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Wasserschlosskonzert mit Anthony Ilenio Lauber

Wohltuende Klänge und atemberaubendes Tempo

Tecklenburg

Ohne eine Zugabe ließ das sichtlich beeindruckte Publikum Anthony Ilenio Lauber nicht ziehen. Der Gitarrist hatte im Rittersaal von Haus Marck ein Konzert gegeben.

Von Sunhild Salaschek

Anthony Ilenio Lauber konzertierte bereits zum zweiten Mal im Rittersaal und wusste sein Publikum zu beeindrucken. Foto: Sunhild Salaschek

Im Rahmen der Wasserschlosskonzerte gastierte am Sonntag der Sologitarrist Anthony Ilenio Lauber auf Haus Marck. Dabei zeigte sich einmal mehr, wie gut die Konzerte der Reihe auf die Räumlichkeiten abgestimmt sind. Der Rittersaal mit seiner intimen Akustik harmonierte hervorragend mit dem überwiegend zarten Klangvolumen der klassischen Gitarre.

Zusätzlich stellte sich Lauber, der bereits vor zwei Jahren an gleicher Stelle aufgetreten war, auch perfekt auf die gegebene Klangwelt der Räumlichkeiten ein. Ohne weiteres Hilfsmittel begeisterte er allein durch seine Technik und Ausdrucksstärke seine Hörer mit einem Konzert voller wohltuender klangvoller Musik.

Klangvolle Musik

Lauber ist vor allem für eine sensible Dynamik bekannt. Wie raffiniert er dabei differenziert, zeigte sich besonders bei seiner Interpretation der für diesen Nachmittag ausgewählten drei Werke von spanischen Komponisten. Mit jeweils einer Komposition von Gaspar Sanz (1640-1710), Fancisco Tarréga (1852-1909) und Antonio José (1902-1936) entstand dabei ein farbenreiches virtuos gezeichnetes Bild der spanischen Gitarrenmusik vom Barock über die Romantik bis hin zum (Post-) Impressionismus.

Vor Beginn seines Spiels gab Lauber kurze Hinweise auf das jeweils folgende Stück. Beispielsweise habe Maurice Ravel von seinem Schüler José gesagt, er werde einmal der bedeutendste spanische Komponist des 20. Jahrhunderts werden. Trotzdem wurde er nach frühem Tod zunächst völlig vergessen. Sein bedeutendstes Werk, die „Sonata“, sei erst vor gut 30 Jahren wieder entdeckt worden. Nun konnten sich die Hörer von deren Qualitäten in Laubers gelungener Interpretation ihr eigenes Bild machen. Auch ein Hinweis auf die Ermordung Josés im spanischen Bürgerkrieg und die Parallelen zum derzeitigen Krieg fehlten nicht.

Sowohl Sanz wie Tarréga hatten eine für ihre jeweilige Zeit bahnbrechende Gitarrenschule verfasst. Auf dem Heimweg diskutierten einige Hörer über die fantastische Anschlagtechnik des Musikers. Sie dürfte auf der von Tarréga vor gut hundert Jahren neu eingeführten Techniken beruhen, bei der unter anderem nur mit den Fingerkuppen voluminöse tragfähige Gitarrentöne erzeugt werden – und das bei Lauber in einem atemberaubendes Tempo.

Bahnbrechende Gitarrenschule

Eine Sonderstellung nahm an diesem Nachmittag die für Violine solo komponierte a-moll-Sonate Nr. 2 (BWV 1003) von Johann Sebastian Bach ein. Bei seiner Großzügigkeit mit dem Einsatz verschiedener Instrumente hätte Bach die Adaption für Gitarre sicher autorisiert, meinte Lauber. Er interpretierte sie mit besonderer Hingabe und großer Spielfreude, die auch sonst das klangschöne Konzert prägte.

Das beeindruckte Publikum erklatschte sich eine Zugabe, die nochmals die variantenreichen Ausdrucksmöglichkeiten der Gitarre von schwebender Musik bis hin zu auftrumpfender Dramatik vor Augen führte.

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