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Schulpflicht

18-Jähriger verweigert Schulbesuch und muss zahlen

Kreis Warendorf

Könnte er seine Geburt um knapp drei Wochen vordatieren, wäre Lukas Bertram jetzt aus dem Schneider. Stattdessen muss er 200 Euro Bußgeld zahlen: weil er die Schulpflicht verletzt hat.

Beate Kopmann

200 Euro Geldbuße muss der 18-Jährige Lukas zahlen, weil er laut Gesetz berufsschulpflichtig war – aber nicht zum Unterricht ging. Sein Rechtsanwalt will Beschwerde einlegen. Denn: „Der Staat, der seine Bürger ab 18 für mündig erklärt, muss darauf vertrauen, dass Erwachsene freiwillig zur Schule gehen“, meint Dr. Andreas Vogt. Foto: dpa

Lukas ist seit der 9. Klasse Schulverweigerer. Am 17. August 2014 wurde der junge Mann 18 – und damit volljährig. „Ich dachte, dass ich dann selbst entscheiden kann, ob ich zur Schule gehe.“ Doch dem ist nicht so.

Laut Gesetz besteht die Schulpflicht bis zum Ende des Schuljahres, in dem man 18 geworden ist. Lukas müsste also bis zu diesem Sommer die Schule besucht haben. Weil er das nicht tat, verhängte das Amtsgericht Münster die Geldbuße.

Rechtsanwalt Dr. Andreas Vogt, der Lukas vor Gericht vertritt, will jetzt Beschwerde beim Oberlandesgericht Hamm einlegen. „Aus meiner Sicht ist es verfassungswidrig, wenn das Gericht einen Erwachsenen bestraft, weil er nicht zur Schule geht. Der Staat, der seine Bürger ab 18 für mündig erklärt, muss darauf vertrauen, dass Erwachsene freiwillig zur Schule gehen.“ Da könne man nicht mehr mit einem Erziehungsauftrag des Staates argumentieren.

Lukas war zuletzt am Berufskolleg Beckum angemeldet, wo er die Klasse für Schüler ohne Ausbildungsplatz besuchte – ohne am Unterricht teilzunehmen. Nach wie vor möchte der 18-Jährige als Externer die Abiturprüfung ablegen. Dass er das schaffen kann, davon ist Lukas überzeugt, der eine nachgewiesene Hochbegabung hat. Im vergangenen Jahr hatte die Bezirksregierung Münster den jungen Mann allerdings nicht einmal erlaubt, den Realschulabschluss als Externer nachzumachen. Die Bezirksregierung bestand darauf, dass Lukas – ohne Schulabschluss – berufsschulpflichtig sei. Am Ende meldete sich der junge Mann auch tatsächlich am Berufskolleg an. Mit Erfolg war aber auch dieser Versuch nicht gekrönt. Im Moment hofft Lukas, in nächsten Jahr doch noch als Externer das Abitur nachholen zu können. Dann ist er nämlich nicht mehr berufsschulpflichtig und muss zur Externenprüfung zugelassen werden. Und wenn das geschafft ist, würde er gerne eine Lehre in der Landwirtschaft absolvieren.

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