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Westerkappeln

Legasthenie: Schule allein kann es nicht richten

Anke Beimdiek

Westerkappeln. Die Diktate und Schulaufsätze sind knallrot vor lauter Korrekturen. Auch am Lesen finden die Kinder keinen rechten Gefallen. „Das wächst sich noch raus“, bekommen die Eltern in manchen Fällen zu hören. Tatsächlich brauchen die meisten Kinder aber eine spezielle Förderung, um ihre Probleme mit dem Lesen und Schreiben zu überwinden.

Im schlimmsten Fall kann eine Leserechtschreibschwäche (LRS) die gesamte Schulkarriere beeinträchtigen. Dabei ist längst bekannt, dass diese Kinder normal begabt, wenn nicht sogar überdurchschnittlich intelligent sind.

Die Gedächtnis- und Legasthenietrainerin Marita Wielage-Bücker aus Mettingen hat jetzt betroffenen Eltern in der Logopädiepraxis „Dialog“ Tipps gegeben, wie sie ihren Kindern am besten helfen können. Denn nur darauf zu vertrauen, dass die Schule es schon richten werde, reiche nicht mehr aus, meinte die Expertin.

„Heute haben viele Kinder Schwierigkeiten, aber die Schulen verfügen nicht über ausreichend Fördermöglichkeiten, Lehrer oder Geld“, sagte die Legasthenie-Trainerin. Trotzdem sei es wichtig, dass Eltern und Lehrer gemeinsam an einem Strang zögen. Der erste Ansprechpartner müsse stets der Klassenlehrer und anschließend die Schulleitung sein.

Der Legasthenie-Erlass des Landes Nordrhein-Westfalen vom Jahr 1991 sieht laut Wielage-Bücker verschiedene Möglichkeiten vor, damit Legastheniker in der Schule nicht benachteiligt werden. So sei an fast allen Schulen ein spezieller Förderunterricht für betroffene Kinder eingerichtet worden.

Seit einem Jahr bestehe zudem die Möglichkeit, Kindern mit LRS andere Aufgaben zu stellen als dem Rest der Klasse. Zum Beispiel könnten Lehrer diesen Kinder einen Abschreibetext statt eines Diktats geben.

Die Leistungen von Legasthenikern sollten darüber hinaus nach Möglichkeit eher mündlich als schriftlich abgefragt werden.

Außerdem dürften die Noten für Rechtschreibung nicht ausschlaggebend für die Versetzung sein. Eine Empfehlung des Kultusministeriums gebe Lehrern die Möglichkeit, auf diese Weise einen „Nachteilsausgleich“ für Kinder mit LRS zu geben.

Teuer kann es laut Wielage-Bücker werden, wenn Eltern sich entscheiden, ihre Kinder darüber hinaus außerhalb der Schule zu fördern. „Obwohl Legasthenie als psychische Störung anerkannt ist, zahlen die Krankenkassen nur, wenn psychosomatische Störungen hinzukommen.“ Die Rentenversicherung zahle nur bei bestimmten Kuren, die speziell für LRS angeboten werden.

Finanzielle Unterstützung für außerschulische Fördermöglichkeiten trage unter Umständen aber das Jugendamt – „jedoch nur dann, wenn die Kinder schon seit längerer Zeit unter der LRS leiden“, betonte Wielage-Bücker.

Dafür müsse ein entsprechendes Gutachten eines Kinderpsychologen vorgelegt werden. „Trotzdem wird von Jugendamt zu Jugendamt sehr unterschiedlich gehandhabt, ob die Förderung bezahlt wird.“ Beim Jugendamt in Tecklenburg sei ein Antrag bislang noch nicht bewilligt worden.

Deshalb der Ratschlag von Marita Wielage-Bücker: „Sie müssen hartnäckig sein, damit sie etwas für ihre Kinder erreichen.“

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