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Aktionskünstler setzt mit Waffeln auf soziale Wärme

Aus dem Rathaus wird ein Falthaus

Ahlen

Ahlens Rathaus als Falthaus? Aktionskünstler Frank Bölter animiert in einer offenen Kreativbaustelle, den Gebäudekomplex als Riesen-Origami neu entstehen zu lassen. Kaffee und Waffeln sollen ihm soziale Wärme einhauchen.

Von Ulrich Gösmannund

Frank Bölter hat das Rathaus vorgefaltet: Sein Mini-Origami setzt sich aus drei Flügeln und einer Krone zusammen. Jetzt soll es eine Nummer größer entstehen und begehbar sein. Foto: Ulrich Gösmann

Für die „Sendung mit der Maus“ wagte er sich mit einem Papierschiff auf den Rhein, mit Soldaten faltete er einen Leopard-II-Panzer in Originalgröße. Jetzt lässt sich Aktionskünstler Frank Bölter das Ahlener Rathaus aus Milchtütenfolie formen. Schülerinnen und Schüler werden in diesen Stunden auf dem Vorplatz des Kunstmuseums zu Künstlern, Passanten ebenso. Von dem, was in nur drei Tagen – wie auch immer – entstehen wird, geht eine klare Botschaft aus: mehr Basisdemokratie! Und eine tiefsinnige Forderung nach Kaffee und Waffeln.

Es hätte genauso gut ein x-beliebiges Auto oder Haus werden können. Bölter erinnert sich an die Anfrage, die den Kölner für das interaktive Mitmachprojekt „Das große Falten“ nach Ahlen holen sollte. Er reagierte mit einer Gegenfrage: „Was beschäftigt im Moment die Stadt?“ So kamen Künstler und KMA mit dem Rathaus und seinen nahenden Neubau auf das Naheliegendste.

Nicht ganz einfach, Milchtütenfolie von diesem Ausmaß zu falten. Foto:

Seit Mittwochmorgen wird der Parade-Bau noch einmal nachgebaut, dem der Künstler etwas geheimnisvoll Düsteres abgewinnt. Drei Flügel, eine Krone: Bölter hat‘s im ganz Kleinen schon vorbereitet. Eine Nummer größer sollen es jetzt andere neu entstehen lassen. Die Kunstklassen 8.1 und 9.1 der Fritz-Winter-Gesamtschule, die KMA-Kooperationspartner ist, legen vor. Die, die staunend stehenbleiben, werden motiviert, gleich mitzumachen. Es sei eine offene Baustelle.

Wo steckt der nächste Knick zum Falten? Neele Thomer zeigt ganzen Körpereinsatz und huscht in die Milchtütenfolie. Foto:

150 Quadratmeter zäh zu faltende Milchtütenfolie und dünne Holzlatten sollen am Ende einen dreiflügeligen Bau entstehen lassen, der „mit Krone“, wie Bölter den Rathaustower nennt, auf drei Meter Höhe kommt. Breite und Länge könnten es auf drei mal fünf Meter bringen. Doch das sei eigentlich völlig egal. Das Projekt will ein Rathaus von unten schaffen. Bölter spricht mehrfach von mehr Basisdemokratie. „Wir machen es selbst. Wir falten unser eigenes Rathaus und füllen es mit unseren Inhalten. Wir nehmen die Geschicke selbst in die Hand.“ Was Neele Thomer (13), Schülerin der Kunstklasse 8.1, gleich begeistern lässt: „Wir wollen auch entscheiden dürfen, ob Ahlen ein neues Rathaus bekommt.“ Das alte finden sie und andere „hässlich“.

Latten spannen den Rahmen, um den herum das Dach gefaltet wird. Foto:

Begeisterung löst auch die Forderung nach einem Rathaus-Kaffee aus. Frank Bölter wagt einen Blick hinter die Fassaden: „Wie funktioniert ein Rathaus? Wir ziehen eine Wartemarke, bekommen dann einen neuen Personalausweis und bezahlen 30 Euro.“ Dafür sollte es dann aber wohl auch noch einen Kaffee geben. Bestenfalls auch noch frische Waffeln. Beides, so schiebt er nach, seien Metaphern für soziale Wärme.

Die soll auch in den Faltbau einziehen, der zum Projektende für einen Kurzauftritt bestenfalls auf den Rathausplatz umziehen sollte. Einer der drei Flügel könnte sich dann als nutzbares Rathaus-Café öffnen. Mit Kaffee und frischen Waffeln. Einen anderen sieht Bölter als Palaverraum. Bei Indianern werde so lange über eine Sache diskutiert, bis alle dafür seien. Wäre noch ein dritter Flügel inhaltlich zu beziehen – warum nicht mit einem Kummerkasten?

Mit der Stichsäge werden Latten passgenau auf Länge gebracht. Foto:

Der Initiator setzt auf Gemeinschaft, die dieses Projekt trägt. Die schon gleich nach dem ersten Einsatz der Klasse 8.1 durch die Zusage spürbar wird, nach Schulschluss wiederkommen zu wollen.

Und was passiert mit dem Falthaus nach Projektabschluss? Die Antwort legt der Aktionskünstler den Ausführenden der Fritz-Winter-Gesamtschule in den Schoß, die es dann bekommen sollen. . .

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