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Feuerwehr spendet Fahrzeug fürs Hochwassergebiet

Ahlener MTW fährt jetzt im Ahrtal

Ahlen

Insgesamt rund 400 Kilometer absolvierten fünf Feuerwehrkameraden aus Remagen-Kripp, um einen Mannschaftstransportwagen an der Hauptwache in Ahlen abzuholen. Den spendet die Wehr zur Unterstützung der Hochwasserhilfe im Ahrtal.

Von Christian Wolff

Eine nützliche wie nötige Spende aus Ahlen für die gebeutelte Hochwasserregion an der Ahr: Jens Schüsseler, Christian Laux, Andreas Mahne, Andreas Krätzig, Christian Reeker, Dr. Alexander Berger, Christoph Faust, Thomas Gallor, Jörg Laux und Florian Boes (v.l.) bei der Übergabe des Mannschaftstransportwagens (Baujahr 2004).Mit Handyfotos dokumentiert Thomas Gallor die zerstörten Brücken im Ahrtal. Foto: Christian Wolff

Fast schon entschuldigend deutet Jörg Laux auf die Schlammspuren am Fahrzeug, mit dem der Zugführer am Donnerstag auf dem Hof der Ahlener Hauptwache parkt. Für die Gastgeber kein Problem, schließlich hat der spontane Besuch von fünf Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Remagen-Kripp einen ernsten Hintergrund: Ein ausgemusterter Mannschaftstransportwagen (MTW) wechselt von der Werse ins hochwassergebeutelte Ahrtal.

„Wir wollten eigentlich 50 000 Euro für die Katastrophenhilfe spenden“, sagt Bürgermeister Dr. Alexander Berger. „Doch das wurde uns von der Bezirksregierung untersagt, da Finanzmittel nur im eigenen Gebiet vergeben werden dürfen.“ Nach persönlicher Rücksprache mit Heimatministerin Ina Scharrenbach, die kürzlich einen Termin in Ahlen absolvierte (wir berichteten), stand fest: Neben Personaleinsatz seien auch Sachspenden möglich. „Also haben wir unseren Fahrzeugpark geprüft und entschieden, diesen MTW als Spende zur Verfügung zu stellen.“

Die Freude bei den Wehrleuten aus dem Raum Remagen ist groß, auch wenn der 200-Kilometer-Abstecher nach Ahlen nur eine kurze Abwechslung von den dramatischen Bildern bietet, mit denen sie es seit Wochen zu tun haben. Viel geschlafen habe er in letzter Zeit nicht, gesteht Zugführer Jörg Laux und bestellt den Spendern die besten Grüße von seinem Wehrleiter Ingo Wolf. „Zum Glück liegt unser Gerätehaus etwas höher und ist von den Wassermassen verschont geblieben.“ Beinahe hätte seine Truppe im Eifer des Gefechts ein 1,8 Millionen Euro teures Löschboot verloren. „Wir konnten es dann doch noch rechtzeitig in Sicherheit bringen.“ Der MTW aus Ahlen komme genau zur rechten Zeit, da sein Zug den eigenen MTW an die Technische Einsatzleitung abgeben musste.

Fehlende Brücken ein logistisches Problem

Inzwischen habe sich die Situation vor Ort zumindest soweit beruhigt, dass neuralgische Punkte und Gefahrenstellen gesichert oder beseitigt und viele Gebäude wieder mit Strom versorgt sind. „Das größte logistische Problem sind aber nicht allein zerstörte oder unpassierbare Straßen, sondern die fehlenden Brücken“, beschreibt Thomas Gallor und zeigt auf seinem Handy ein paar Fotos. „Nur eine einzige Fahrzeug- und Fußgängerbrücke in der Nähe hat die Flut überstanden.“ Behelfsübergänge seien derzeit entsprechend gefragt.

Persönliche Verbindungen ins Ahrtal

Wachleiter Christian Reeker hat durch seine Dozententätigkeit an der Bundesakademie für Katastrophenschutz auch viele persönliche Kontakte ins Ahrtal, weshalb ihm die schnelle Hilfe sehr am Herzen liegt. „Am liebsten hätten die Kameraden unseren MTW schon gestern abgeholt, aber wir mussten ihn ja wenigstens noch einmal gründlich auf seine Verkehrstauglichkeit prüfen und die Hoheitszeichen entfernen.“ Dann hat Reeker noch eine Bitte an die Abordnung aus dem Hochwassergebiet: „Tut mir einen Gefallen. Wenn ihr das Fahrzeug einmal nicht mehr braucht und ihn verkauft, dann spendet den Erlös für die Familien der Opfer.“ Schließlich haben in den Tagen der Katastrophe auch einige Feuerwehrleute ihr Leben lassen müssen.

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