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Westerkappelner Paar freut sich über Drillinge

Besser als Sechs Richtige

Westerkappeln

Sechs Richtige kommen in Deutschland zwar noch seltener vor. Doch Theo, Emma und Noah machen Victoria und Thomas Hörnschemeyer garantiert viel glücklicher als ein Millionengewinn im Lotto. Vor fünf Monaten haben die beiden Jungs und das Mädchen im Klinikum Osnabrück das Licht der Welt erblickt. Innerhalb von nur drei Minuten waren die Drillinge auf die Welt gebracht und haben sich seit ihrer Geburt zu niedlichen Wonneproppen entwickelt.

Frank Klausmeyer

Drei niedliche Wonneproppen: Emma, Theo und Noah entwickeln sich prächtig. Mittlerweile bringt es das Mädchen auf 5600 Gramm, Brüderchen Theo wiegt 5800 Gramm und das Nesthäkchen Noah (rechts) ist 5200 Gramm schwer. Jede Woche nehmen die Babys rund 200 Gramm zu. Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer (links) gratulierte Victoria und Thomas Hörnschemeyer in dieser Woche zur Geburt ihrer Drillinge. Hinter den Eheleuten liegen Wechselbäder der Gefühle. Foto: Frank Klausmeyer

Da liegen sie nun auf dem heruntergeklappten Sofa von Victoria und Thomas Hörnschemeyer. Emma und Noah schlafen tief und fest, Theo scheint derweil unentwegt die Umgebung zu erkunden und lächelt, als er seinen Papa sieht. „Alles ist im grünen Bereich“, freut sich die Mama. Endlich! Denn wie sich jeder unschwer vorstellen kann, liegt hinter den frischgebackenen Eltern ein Wechselbad der Gefühle.

Zehn Wochen früher geholt

Da war der Moment der Gewissheit über die Schwangerschaft. In der fünften Woche wussten Victoria Hörnschemeyer (32) und ihr Mann Thomas (39), dass zwei Babys unterwegs sind. „Und in der folgenden Woche haben wir beim Ultraschall erfahren, dass es Drillinge werden“, berichtet die Mutter. „Ich wollte das erst nicht glauben“, erzählt ihr Mann schmunzelnd.

Die ersten Monate verliefen – den Umständen entsprechend – ganz normal. Doch dann entwickelte sich bei Victoria eine heftige Schwangerschaftsvergiftung. Die Kinder mussten am 28. Januar per Kaiserschnitt geholt werden – zehn Wochen vor dem errechneten Termin. Um 14.05 Uhr war Theo da, jeweils im Minutenabstand kamen Emma und Noah auf die Welt. Drei kleine Würmchen, von denen Noah mit 1160 Gramm und 37 Zentimetern das zierlichste Baby war. Emma brachte es auf 1350 Gramm und 39 Zentimeter. Ihr Brüderchen Theo war genauso so groß, aber 110 Gramm schwerer.

OP-Saal mit 24 Leuten

„Der OP-Saal war gar nicht für drei Kinder ausgelegt“, erinnert sich Thomas Hörnschemeyer. „Da standen am Ende 24 Leute.“ Einer der Ärzte wollte das besondere Ereignis mit der Digitalkamera festhalten. „Der hat aber vergessen, auf ,Aufnahme´zu drücken“, erzählt seine Frau Victoria lachend.

Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer (links) gratulierte Victoria und Thomas Hörnschemeyer in dieser Woche zur Geburt ihrer Drillinge. Hinter den Eheleuten liegen Wechselbäder der Gefühle Foto: Frank Klausmeyer

Alle drei Frühchen landeten auf der Neugeborenen-Intensivstation im Brutkasten, wo sie einige Zeit verbleiben mussten. Nach zwei Tagen ein Schock: Bei Emma wurde ein Riss in der Lunge festgestellt – eine lebensbedrohliche Situation, die die Ärzte mit einer Not-OP meisterten. „Das hat sie gut weggesteckt“, freut sich die Mutter. Theo musste zwischenzeitlich eine Virus-Infektion überstehen.

