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„Storno“ meldet sich bissig zurück

Ausgehungert nach Satire vor Publikum

Ahlen

Sonderinventur im Sportpark Nord: „Storno“ zeigte sich am Samstagabend beim Open Air in Ahlen gewohnt bissig. Mit tiefsinnigem Humor soll es an gleicher Stelle auch durch den Sonntagabend gehen.

Von Ralf Steinhorstund

Open Air im Sportpark Nord: Wie gewohnt streuten Thomas Philipzen, Harald Funke und Jochen Rüther (v. l.) einige selbst geschriebene Lieder in ihr Programm ein. Foto: Ralf Steinhorst

Was war in den letzten Monaten in Zeiten der Pandemie gesellschaftlich und politisch so los? Wer das vergessen hatte, dem wurde am Samstagabend Open Air vom Kabarett-Trio „Storno“ im Sportpark Nord in gewohnt bissiger Art und Weise mit der „Sonderinventur“ auf die Sprünge geholfen.

Seit Ende der Sommerferien sind Harald Funke, Thomas Philipzen und Jochen Rüther wieder auf Tour, Ahlen schloss vor ausverkauften Vorstellungen mit 500 Zuschauern die Runde ab. „Wir freuen uns sehr, wir sind ausgehungert“, verriet Harald Funke vor Beginn des Auftritts am Samstagabend. Auftritte seien noch immer nicht selbstverständlich, fügte Thomas Philipzen hinzu und lobte: „Schön, dass es die Ahlener möglich machen, andere hatten nicht den Mut“.

Dass die Coronapandemie verschiedenste Facetten für Satire bietet, wurde schnell deutlich. Sportlich zum Beispiel. So hätten die Deutschen im Schnitt 500 Kilogramm zugenommen. Gar nicht gut kamen die Sitzungen der Ministerpräsidentenrunden weg. „Die Konferenzen waren vom Dschungelcamp nicht zu unterscheiden“, kritisierte Jochen Rüther, während sich Harald Funke auf die nächsten Treffen freute: „Ich habe schon Chips und Bier für die Berichterstattung im Fernsehen organisiert“.

Alle drei hatten dann gesanglich sogleich Armin Laschet im Visier, der wie ein Torero das Virus durch die Arena jagen und quasi besiegen wird. Das Stichwort war gegeben, wird Harald Funke demnächst statt Merkel den Laschet machen? „Da nehm ich den Scholz“, gab der zu verstehen. Sollte das einen Wink auf den nächsten Kanzler sein? Zumindest die Baerbocksche Idee, Kurzstreckenflüge zugunsten der Bahn abzuschaffen, schien dem Trio unpraktikabel. Denn dann müssten in Hamm alle Flugzeuge geteilt werden, denn in Hamm würden ohnehin schon alle Züge geteilt. Aber auch Christian Lindner bekam sein Fett mit seiner Idee weg, Steuern für Reiche zu senken, denn deren Reichtum könne dann auf alle darunter heruntertropfen. „Der Lindner ist nicht ganz dicht“, entfuhr es Harald Funke dazu. Und die AFD? Die liebe das Vaterland, aufgrund der Verbindungen nach Russland allerdings nicht das unsrige. Die Bundestagswahl ließ also grüßen.

Jochen Rüther

Natürlich nahm auch die Impfkampagne einen breiten Raum ein. „Warum hat Spahn nicht Amazon die Impfung organisieren lassen? Die bringen alles am nächsten Tag“, fragte Jochen Rüther sich. Die abendliche Ausgangssperre mit Gassi gehen austricksen? Negativ, Hunde waren leider ausverkauft. Wie Querdenker ticken, zeigte der Capitol-Sturm. „Der Büffelmann pisste ins Capitol – das war eine Form von Rinderwahnsinn“, fand Rüther. Und medientechnisch waren Gottschalk und Co. plötzlich out, das Volk hing an den Lippen von Lauterbach, Kekule und anderen Wissenschaftlern. Das Trio erkor die Frauen zu tragischen Heldinnen in der Pandemie – schließlich hätten die Männer vielfach den urologischen Weg gewählt und sich verpisst. Wem das Thema Klimawandel fehlte, kam dann auch noch auf seine Kosten. Am Schluss durfte die Aufforderung zum Impfen nicht fehlen: „Zwei Milliarden Menschen wurden geimpft und keinem ist ein drittes Bein gewachsen“. Schließlich hofft „Storno“ sein Publikum zum Jahreswechsel wieder in der Stadthalle begrüßen zu können.

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