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Kirchentreue Fledermäuse in Ledde

Wochenstube in uraltem Eichengebälk

Tecklenburg-Ledde

Das werden nicht alle Ledderaner wissen: Ihre Kirche ist seit 2004 ein eingetragenes europäisches Schutzgebiet nach FFH-Richtlinie (0,03 Hektar). Das liegt an der Wochenstubenkolonie des Großen Mausohrs

Von und

Das Große Mausohr vor der Ledder Kirche. Mit Eintritt der Dunkelheit fliegen die Muttertiere aus und gehen auf Beutejagd. Foto: Kirchengemeinde

Muttertiere und Nachwuchs dieser streng geschützten Fledermausart verbringen vermutlich seit Hunderten von Jahren die Frühjahrs- und Sommermonate im Eichengebälk über dem Kirchenschiff.

Gerhard Mäscher ist Regionalbetreuer für den Fledermausschutz in Niedersachsen, arbeitet bezüglich der Ledder Population aber auch eng mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Steinfurt zusammen. Über 200 Tiere würden Jahr für Jahr dort ihr Quartier beziehen, berichtet der Hasbergener. 20 bis 30 Gramm leicht seien die erwachsenen Minisäuger, brächten es jedoch auf eine Spannweite von immerhin 40 Zentimetern.

Michael Wegers berät und begleitet für das Evangelische Kreiskirchenamt in Münster (Verwaltungsverband der Kirchenkreise Tecklenburg, Münster und Steinfurt-Coesfeld Borken) Gemeinden bei Baumaßnahmen. Mit ihm und der baubetreuenden Architektin, Diana Danne aus Münster, hatte Mäscher im September vergangenen Jahres einen Ortstermin. Für dei Ledder Dorfkirche stehen umfangreiche Renovierungsarbeiten an (wir berichteten ausführlich).

Gemeinsam fand man eine Lösung, damit die Fledermäuse, während der Turm eingerüstet ist, ungehindert durch die immer gleichen Scharten des Uhrenbodens ein- und ausfliegen können. Eine Art Trichter aus Schalholz soll verhindern, dass sie sich verletzen. Den darüber liegenden Glockenboden wird man nach unten provisorisch verschließen, sodass sich keiner der Kunstflieger in die Turmbaustelle verirren kann.

Das Große Mausohr hat es nicht leicht, weil die Buchenwälder im Teuto aufgrund großer Trockenheit seit langem leiden. Diese Wälder aber brauchen die Muttertiere, weil sie dort des Nachts lautlos, ein bis zwei Meter über dem Boden fliegend, Laufkäfer oder Spinnen orten. Rund 50, so schätzt man, verputzen sie pro Nacht. Verbuschen diese Waldböden, verschwindet ihr Nahrungsraum.

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