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Messerattacke

Anklage geht von versuchtem Totschlag aus

Ahlen

Wäre der 21-Jährige nicht durch einen Zeugen zurückgehalten worden, dann hätte er wohl noch weiter auf den 17-Jährigen eingestochen, der bei der Attacke Mitte April lebensgefährlich verletzt wurde. Die Staatsanwaltschaft Münster hat jetzt Anklage erhoben.

Christian Wolff

Der Tag nach der Tat: Polizeikräfte suchen mit Spürhund-Unterstützung nach dem Messer, mit dem der 21-jährige Angeschuldigte einen 17-Jährigen lebensgefährlich verletzt haben soll. Foto: Christian Wolff

Blutspuren auf dem Gehweg, Polizeifahrzeuge und Einsatzkräfte mit Spürhund in den Grünanlagen: Am Tag nach der schweren Messerattacke, bei der Mitte April ein Anwohner des Kastanienwegs lebensgefährlich verletzt wurde, lagen die Hintergründe der Tat noch im Dunkeln. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Münster Anklage gegen den 21-jährigen mutmaßlichen Täter erhoben.

Die Anklage lautet: Verdachts des versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Das Geschehen der Nacht zum 15. April stehe „in Zusammenhang mit einer kurz zuvor ausgetragenen Auseinandersetzung in der Wohnung eines unbeteiligten Zeugen am Kastanienweg“ sowie – nach Bewertung der Staatsanwaltschaft – „mit einem bereits seit längerem bestehenden und verbal geführten Konflikt zwischen dem Angeschuldigten und dem Verletzten“, heißt es in einer Pressemitteilung. Zugleich werden die bisherigen Ergebnisse der Ermittlungen zum Tatablauf zusammengefasst.

Streit um Mitternacht

In der Wohnung am Kastanienweg kam es demnach vor vier Monaten gegen Mitternacht zu einem Streit zwischen dem Angeschuldigten und einem Zeugen, der sich dort neben weiteren Personen zu Besuch aufhielt. „Aufgrund dieses Streits soll unter anderem der Angeschuldigte den Zeugen mittels Zwang der Wohnung verwiesen haben“, sagt Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt.

Dieser Zeuge sei kurze Zeit später in Begleitung des 17-Jährigen sowie mit zwei weiteren Personen, die er in der Nähe zufällig getroffen haben will, zur Wohnanschrift am Kastanienweg zurückgekehrt. „Er soll dann vor dem Haus lautstark Beleidigungen und Bedrohungen ausgerufen und unter anderem eine Erklärung für den Wohnungsverweis gefordert haben“, so Botzenhardt.

Der Angeschuldigte, der sich zu diesem Zeitpunkt noch in der Wohnung aufhielt, soll ein in der Wohnung aufgefundenes Messer unter seinen Pullover gesteckt und mit einem weiteren Zeugen die Wohnung verlassen haben, um die Personengruppe zur Rede zu stellen. Die Gruppe um den 17-jährigen Ahlener floh im Anschluss.

Mutmaßlicher Täter kannte das Opfer

Der 21-Jährige, der das spätere Opfer aufgrund der vorausgegangenen Streitigkeiten kannte, soll ihm direkt nachgerannt sein. „Als der 17-Jährige während dieser Verfolgung zu Boden fiel, soll der Angeschuldigte ihm mindestens zweimal mit dem Messer in den Hals- bzw. Kopfbereich gestochen haben“, berichtete der Oberstaatsanwalt.

Möglichen Tod in Kauf genommen

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft soll der Angeschuldigte dabei den möglichen Tod des Verletzten in Kauf genommen haben. Erst der zuvor aus der Wohnung verwiesene Zeuge habe durch sein Eingreifen den Angeschuldigten von weiteren möglichen Stichen abhalten können. „Der 17-Jährige erlitt eine lebensgefährliche Stichverletzung in den Hals und musste noch in der Nacht notoperiert werden.“

Der Beschuldigte hat inzwischen eingeräumt, den 17-Jährigen verfolgt zu haben. Allerdings habe dessen Gruppe Streit gesucht und alle seien bewaffnet gewesen. Als der 17-Jährige hingefallen sei, habe jener eine Schusswaffe gezogen und damit zweimal zur Warnung in die Luft geschossen. Der Angeschuldigte sei von anderen Personen aus der Gruppe angegriffen worden und habe sich lediglich verteidigt, heißt es. Der Messerstecher befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft. Das Landgericht Münster hat nun über die Zulassung der Anklageschrift zu entscheiden.

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