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8. Mai: 75. Jahrestag des Kriegsendes

Als die Waffen endlich schwiegen

Ahlen

Der „Weg der Erinnerung“ musste in diesem Jahr ausfallen. Das Gedenken zum Ende des Zweiten Weltkriegs war dennoch nicht weniger eindringlich.

wn

Mit Kranzniederlegungen gedachten Stadt Ahlen, Bundeswehr und der Arbeitskreis 8. Mai an das Kriegsende vor 75 Jahren. Auf dem Marktplatz (v.l.) Hauptfeldwebel Franziska Achten, Oberstleutnant Manuel Schwarzer, Dr. Alexander Berger, Rainer Legant sowie von der Stadt Ahlen Heinz Schröder und Markus Beckmann Foto: Stadt Ahlen

Des Endes des Zweiten Weltkriegs in Europa und der Befreiung vom Nationalsozialismus vor 75 Jahren gedachte die Stadt Ahlen mit Kranzniederlegungen am Freitagvormittag.

Am 8. Mai 1945 schwiegen die Waffen an allen Fronten, nachdem Deutschland die bedingungslose Kapitulation unterzeichnete. „60 Millionen Menschen bezahlten die Aggression, die von deutschem Boden ausging, mit ihrem Leben“, erinnerte Bürgermeister Dr. Alexander Berger an das Leid der rassistisch und politisch Verfolgten sowie aller Opfer der deutschen Überfälle auf benachbarte Länder. Der von den Nazis entfesselte Krieg sei mit erbarmungsloser Härte dorthin zurückgekehrt, wo er seinen Anfang genommen habe. Auch in Ahlen seien Bürgerinnen und Bürger, Kriegsgefangene und Soldaten bei Bombenangriffen und Kampfhandlungen gestorben.

„Deutsche zahlten einen hohen Preis für zwölf Jahre nationalsozialistische Barbarei und einen sechsjährigen wütenden Feldzug, der von Anfang an zum Scheitern verurteilt war“, erinnerte Berger. Die Toten des Weltkrieges und der NS-Terrorherrschaft mahnten zu friedvoller Zusammenarbeit der Völker sowie Respekt und Toleranz. Die Menschheit sei heute nicht mehr bereit, tatenlos wegzuschauen, wenn Gewalt über andere Nationen gebracht werde. „Unsere Nation hat als Reaktion auf zwei verheerende Weltkriege ihre Verantwortung erkannt und wirkt aktiv daran mit, weltweit Sicherheit zu garantieren und Frieden zu stiften“, beschrieb Berger die konstruktive Rolle, die Deutschland heute als international gefragter Konfliktlöser einnehme.

Am Vormittag legten (v.l.) Rainer Legant, Dr. Alexander Berger und Markus Beckmann vom Jugendamt der Stadt Ahlen einen Kranz nieder am Grab der sowjetischen Zwangsarbeiter. Foto: Stadt Ahlen

Die friedensschaffende Aufgabe von Politik und Bundeswehr betonte ebenso der stellvertretende Kommandeur des in der Ahlener Westfalenkaserne stationierten Aufklärungsbataillons 7. „Als Parlamentsarmee folgt die Bundeswehr dem Primat der Politik und dient dem Schutz der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“, so Oberstleutnant Manuel Schwarzer. Eingebettet in Systeme kollektiver Sicherheit wie die NATO oder Europäische Union, verstünden die Soldatinnen und Soldaten des Bataillons es als Auszeichnung, an Einsätzen der Bundeswehr zur Friedenssicherung, wie aktuell in Afghanistan und dem westafrikanischen Mali, teilzunehmen. So ist Oberstleutnant Schwarzer selbst erst Anfang März nach einem siebenmonatigen Auslandseinsatz aus Afghanistan in seine Garnisonsstadt Ahlen zurückgekehrt.

Dass die Kranzniederlegung am Mahnmal auf dem Marktplatz praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgen musste, bedauerte Rainer Legant ganz besonders. Der Lehrer an der Fritz-Winter-Gesamtschule ist Sprecher des Arbeitskreises 8. Mai der weiterführenden Schulen.

Rainer Legant

„Den 75. Jahrestag haben wir zum Anlass nehmen wollen, mit noch lebenden Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen.“ Schülerinnen und Schüler erlebten solche authentischen Momente intensiv. „Persönliche Begegnungen mit Menschen, die die Schrecken des Krieges erlebt und erlitten haben, sind lehrreicher als jede Geschichtsstunde im Unterricht“, weiß Legant aus Erfahrung. Auf einen Aufruf zur Jahreswende hätten überraschend viele ältere Frauen und Männer aus Ahlen reagiert, um mit der jungen Generation über ihre Erinnerungen zu sprechen. „Die ersten Kontakte führten schon zu teils überwältigend emotionalen Gesprächen“, berichtet Rainer Legant. Offensichtlich verspüre eine nicht geringe Zahl an Seniorinnen und Senioren am Lebensende den Wunsch, über schlimme aber auch ermutigende Erlebnisse zu berichten. Die Begegnungen, die im Ratssaal vorgesehen waren, sollen nun möglichst im kommenden Jahr nachgeholt werden.

Wegen der Corona-Beschränkungen ausfallen musste in diesem Jahr auch der „Weg der Erinnerung“ an Orte in Ahlen, die an Ereignisse der Kriegs- und NS-Zeit erinnern, sowie das Gedenken zum Ende des Krieges auf dem Ostfriedhof, wo der Arbeitskreis am 8. Mai traditionell eine Erinnerungsveranstaltung an den Gräbern früherer sowjetischer Zwangsarbeiter ausrichtet. Einen Kranz legten dort Bürgermeister Alexander Berger, Rainer Legant und Markus Beckmann vom Jugendamt der Stadt Ahlen nieder. Denn auch das Jugendamt engagiert sich in dem Arbeitskreis.

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