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Heringsessen des Kultur- und Heimatvereins Westerkappeln

Geschichten von Gerichten und Gerüchten

Westerkappeln-Velpe

Geschichten von Gerichten und Gerüchten wurden beim traditionellen Heringsessen des des Kultur- und Heimatvereins Westerkappelns aufgetragen. Dass Pellkartoffeln und Hering einst ein Arme-Leute-Essen war, schreckte niemanden.

Astrid Springer

Blumen gab´s von Vorstandsmitglied Horst Dormann für plattdeutsche Unterhaltung durch Foto: Astrid Springer

Traditionen müssen gepflegt werden, damit sie lebendig bleiben. Das ist auch das Ziel des Kultur- und Heimatvereins Westerkappeln. Am Montag fand das traditionelle Heringsessen des Vereins im Saal von „Cord‘s Catering“ in Velpe statt, abgerundet wurde der Abend durch ein plattdeutsches Programm.

Rund 90 Gäste waren der Einladung zum Heringsessen gefolgt. Foto: Astrid Springer

Dass Pellkartoffeln und Hering einst ein Arme-Leute-Essen war, schreckte niemanden: Rund 90 Gäste wollten sich den besonderen Genuss der westfälischen Küche nicht entgehen lassen und langten denn auch kräftig zu, als der saure Fische samt Speckstippe auf den Tisch kam.

Mal wieder gemeinsam vertreten waren die Bürgermeister Rainer Lammers (Lotte) und Annette Große-Heitmeyer (Westerkappeln). Foto: Astrid Springer

Nicht zuletzt deshalb, weil Martina Cord einmal mehr bewies, dass sie von Essen was versteht. Woher der milde Hering stammte, wollte sie aber nicht preisgeben – immerhin: das Rezept für die leckere Speckstippe habe sie von der ehemaligen Saalbetreiberin Gudrun von Busch übernommen, verriet Cord.

Zum Nachtisch hatte die Gruppe „Dütt un Datt“ ein kurzweiliges Programm vorbereitet. Foto: Astrid Springer

Zum Nachtisch hatte die Gruppe „Dütt un Datt“ ein kurzweiliges Programm mit vielen Gedichten und Anekdoten im Gepäck. Inge Loske, Irma Eggert, Dieter Hartmann, Erika Schmidt, Marlene Winkelmann, Dieter Birkenkämper sowie Günther und Hannelore Möllenkamp gestalteten erfolgreich den plattdeutschen Angriff auf die Lachmuskeln.

Sie berichteten von wilden Aalen in der Stadt und von Bur un Knecht in Ossenbrügge, die sich die sich ins Maniküre und Pediküre-Studio noch reintrauten, nach der Erfahrung des      Nägelschneidens die Walküre im Theater jedoch konsequent mieden: „Wöcke wait, wat däi us dao afschnien doat.“

Die Sketche kamen beim Publikum gut an. Foto: Astrid Springer

Wie ein kaputtes Rollo zu einer Fischvergiftung führen kann, wurde ebenso im schönsten Platt erläutert, wie eheliche Gepflogenheiten anhand von „Hahn un Houhn“ im Hühnerstall anlysiert, oder „bin Doktor“, was das Publikum mit schallendem Gelächter quittierte.

Inge Loske liegt der Erhalt der plattdeutschen Sprache am Herzen. Foto: Astrid Springer

„Die Pflege der plattdeutschen Sprache liegt uns am Herzen“, sagte Inge Loske. Plattdeutsch sei nach wie vor sehr lebendig, so Loske, das zeige auch das Interesse an der plattdeutschen Gruppe, die sich vierzehntägig in den Vereinsräumen trifft.

„Hahn un Houhn“ hieß eines der plattdeutschen Stücke... Foto: Astrid Springer

Vorstandsmitglied Horst Dormann schloss den Abend mit einer Anekdote zum Altern: Wenn man grauhaarig und alt werde, lasse das Gedächtnis bekanntlich nach, stellte er mit eindeutigem Augenzwinkern in Richtung beider Bürgermeister fest; Ein Gespräch könne da in einigen Jahren zunehmend schwieriger werden.

...“bin Doktor“ ein anderes. Foto: Astrid Springer

Sein Beispiel: Fragt er nach einer halben Stunde Unterhaltung: Sag mal, wie heißt Du eigentlich ? Entgegnet sie: Musst Du das heute noch wissen...? Diese Vorstellung trieb dem Publikum Tränen in die Augen.

Im Jahresverlauf setzt der Verein übrigens noch öfter auf alte westfälische Küche: Pannekoeken, Grünkohl und Stutensoppen stehen auf dem Programm. Figurschonendere Traditionspflege ist Gründonnerstag geplant: „Osterbräuche früher und heute“ werden dann unter bei „Dütt un Datt“ die Lupe genommen.

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