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„Rauchfrei ins neue Jahr starten“ ist mehr mehr als nur ein guter Vorsatz

11 500 Raucher sind lungenkrank

Kreis Warendorf

Auf Platz 4 der allgemeinen alljährlichen Listen mit guten Vorsätzen steht: mit dem Rauchen aufhören. Das ist ein hehres Ziel, nicht einfach, aber sinnvoll, wenn man bedenkt, welche lebensbedrohlichen Folgen Rauchen haben kann, aktiv oder passiv. Gerade auch im Kreis Warendorf. Das zeigen der Gesundheitsatlas einer großen Krankenkasse und die jahrelangen Erfahrungen eines Arztes, der sich auch privat mit dem Thema Nichtrauchen beschäftigt.

Von Peter Sauer

Der Jahreswechsel ist für viele Menschen im Kreis Warendorf wieder ein Anlass für den guten Vorsatz, mit dem Rauchen aufzuhören. Rauchen schädigt laut Fachleuten fast jedes Organ im Körper. Dennoch greift fast jeder Fünfte im Kreis zur Zigarette. Foto: AOK Nordwest

Am Anfang eines jeden neuen Jahres werden nicht nur die Tannenbäume und das Weihnachtsgeschenkpapier entsorgt, nein, es ist auch immer wieder die Zeit der guten Vorsätze. Allen Moden zum Trotz sind das fast immer die gleichen: gesünder ernähren, mehr Bewegung und weniger aufregen zum Bespiel. Der Wunsch, mit dem Rauchen aufzuhören, steht bei den Menschen im Kreis ganz weit oben auf der Liste der guten Vorsätze.

Aktuelle Zahlen aus dem AOK-Gesundheitsatlas zeigen, dass zwischen Telgte und Liesborn 11 500 Menschen mit einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung COPD leben. Das sind im Kreis sieben Prozent der Bevölkerung ab 40 Jahren.

Fast jedes Organ im Körper wird in Mitleidenschaft gezogen

Diese Zahlen zeigen, welche Gefahren das Rauchen mit sich bringt und wie wichtig ein Rauch-Stopp ist. „Rauchen schädigt nahezu jedes Organ im Körper und ist ein Hauptrisikofaktor für eine COPD“, sagt AOK-Serviceregionsleiter Michael Faust.

Aktiv- und Passivrauchen erhöhen nach wie vor das Risiko für eine Vielzahl von Erkrankungen. Über zwei Drittel aller Todesfälle durch Lungenkrebs weltweit sind durch Rauchen bedingt. Laut aktuellen Zahlen des Landeskrebsregisters NRW starben allein in NRW im Jahr 2017 insgesamt 11 510 Menschen an Lungenkrebs; 14 487 neue Fälle wurden diagnostiziert. „Das zeigt uns, dass wir nicht nachlassen dürfen, über die Gefahren des Rauchens aufzuklären und für die Vorteile des Nichtrauchens zu werben. Und das so früh wie möglich, damit Kinder und Jugendliche idealerweise erst gar nicht mit dem Rauchen anfangen“, sagt Faust.

Rauchen verursacht bis zu 80 Prozent aller Lungenkrebsfälle

Rauchen gilt neben Stress, mangelnder Bewegung und ungesunder Ernährung als einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislaufkrankheiten, chronische Atemwegserkrankungen, Krebs und Typ 2 Diabetes.

Laut Tabakatlas 2020 verursacht Rauchen bis zu 80 Prozent aller Lungenkrebsfälle und ist für zahlreiche weitere Krebsarten verantwortlich. An den Folgen des Rauchens sterben in Deutschland jedes Jahr rund 127 000 Menschen. „Obwohl die Gesundheitsgefahr, die vom Rauchen ausgeht, seit langem bekannt ist, ist die Raucherquote immer noch zu hoch und muss weiterhin reduziert werden“, so Faust.

Die meisten Raucher versuchen erst einmal allein, auf das Qualmen zu verzichten. Doch nur mit professioneller Hilfe und einem klaren Bekenntnis zum Aufhören ist ein dauerhafter Rauchverzicht möglich“, sagt Michael Faust.

Die AOK Nordwest unterstützt ihre Versicherten – wie viele andere Krankenkassen auch - auf dem Weg zum Nichtrauchen mit zahlreichen Angeboten und speziellen Kursen – auch per Video-Liveschalte gemeinsam mit anderen oder online für sich allein.

Dr. Joachim Kamp, Internist und Palliativmediziner, setzt sich bundesweit für den Nichtraucherschutz ein. Foto: Peter Sauer

„Rauchen ist Körperverletzung“, sagt Internist und Palliativmediziner Dr. Joachim Kamp. Er ist Mitglied des Ärzteverbandes und sitzt auch für unsere Region im Vorstand „Forum Rauchfrei“: „Ich bin Arzt geworden, um langes Leben, Gesundheit, Vitalität und Attraktivität zu fördern. Hier sind Zigaretten der größte Gegenpol“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Kamp zitiert eine Berechnung der Deutschen Krebshilfe: „Eine Schachtel Zigaretten verursacht 40 Euro Sozialschaden, durch Behandlungskosten und Verdienstausfälle.“

Verführungsfalle Zigarettenautomat

Auch hofft Dr. Joachim Kamp, dass es bundesweit ein Verbot von Zigarettenautomaten geben wird. „Diese Automaten warnen nicht explizit vor dem Verkauf jeder Zigarettenpackung.“ Das passiere nur ganz allgemein. Zudem stellt der erfahrene Mediziner fest, dass gerade im Kino, im Fernsehen, auf Netflix oder in Musikvideos die Filmfiguren und Künstler wieder immer häufiger rauchen. „Das ist ein sehr schlechtes Vorbild, gerade für Kinder und Jugendliche.“

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