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Sprachkurse von Dr. Klaus-Werner Kahl

Vorteile im Beruf mit Plattdeutsch

Tecklenburger Land

Ein Sprachkursus für Plattdeutsch ? – Vor 50, 60 Jahren noch hätte die Lehrerschaft die Hände über den Kopf zusammengeschlagen. War man doch bestrebt, den Kindern nach Kräften das Plattdeutsche auszutreiben und ans Hochdeutsche heranzuführen.

Stephan Beermann

Dr. Klaus-Werner Kahl  hält Plattdeutsch-Sprachkurse und hat dazu eigens einen Lehrband erstellt. Im nächsten Frühjahr will er einen Kursus in Zusammenarbeit mit der VHS anbieten. Foto: Stephan Beermann

Platt galt damals noch als rückständig und als Hindernis im Berufsleben. Viele Kinder von den Höfen kannten nichts anderes als Plattdeutsch. Heute hat sich das Bild völlig verändert: Das Plattdeutsche ist als wertvolle Bereicherung der Sprachkultur und der lokalen Identität längst anerkannt.

Doch gerade jetzt, da ihm so viel Anerkennung gezollt wird, droht dem Platt der Niedergang: Es verschwindet zunehmend aus dem Alltag. Dr. Klaus-Werner Kahl aus Riesenbeck gehört zu den wenigen, die diese Entwicklung nicht nur bedauern, sondern aktiv mit ganz viel Herzblut und Sachkompetenz dem Plattdeutschen eine neue Chance geben wollen. Dazu hat er ein 124 Seiten starkes Begleitbuch zu einem Sprachkursus Plattdeutsch entwickelt, das sich in der Praxis offensichtlich hervorragend bewährt hat. Vier Kurse hat er in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule in Nordwalde und Burgsteinfurt gegeben. Ein weiterer Kursus in Riesenbeck ab Frühjahr befindet sich in der Vorbereitung. Das Teilnehmeralter liegt zwischen 14 und 65 Jahren. Das Überraschende aber ist: Mehr als 80 Prozent aller Teilnehmer sind noch keine 30!

Doch wie lernt man Plattdeutsch ? Kahl lächelt: „Wie jede andere Fremdsprache auch, zunächst durch lesen, lesen, lesen, um die Aussprache zu lernen und um ein Gefühl für die Sprachmelodie zu bekommen. Die muss ins Ohr gehören.“ Dazu gehört aber auch: Vokabeln und Grammatik lernen. Westfalen liegen hier natürlich etwas im Vorteil. Das Plattdeutsche hat in der Region seine Spuren hinterlassen. Den Kursus hat Kahl, der das Plattdeutsche selber erst als Jugendlicher mit wachsender Begeisterung während seiner Lehrzeit erlernte, auf die 500 meist gebrauchten deutschen hochdeutschen Wörter aufgebaut. Das Buch enthält flotte Dialoge aus dem Alltag, Vokabellisten und „Achtung-Zeilen“, die auf Unterschiede zum Hochdeutschen hinweisen. Zwischendurch darf „Een Derk“ (ein Witz) nicht fehlen, das hebt die ohnehin gute Stimmung während des Unterrichts noch einmal. Kahl kommen dabei nicht nur seine Erfahrungen im Theaterspiel zugute, sondern auch seine Ausbildung zum Pädagogen. „Die Teilnehmer merken, dass sie ihre neuen Kenntnisse im Alltag schnell anwenden können“, erläutert Kahl. Vor allem wird die Hemmschwelle zu sprechen abgebaut.

Die Teilnehmer nennen übrigens häufig berufliche Gründe für ihre Kursteilnahme. Da ist ein Landwirt, der seine Kollegen besser verstehen will. Oder die Sprechstundenhilfe, die Krankenschwester oder der Rettungshelfer drücken die Schulbank, weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass das Plattdeutsche bei Einsätzen hilfreich wirken kann. Denn viele Menschen unserer Region verbinden mit dem Platt vor allem eines: Vertraulichkeit.

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