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Lesung mit Gustav Echelmeyer alias Enno Beckmann

Zwischen heimatlichen Gefilden und menschlichen Abgründen

Tecklenburg

Gemütliche Plaudereien zum Einstieg – und dann wurde es spannend bei einer Lesung mit Enno Beckmann.

Von Axel Engels

Mit Akribie und Feinsinn ist das Buch von Enno Beckmann geschrieben, aus dem der Autor vorlas. Foto: Axel Engels

Oft ist eine Lesung eine gar trockene Angelegenheit. Da wird ein Schriftsteller von seinem Verlag durch die Lande geschickt und muss dann sein neuestes Werk in besonders gutem Licht präsentieren, um die Verkaufszahlen zu steigern. Anders ist dies, wenn der sympathische Enno Beckmann zu einer Lesung ins „Haus des Gastes“ einlädt. Da trifft man sich in kleinem Kreis, findet sofort eine gemeinsame Basis für ein Gespräch und erfährt im Vorfeld schon so manch Amüsantes über die Entstehung seines neuen Buches. Da genießt man die Plaudereien als willkommene Einstimmung, endlich erlebt man eine Lesung mit ganz persönlicher Note.

„Die Gier der Anderen“ hat Enno Beckmann seinen Roman genannt und ihn zur Steigerung des Spannungsbogens mit Elementen eines Krimis bereichert. Was an diesem Abend aber sofort klar wurde, war der besondere Umgang Beckmanns mit der Sprache, sein scharfer Blick hinter die Kulissen. Mit Akribie und Feinsinn hat er ein Werk geschrieben, das durch seinen poetisch-lyrischen Sprachgebrauch besticht, wo selbst teils brutal anmutende Geschehnisse direkt erlebbar werden ohne jegliches Streben nach platter Sensationslust.

Menschliche Abgründe

Zwischen Natur, Kulturgeschichte, heimatlichen Gefilden und menschlichen Abgründen bewegt sich sein Roman, und mit gekonnter Rezitation wusste er die Besucher in seinen Bann zu ziehen. Bei der Auswahl der gelesenen Teile hat Enno Beckmann natürlich Passagen gewählt, die auch ohne das Wissen über den gesamten Handlungsablauf für Spannung sorgten. Wenn er dann genau auf dem Höhepunkt einer dramatischen Entwicklung seine Rezitation beendete, war dies der wohl beste Weg, auch bei den Zuhörern die Begierde des Nachlesens zu wecken.

Es gibt ja viele Arten, jemanden ins Jenseits zu befördern. Aber wenn diese eigentlich schreckliche Situation mit solcher Sprachkunst geschildert wird, sorgt die Detailgenauigkeit für ein prickelndes Gänsehautgefühl. Seine Protagonisten sind seiner unglaublichen Fantasie entsprungen, könnten so aber auch im wirklichen Leben auftauchen. Da verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fantasie, ohne dass man den Übergang bewusst wahrnehmen kann. Betrüger und Betrogene entwickelten an diesem Abend ein Eigenleben und dies lag wohl neben der schriftstellerischen Leistung von Enno Beckmann auch an seiner natürlichen Art, wie er die Besucher in die Welt dieses lesenswerten Romans einführte.

Und wem Enno Beckmann bekannt vorkommt: Das ist ein Künstlername. Im wirklichen Leben heißt der Autor Gustav Echelmeyer und er lebt in Lengerich.

Das Taschenbuch „Die Gier der Anderen“ mit seinen 277 Seiten ist im Principal Verlag erschienen und kann auch über den Buchhandel bezogen werden (ISBN 3899692489, 12,50 Euro).

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