturschutz muss sich da mit aller Macht reinhängen. Nur: Dafür gibt es rechtliche Richtlinien. Wir können nur unsere Stellungnahme abgeben, entscheiden muss nach Gesetzeslage die obere Baubehörde. Manchmal sind die Erwartungen sehr hoch und wenn man sie nicht erfüllen kann, ist die Enttäuschung groß. Wir können nicht immer Klagen führen. Aussicht auf Erfolg hat so etwas nur, wenn ein Vorhaben von gesetzlichen Vorgaben abweicht. Wichtig wäre, in den politischen Gremien auf eine Änderung der Gesetzeslage im Sinne des Naturschutzes hinzuwirken.

Sie sind in der Lokalpolitik als sachkundiger Bürger für die Mettinger CDU aktiv. Den Vorsitzenden der ANTL würde man aber wahrscheinlich eher bei den Grünen politisch verorten. Werden Sie von Ihren Vorstandskollegen deshalb manchmal schräg angeschaut?

Volk: (lacht) Nein, da gibt es keine festgeschriebenen politischen Meinungen.