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Verbraucherzentrale in Corona-Zeiten

Ab 18. Mai schrittweise Öffnung

Ahlen

Kostenfreie Rechtsberatung, eine Steigerung der Bekanntheit – die Corona-Phase hat für die Verbraucherberatung im Rathaus nicht nur Nachteile gebracht.

wn

Daniela Kreickmann und Judith Spittler sehen die Bedeutung der Verbraucherberatung in Corona-Zeiten. Die vergangenen Wochen hätten nicht nur Nachteile gehabt, sagen sie. Foto: Verbraucherzentrale

Für gut zwei Monate ruht der Besucherverkehr in der örtlichen Beratungsstelle der Verbraucherzentrale im Ahlener Rathaus und im Jobcenter in Warendorf. „Seit dem 16. März bieten wir zur Eindämmung der Corona-Pandemie vorsorglich keine direkte, persönliche Beratung mehr an“, berichtet Judith Spittler, Leiterin der Beratungsstelle im Kreis Warendorf. Seit diesem Tag findet die Beratung zu den gewohnten Öffnungszeiten ausschließlich per Telefon oder E-Mail statt. Bis zum 18. Mai bleiben die Türen voraussichtlich noch zu. Ab dann soll es eine schrittweise Öffnung geben.

Die aktuelle Situation bietet für die Verbraucherinnen und Verbraucher einerseits zwar auch Vorteile: „Neu ist eine kostenlose, rechtliche Erstberatung. Das ist ein attraktives Angebot“, befindet Judith Spittler. Andererseits habe ein Teil auch mit Barrieren zu kämpfen: „Für Menschen mit sprachlichen Schwierigkeiten oder auch für Menschen, die nicht die notwendigen technischen Voraussetzungen zu Hause haben, ist es etwas schwieriger geworden“, erklärt Verbraucherberaterin Daniela Kreickmann.

Dokumente könnten beispielsweise nicht persönlich übergeben werden, sondern müssten zum Teil eingescannt, mit dem Handy fotografiert und dann per E-Mail verschickt werden. „Die Zugangsschwelle ist einfach höher und die Rechtsvertretung ohne persönliches Gespräch deutlich komplexer und organisatorisch zeitaufwendiger“, sagt Judith Spittler. Logische Konsequenz daraus sei, dass sich die Zielgruppe verändere. „Deshalb machen wir uns derzeit ein wenig Sorgen um diejenigen, die mit diesen neuen Hürden zu kämpfen haben“, gesteht Daniela Kreickmann.

Judith Spittler

Die geplante, schrittweise Öffnung könne diesem Problem entgegenwirken. Auch „Mitnahmeeffekte“ durch den Sitz im Rathaus und im Jobcenter könnten dann laut Judith Spittler wieder ansteigen: „Oft werden gerade die sogenannten ,verletzlichen‘ Verbraucher und Verbraucherinnen auch durch den Bürgerservice oder andere Bereiche direkt an uns weitervermittelt.“ Durch die Schließung des Verwaltungsgebäudes waren diese unmittelbar Ratsuchenden in den vergangenen Wochen ebenfalls weggefallen.

Der Schwerpunkt der telefonischen Beratung in der Verbraucherzentrale ist momentan das Reiserecht. „Dazu hatten und haben wir massenhaft Anfragen“, so Daniela Kreickmann. Außerdem häuften sich zuletzt Anfragen zu ausgefallenen Konzerten oder Fußballspielen. Veranstalter oder auch Ticketing-Unternehmen täten sich bei der Rückerstattung häufig schwer. „Einige spielen scheinbar auf Zeit und warten die angedachte Gutscheinlösung ab, um das Geld nicht unverzüglich zurückzahlen zu müssen“, erläutert Judith Spittler. Dies widerspreche allerdings aktuell geltendem Recht.

Insgesamt hoffen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verbraucherzentrale, dass in nächster Zeit wieder etwas mehr Normalität einkehrt: „Wir brauchen die persönliche Beratung vor Ort“, betont Judith Spittler, die allerdings auch einen positiven Effekt der Corona- Phase hervorhebt: „Wir sind dadurch mit unserem vielfältigen Beratungsangebot noch deutlich bekannter geworden. Die Ratsuchenden sind überaus dankbar für die rechtliche und auch menschliche Unterstützung in diesen unsicheren Zeiten.“

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