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Parkbad empfiehlt sich als Übernachtungsbetrieb

Alles Bio im Hotel für wilde Bienen

Ahlen

Das Ahlener Parkbad heißt jetzt auch Fluggäste auf seinem weitläufigen Areal willkommen. Ein Hotel für Wildbienen hat soeben seinen Betrieb aufgenommen. Es könnte mit über 9000 Beherbergungsplätzen das größte in Ahlen sein.

Ulrich Gösmann

Gerd Neitzke baut seit neun Jahren Bienenhotels. Stolz zeigt er die ersten verschlossenen Löcher, in denen demnächst die Larven schlüpfen. Foto: Ulrich Gösmann

Vollpension zur Langzeitübernachtung, die Verpflegung aus eigenem Anbau: Ahlens Parkbad-Areal empfiehlt sich jetzt auch als Bio-Übernachtungsbetrieb. „Es könnte sein, dass wir das größte Wildbienenhotel in Ahlen haben“, scherzt Thomas Schliewe. Vielleicht hat er sogar Recht – mit vier Quadratmetern Wohnfläche und 9000 bereitstehenden Wohneinheiten. Oder bietet wer mehr?

Dienstlich ist Schliewe seit 20 Jahren Betriebsleiter der Ahlener Bäder, privat Bienenliebhaber. Befruchtet von der Leidenschaft seines Schwiegervaters Gerd Neitzke, der vor neun Jahren sein erstes Bienenhotel zimmerte, als das Insektensterben noch kein Thema war. Er hätte da mal was gelesen, erzählt der 75-Jährige in sympathischer Bescheidenheit. Und sich dann gedacht: „Das kannst du doch mal selbst bauen.“ Von den meisten Fertigprodukten in den Baumärkten hält er nichts: „Die sind zum Teil schlecht gemacht. Wenn das Einflugloch nicht glatt ist, gehen sie nicht rein.“ Es bestünde Verletzungsgefahr bei den dünnen Flügeln. 30 kleine Insektenhotels hat der ehemalige VEW-Kraftwerker seither gebaut. Sein Größtes – eine Co-Produktion mit Schwiegersohn Thomas – eröffnete vor drei Wochen. Und siehe da: „Der Flugverkehr ist schon recht ordentlich“, wie der 55-Jährige berichtet.

Eine Holzhütte hinter dem Parkbad scheint alle Voraussetzungen für einen florierenden Bienenhotelbetrieb zu erfüllen. Sie war im Jahr 1997 errichtet worden, um Kufenflitzer am Rande der damaligen Eisbahnbande zu bewirten. Ihr Betrieb – ein niederländisches Referenzprojekt – wurde zur Jahrtausendwende eingestellt. „Brauchst du nicht auch mal ein Bienenhotel fürs Bad?“ Es war wohl diese eine Frage, mit der der Grundstein für ein Projekt gelegt wurde, das zu 95 Prozent daheim in der Freizeit umgesetzt wurde. Und eigentlich von Schülern einer bereits angefunkten Ahlener Schule hätte ausgeführt werden sollen Doch dann funkte Corona dazwischen.

Ein Idyll mit idealen Voraussetzungen für ein Bienenhotel, findet Thomas Schliewe. Foto: Ulrich Gösmann

Und nun? Aufgeben? „Da war das Holz schon da“, sagt Gerd Neitzke. „Dann mussten wir das halt selbst angehen.“ Die Bienenhäuser gingen in Serie. Zehn Module, je 50 mal 80 Zentimeter groß, bringen es auf eine Gesamtfläche von vier Quadratmetern. „Und jedes Haus ist anders“, betont der Bauleiter. Mal mit Esche oder Eiche, mal mit Buche, mal mit mehr Klotz, Geäst oder Zweig: Egal, wie sich die einzelnen Rahmen auch füllten, entscheidend waren die Löcher. In acht Zentimetern Tiefe eingebohrt, um passgenau Brutstätte zu bieten für die eingelagerten Eier. „Einige Wohnungen wurden sofort bezogen“, bleibt Thomas Schliewe im Sprachjargon des Vermieters. Augenscheinlich stimme das Angebot: Südausrichtung, dank des kleinen Dachüberstandes kein Schlagregeneinfall und: Vollverpflegung, die allerdings übers Ziel hinaus schießt. Um sicher vor Hasenfraß zu sein, hatten die Initiatoren auch noch Hochbeete gezimmert und mit der heimatnahen Warendorfer Mischung eingesät. Die das Quartier nun weitestgehend hinter sich verdeckt. Im nächsten Jahr soll es mit dem „Mössinger Sommer“ eine andere sein.

Gerd Neitzke

Dass beide noch nicht gestochen wurden, liege in der Natur der Sache: „Da passiert nichts“, sagt Gerd Neitzke. Wenn, seien es die Wespen. Und nicht seine Wildbienen. Ihn selbst hat es in den neun Jahren seines Bienenfleißes nicht ein einziges Mal erwischt.

Ob noch mehr geht? „Möglicherweise könnten wir noch eine Blühwiese anlegen“, reagiert der Ruheständler. Schwiegersohn Thomas nickt mit dem Kopf: Platz sei hier hinter dem Parkbad ja genug auf grüner Wiese.

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