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„David Helbock‘s Random/Control“ im Foyer der Stadthalle

Ausflug in individuelle Klangwelten

Ahlen

Kann ein Jazzkonzert spannend sein? Und auch noch was fürs Auge bieten? Es kann. Das bewies „David Helbock‘s Random/Control“ am Donnerstag. Das Trio war auf Einladung der Kulturgesellschaft nach Ahlen gekommen.

Von Martin Feldhaus

David Helbock, Andreas Broger und Johannes Bär durchbrachen immer wieder musikalische Grenzen. Foto: Martin Feldhaus

Ein Pop-Song, ein echter Rock-Klassiker oder eben jazzige Klänge: Man neigt dazu, Musikstücke in bestimmten Kategorien zuzuordnen. Allerdings gibt es immer wieder Musikerinnen und Musiker, die die Grenzen ihres Metiers durchaus sprengen und sich in keine Schublade stecken lassen. Hierzu dürfte auch der renommierte österreichische Jazzpianist David Helbock gehören, der am Donnerstagabend gemeinsam mit Johannes Bär und Andreas Broger auf Einladung der Kulturgesellschaft im Rahmen der „Get Jazzed“-Reihe in der Stadthalle auftrat: Das Trio „David Helbock’s Random/Control“ legte viele bekannte Stücke in seinem eigenen Stil auf, entfernte sich dabei aber rhythmisch von den Ursprungsversionen, so dass sich Alt und Neu in den Kompositionen vermischten.

David Helbock am Piano Foto: Martin Feldhaus

Für ein besonderes Klangerlebnis sorgte dabei die instrumentelle Vielfalt: Denn neben den drei Musikern fanden sich mehr als zwei Dutzend Instrumente auf der Bühne. David Helbock (Piano, Inside Piano, Electronics, Percussion), Johannes Bär (Trompete, Flügelhorn, Bassflügelhorn, Sousafon, Tuba, Alphorn, Beatbox, Didgeridoo, Electronics, Percussion) und Andreas Broger (Sopransaxofon, Tenorsaxofon, Klarinette, Bassklarinette, Flöte, Flügelhorn und Percussion) nutzten die damit einhergehenden Möglichkeiten und boten nicht nur individuelle, mit ihrem eigenen typischen Bandsound garnierte Musik fürs Ohr, sondern auch Spannendes fürs Auge.

Aktuelles von der neuen CD

Auf der Liederliste für das Konzert standen unter anderem zahlreiche Stücke von der aktuellen CD Helbocks. Für die hatte er sich bei seinen Lieblingsjazzpianisten bedient und jeweils deren bekanntestes Stück neu arrangiert. Zu hören bekamen die Gäste aber auch einige ältere Stücke aus vorherigen Alben. Wie ein roter Faden zog sich dabei durch, dass die Musik die Zuhörerschaft fesselte, Körper und Geist mitriss. So versetzte etwa „African Marketplace“ das Publikum gedanklich in die Kulisse eines trubeligen afrikanischen Markts.

Derzeit arbeiten Helbock und „Random/Control“ an einem weiteren Programm, von dem sie ebenfalls zahlreiche Kostproben darboten: Verschiedene Gedichte von Poeten bilden hierbei den Ausgangspunkt für eigene musikalische Kompositionen. Poesie und Musik verschmelzen gewissermaßen zu einer Einheit. Was das bedeutet, hörte das Publikum etwa bei dem Gedicht „Freiheit“ von Erich Fried, der als Ikone der politischen Lyrik galt: „Zu sagen hier herrscht Freiheit ist immer ein Irrtum oder eine Lüge: Freiheit herrscht nicht.“ Diese inhaltliche Botschaft vermittelten die Musiker. Dabei gab es auch noch ein Novum in der zwölfjährigen Geschichte der Band. Denn Andreas Broger griff bei diesem Werk zum Mikrofon und umrahmte die melodische Klangvielfalt der Instrumente mit etwas Gesang.

Das Foyer der Stadthalle glich für zwei Stunden einer urigen Jazzkneipe. Foto: Martin Feldhaus

Insgesamt erlebten die Besucherinnen und Besucher mit dem sympathischen Trio einen Ausflug in eine ganz individuelle Klangwelt des Jazz, der ihnen sehr zusagte. Sie stiegen mit einem leckeren Getränk für gut zwei Stunden in eine musikalische Achterbahn der Gefühle ein und quittierten die Darbietungen von Helbock, Bär und Borger nach dem letzten Stück „Spain“, das geprägt war von schnellen und aufrüttelnden Episoden, mit tosendem Applaus. Der veranlasste die Musiker dazu, für eine Zugabe noch mal auf die Bühne zurückzukehren. „Das ist phänomenal, welche Klänge die produzieren“, war ein Zuhörer auch nach dem Verstummen der Instrumente noch begeistert über die Vielseitigkeit der drei Musiker. Die traten übrigens im Foyer der Stadthalle auf, das sich mit intimer Atmosphäre wie eine urige Jazzkneipe präsentierte.

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