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Straßen- und Flurkunde

Von Kotten und Köttern

Westerkappeln/Lotte

Kotten gibt es im nördlichen Münsterland jede Menge. Für viele ist der Erwerb eines solchen der Inbegriff ländlicher Idylle. Und mancher hat sich damit einen Lebenstraum erfüllt. Liebevoll renoviert, wurden viele der einst ärmlichen Unterkünfte zu pittoresken Wohnparadiesen umgebaut.

Astrid Springer

Ein Heuerhaus in Sennlich (Quelle: Rohlmann Jahrbuch 1935). Foto: Repro: Astrid Springer

Sprachlich geht Kotten auf Kote zurück. Das kommt aus dem Mittelniederdeutschen und meint eine Hütte oder ein kleines Haus. Dieser Begriff steckt auch im englischen cottage und in der norddeutschen Kate. Darüber hinaus gab es den Ausdruck im Altnordischen - kot: kleine Hütte, beziehungsweise mittelniederländisch - cote: Höhle, schlechte Hütte, Stall, oder norwegisch koyta: Waldhütte aus Zweigen.

Auch der Familienname Kötter geht auf den Kotten zurück: Wohnte jemand in so einer Behausung, so wurde er zum „Kötter“. Und da es deren viele gab, erhielt er zur Unterscheidung oft noch einen Beinamen. Derzeit wohl bekanntester Namensträger: Ekki Talkötter aus dem Münster-Krimi; aber auch der Lotter Familienname Kottmann dürfte wohl auf einen Kotten zurückgehen.

Landläufig wird mit Kotten im Münsterland ein kleines, häufig ärmliches Fachwerkhaus bezeichnet. Da insbesondere Heuerleute dafür bekannt waren, in kleinen und minderwertigen Häuschen zu wohnen, vermischen sich die Bezeichnungen Heuerhaus und Kotten im allgemeinen Sprachgebrauch .

Das ist allerdings nur zum Teil richtig: Tatsächlich waren mit Kotten ursprünglich Landhäuser gemeint, die zwischen Bauernhaus und Heuerlingshaus anzusiedeln sind. Das gilt insbesondere für die alten Kottenstellen, die aus dem 13. und 14. Jahrhundert stammen.

Ein früheres Heuerhaus an der Bullerteichstraße nahe dem Freibad (Quelle: Archiv Kultur- und Heimatverein). Foto:

Im Vergleich zu den Bauernhäusern waren diese Kotten zwar immer noch klein, was ihnen eine gewisse Abwertung einbrachte. Neben den etwas beengten Wohnverhältnissen verfügten die frühen Kötter aber immerhin über ausreichend Land für die Selbstversorgung.

Diesen Luxus konnten später entstehende Kötterstellen allerdings nicht mehr bieten. Kötter aus dem 15., 16., 17., und 18. Jahrhundert benötigten die Gemeinheit, um über die Runden zu kommen.

Die Kötter waren also keine einheitliche Gruppe. Vielmehr gab es neben den ärmeren Markköttern die Erbkötter, mit größeren Ackerflächen und meist im Besitz von Pferden, was ihnen auch die Bezeichnung Pferdekötter einbrachte.

Die größeren Bauern machten da allerdings nur wenig Unterschied: Aus ihrer Sicht waren Kötter Mitmenschen mit wenig Besitz, geringerem Ansehen und dementsprechend weniger Einfluss.

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