Victoria Hörnschemeyer

Während die Säuglinge noch im Inkubator lagen, wurde Victoria Hörnschemeyer entlassen. Am 29. März war die Familie dann glücklich vereint in ihrem Zuhause an der Friedensstraße. Doch wenig später wurde bei Noah ein Leistenbruch festgestellt, der operiert werden musste. Papa Thomas begleitete den Knirps in der Klinik. „Ich konnte kein Krankenhaus mehr sehen“, sagt die Mama – wer will es ihr verdenken.

28 Fläschchen Milch am Tag

Mittlerweile hat sich alles eingespielt. Die Babys schlafen gut und fest, manchmal in der Nacht schon fünf oder sechs Stunden am Stück. „Bei diesem Wetter kommen sie aber so alle zwei Stunden“, erläutert der Vater. Wenn Noah, Emma und Theo wach sind, halten sie die Eltern natürlich mächtig auf Trab. Hunger ist immer das erste. Durchschnittlich 28 Fläschchen Milch verputzt das Trio im Moment am Tag. Victoria Hörnschemeyer hat sich übers Internet eine Maschine gekauft, die die Fläschchen auf Knopfdruck zubereitet – eine deutliche Erleichterung. Das Wickeln geht aber nur von Hand. Bis zu 20 Mal am Tag muss das Ehepaar die Windeln wechseln. Dazu kommen die Körperpflege und das Umziehen.

Bis Ende dieser Woche steht den Hörnschemeyers stundenweise eine Haushaltshilfe zur Seite. Die Krankenkasse habe sich dagegen zuerst gesperrt, berichtet das Paar. Weil es der jungen Mutter anfangs jedoch gesundheitlich schlecht ging, habe die Kasse dann doch die Kosten übernommen.

Thomas Hörnschemeyer arbeitet längst wieder. Noch ist er beim Sicherheitsdienst des Jobcenters in Osnabrück beschäftigt, ab kommender Woche wechselt er mit anderer Aufgabe zum Finanzamt.

Thomas Hörnschemeyer

Das Paar wirkt alles andere als gestresst. „Ich habe mir das schlimmer vorgestellt“, sagt Papa Thomas über die ersten drei Monate zu fünft. Die Familie hat sogar schon Urlaub gemacht. Vier Tage Nordsee. „Das hat sehr gut geklappt.“

Drei Kinder kosten. Allein für die Milchnahrung wenden Hörnschemeyers derzeit knapp 300 Euro im Monat auf. Ihren kleinen Seat „tauschten“ sie gegen einen großräumigen VW Sharan. Drei Maxi-Cosis, ein Drillingswagen, drei Tripp Trapps, drei Wippen, ein riesiger Laufstall, für den erst einmal der Wohnzimmertisch auf die Terrasse gewandert ist, und, und, und.

Größere Wohnung schwer zu finden

Auch nach einer größeren Wohnung muss sich Familie Hörnschemeyer auf kurz oder lang umsehen. Derzeit stehen ihr in dem Mehrfamilienhaus an der Friedensstraße drei Zimmer, Küche und Bad mit insgesamt 76 Quadratmetern zur Verfügung. „Große Wohnungen sind leider nur schwer zu finden“, weiß der Familienvater. Immerhin eilt es nicht.

Eine kleine finanzielle Starthilfe hat in dieser Woche Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer mitgebracht. Sie überreichte den Drillings-Eltern in Namen der Gemeinde Westerkappeln einen Scheck über 3000 Euro. Außerdem gab´s eine Familienkarte fürs Freibad, mit der Theo, Emma und Noah bis zu ihrem 18. Geburtstag mit Mama und Papa kostenlos ins Freibad können. Dieses Jahr wird sich die Familie aber wohl noch nicht ins kühle Nass stürzen. Erstmal müssen sich die Babys zu Hause freischwimmen.

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