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Waldjugendspiele für Viertklässler aus Lotte und Westerkappeln

Neue Waldexperten

Lotte/Westerkappeln

Rund 200 junge Waldexperten mehr gibt es nun in Lotte und Westerkappeln. Zehn vierte Klassen haben sich im Werser Holz an den Waldjugendspielen 2019 beteiligt.

Ursula Holtgrewe

Bussard im Anflug: Aufmerksam hören Leon, Florian, Luisa, Olga und Zoey zu, was ihnen Jägerin Veronika Wünsche erklärt. Foto: Ursula Holtgrewe

Am Dienstag waren aufgeregte Westerkappelner aus der Grundschule Am Bullerdiek sowie aus Alt-Lotte die nicht minder gespannten Schüler der 4a und 4b am Start Im Ellersen. Es müffelte ungewohnt. Der Geruch kam von den Silos, in denen das Futter für Rinder lagert. „Lauft keinesfalls über die Planen. Wenn sie zerstört sind, verdirbt die Silage“, mahnte Werner Nienhüser, Obmann für Öffentlichkeitsarbeit beim Hegering Lotte. Er und der Westerkappelner Michael Puke („Ich mache bei den Waldjugendspielen mit, seit unsere Älteste vor acht Jahren dabei war.“) empfingen die Kleingruppen.

Die Waldgebote kannte der aufgeweckte Nachwuchs bereits: auf den Wegen bleiben; kein Feuer anzünden; Bäume, Sträucher und Kräuter nicht beschädigen; Abfälle wieder mitnehmen – allerdings fiel es den meisten bei der großen Begeisterung schwer, keinen Lärm zu machen. „Und denkt dran: Im Wald gilt Überholverbot der Gruppen“, nannte Nienhüser ein weiteres Gebot der Waldjugendspiele.

Ausgestattet mit Klemmbrett, Fragebogen, Stift und Bonbon, zogen auch Luisa, Olga, Zoey, Florian und Leon los zu den zwölf thematischen Stationen. Zuerst galt es den Inhalt von drei Behältern zu erschnuppern. „Das kenn ich von Opa – das ist, äh, Pfefferminz“, wusste Olga. „Und das riecht italienisch“, fand Luisa heraus. Ihr fiel aber der Begriff nicht ein. Das dritte Kraut kannte das Quintett zwar, aber nur vom Sehen. Und so notierten sie das auch.

Unterricht im Wald: Werner Nienhüser (links) begrüßt die Lotter Viertklässler bei den Waldjugendspielen. Foto: Ursula Holtgrewe

Ein wenig weiter wartete im sonnendurchfluteten Wald Bundesförster Rainer Schmidt auf die Schüler. Er stellte sich den Fragen nach seinen Aufgaben. „Wir kümmern uns darum, das Ökosystem im Wald aufrechtzuerhalten. Als Jäger regulieren wir den Wildbestand, und wir entscheiden auch, wo Bäume alt werden und umkippen dürfen, ohne dass sie gefällt werden. Das Bewirtschaften des Waldes, der Holz liefert, gehört auch zu unseren Aufgaben, wie andererseits die Umweltbildung von euch Schülern“, erklärte Schmidt. „Seit wann wolltest du Förster werden?“, lautete eine Frage. „Schon sehr lange, da war ich noch jünger als ihr“, verriet Schmidt schmunzelnd. Stichworte aufgeschrieben. Weiter ging es.

Spannend wurde es bei Gudrun Schemme und Friedrich-Wilhelm Havermeyer. Sie hatten einen mit Netzen getarnten Ansitz aufgebaut. Jeder Schüler nahm auf einem Sitzstock Platz. Das ist ein Jägerutensil, das aussieht wie ein Gehstock, bei dem aber ein dreieckiger Sitz aufgefaltet werden kann. „Nun schaut mal, ob ihr etwas entdeckt“, forderte Gudrun Schemme auf, als alle ein Fernglas vor Augen hatten. „Da ist ein Reh!“ rief Luisa kurz darauf aufgeregt. Fast richtig, es war ein hölzerner Rehbock, denn das Tier trug Gehörn. Das Kind heißt Kitz, die Mutter Ricke, wissen die Viertklässler nun auch.

Täuschend echt scheint sich der Hase im Unterholz des Waldes zu sonnen. Es ist aber ein Präparat, das auf die Schüler wartet. Foto: Ursula Holtgrewe

Auf den ersten Blick nicht zu erkennen waren Bussard, Fasanenhahn, Hase und Fuchs, die Veronika Wünsche im Wald drapiert hatte. „Der Fuchs ist so niedlich und weich“, stellte Olga fest. „Fuchs und Bussard sind Räuber, die Tiere fressen. Fasan und Hase fressen Körner und Pflanzen“, erklärte die Jägerin.

Ein wenig weiter wartete Ina Wesselmann an der Flaßpöhle, einem ehemaligen Feuerlöschteich in sumpfigem Gebiet. Weil der Teich trocken war, mussten die Kinder schätzen, wie warm das Wasser in einer Zinkwanne war. Zehn Grad notierte die Gruppe. „Das ist echt gut. Es sind genau 11,9 Grad“, lobte Ina Wesselmann nach Blick auf ein Digitalthermometer.

Was ein Jäger alles im Wald dabeihaben kann, zeigte Robin Kohnhorst. Alle wollten einmal das 50 Jahre alte Schrotgewehr anlegen. „Sicherheit ist das Wichtigste“, betonte Konhorst und zeigte den Gruppen seine orangefarbene, gut sichtbare Jacke. Dass Jäger häufiger im Wald Tiere beobachten und auch Bäume pflanzen, als zu schießen, bewies er anhand von zwei Fichtennadelhaufen. Der Haufen mit den Beobachtungen war viel größer.

Eine Menge Arbeitsgeräte, die im Wald eingesetzt werden, zeigte Siegfried Foullois den Schülern. Als Souvenir durfte jeder eine kleine, mit einer Bogensäge selbst abgesägte Baumscheibe mitnehmen. Nicht ganz so leicht war es für die angehenden Waldexperten, an anderer Stelle vier Bäume zu benennen. „Das ist eine Buche“, wusste Florian sofort, als er den glatten Stamm betrachtete. Aber es war nicht schlimm, wenn nicht jede Frage beantwortet werden konnte.

Zum Schluss sollten die Schüler ihre Bonbonfolien an das Klemmbrett heften. Da waren Olga, Luisa, Zoey, Leon und vor allem Florian richtig auf Zack gewesen. Florian hatte sogar im Wald alle Kunststoffteile aufgehoben, die er auf die Schnelle entdeckt hatte. „Die gehören hier nicht hin“, sagte er verärgert.

„Seit mehr als 20 Jahren richten wir die Waldjugendspiele aus. Es ist in diesem Jahr das 21. Mal, weil einmal sturmbedingt ausfallen musste“, resümiert Nienhüser. Er weiß, er hat im nächsten Jahr erneut seine verlässlichen langjährigen Mitstreiter im Boot bei den 22. Waldjugendspielen. Auch die Lehrer freuten sich über den Eifer der Schüler und lobten das Engagement und die Kooperation von den Hegeringen Lotte und Westerkappeln, dem Bundesforstamt und dem Forstamt des Kreises Steinfurt.

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