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Hochwasser weckt in Ahlen Erinnerungen an 2001

30 Zentimeter machten den Unterschied

Ahlen

„Die Natur ist immer stärker“, sagt Robert Reminghorst mit Blick auf die verheerenden Bilder von der Hochwasserkatastrophe. Wenn es nicht ganz so hart kommt, kann Technik aber dafür sorgen, dass Keller trocken bleiben.

Inspektion vor Ort: Thomas Kröger (l.) und Robert Reminghorst von den Ahlener Umweltbetrieben schauen sich an der Hochwasserschutzanlage an der Alten Beckumer Straße um. Foto: Stadt Ahlen

Die Katastrophenbilder aus dem Westen Deutschlands lassen in Ahlen manche Erinnerung an den 3. Mai 2001 hochkommen. Ein Jahrhundertregen setzte vor 20 Jahren die Zechenkolonie fast zwei Meter unter Wasser, überall im Stadtgebiet und den Ortsteilen liefen Keller voll. Die Schäden an privatem Eigentum und öffentlicher Infrastruktur waren unermesslich.

Wenn die Dimensionen heute auch ganz andere und kaum vergleichbar sind: Viele Menschen in Ahlen fühlen in ganz besonderer Weise mit den Geschädigten, die an Ahr, Rur und Volme Hab und Gut verloren haben, verbunden. Zahlreiche Todesopfer und verwüstete Landstriche zeugen von der grausamen Gewalt, zu der der Lebensspender Wasser auch fähig sein kann.

In Beckum sah es anders aus

„Uns war wohl das Glück der Tüchtigen hold“, atmet Robert Reminghorst, stellvertretender Leiter der Ahlener Umweltbetriebe(AUB) angesichts der aktuellen Situation hörbar auf. Nicht nur, dass vor zwei Jahrzehnten in Ahlen keine Menschen zu Schaden kamen. Das historische Niederschlagsgebiet, welches in dieser Woche über Mitteleuropa rotierte, meinte es mit Ahlen offenbar gut. Mäßig fielen die Wassermengen aus, die über dem Stadtgebiet niedergingen. „In Beckum sah die Sache schon ganz anders aus“, hörte Robert Reminghorst von zahlreichen Einsätzen der dortigen Feuerwehr.

Bei Hochwasser fließen die Wassermengen unter der Flutbrücke ab. Foto: Stadt Ahlen

Ahlen und Beckum sind wassertechnisch auf Gedeih und Verderb miteinanderverbunden. Was in der Nachbarstadt in die Werse fließt, will kurz darauf auch durch Ahlen. Dass die Pumpen in Ahlen jedoch nicht angeworfen werden mussten, hat zum Teil mit den Hochwasserschutzmaßnahmen zu tun, die die Stadt Ahlen in Folge des 2001er-Ereignisses traf.

So konnte sich ein Großteil des im Oberlauf der Werse ins Gewässer gelangten Niederschlags auf Retentionsflächen verteilen, die links und rechts des renaturierten Flusses entstanden sind. Endgültig gebrochen wurde die Welle an der Alten Beckumer Straße. Das als Antwort aufs Ahlener Hochwasser gebaute Sperrwerk erfüllte seine Aufgabe fehlerfrei, stellt Thomas Kröger erleichtert fest: „Das Wasser wäre sonst stumpf durchgerauscht bis Rubberts Mühle.“ 1,50 Meter zeigte der Pegel bei Zulauf. Vollautomatisch sprang die Technik zwei Mal an und regulierte den Ablauf auf 1,20 Meter herunter. „Das sind die 30 Zentimeter, die den Unterschied ausmachen können, ob Keller trocken bleiben oder leergeschöpft werden“, so der AUB-Leiter von Kanalbetrieb und Kläranlage. Im Vergleich: Der normale Pegel beträgt im Jahresmittel bei Durchfluss unbedenkliche 20 bis 40 Zentimeter.

Beruhigt hat sich der Ablauf stadtabwärts. Foto: Stadt Ahlen

Aktiv geworden sind die AUB bereits zu Wochenanfang, als die ersten Wetterhinweise und Warnungen vor erheblichem Niederschlag kursierten. Außerhalb des regelmäßigen Turnus seien „die neuralgischen Punkte“ an Regeneinläufen kontrolliert worden, erklärt Robert Reminghorst. „Die befinden sich unter Brücken oder auch an Straßen mit Bäumen, die stark Blüten abwerfen.“

Den Alarmpieper immer am Mann trägt AUB-Techniker Dominik Genau. Das Sperrwerk reagiert vollautomatisch auf sich verändernde Pegelstände der Werse. Foto: Stadt Ahlen

Der ordentliche und ungestörte Regenablauf in die Kanäle sei das eine, um die Häuser trocken zu halten. „Das andere sind Schutzmaßnahmen, die jeder selber treffen kann.“ Robert Reminghorst empfiehlt Hausbesitzern den Einbau von Rückstauklappen. Die verhindern bei Starkregen, dass im Kanal aufgestautes Wasser den Weg zurück ins Haus findet.

Verheerendes Jahrhundertereignis

Illusionen gibt sich Robert Reminghorst indes nicht hin. Um die zerstörerische Kraft des Wassers zu bändigen, könne heutzutage bautechnisch zwar einiges unternommen werden. Bei solch verheerenden Jahrhundertereignissen wie es aktuell stattgefunden hätte, würde aber auch die beste Ingenieurskunst nichts helfen. „Die Natur ist immer stärker.“

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