1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Ahlen
  6. >
  7. Bau per WhatsApp begleitet

  8. >

Neues Musikunterrichtsgebäude an der Kunsthochschule Bagamoyo

Bau per WhatsApp begleitet

Ahlen / Bagamoyo

An der Staatlichen Kunsthochschule in Bagamoyo/Tansania wurde jetzt ein neues Unterrichtsgebäude für Musik eingeweiht. Die Baumaßnahme war ein Projekt des Freundeskreises Bagamoyo, das ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanziert wurde.

Ein Haus für die Musik: Die Baumaßnahme des Freundeskreises Bagamoyo wurde ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanziert. Foto: Freundeskreis Bagamoyo

Im Gegensatz zu früheren Baumaßnahmen hatte der Verein wegen der Corona-Pandemie erstmals keinen deutschen Bauleiter nach Bagamoyo geschickt. Lediglich an den ersten Arbeitsbesprechungen hatte Helga Rohden, ehemalige Schulleiterin der Marienschule, die Bagamoyo im Rahmen einer von ihr koordinierten Schulpartnerschaft besuchte, im Herbst teilgenommen. Stattdessen leitete der Bielefelder Architekt Björn Wanzek gemeinsam mit der erfahrenen tansanischen Architektin Anita Kurasa aus Daressalam per WhatsApp die Bauarbeiten. Fast täglich wurden Kurznachrichten, Fotos oder kurze Audio-Beiträge zwischen Deutschland und Tansania ausgetauscht. „In dieser Form über 7000 Kilometer hinweg hatte ich bislang auch noch keine Bauleitung“, schmunzelte Björn Wanzek, der in seiner Arbeit vom Freundeskreis-Vorsitzenden Rudolf Blauth und dem pensionierten Schulleiter Jumanne Mwegeo tatkräftig unterstützt wurde. Letzterer hatte für die Auswahl der ausschließlich örtlichen Handwerker gesorgt und sich fast täglich vor Ort vom Fortschritt der Arbeiten überzeugt.

Rudolf Blauth, Vorsitzender Freundeskreis Bagamoyo

Neu für den Freundeskreis war auch die Bezahlung der Baumaterialien und der Handwerker per Handy-Geldüberweisung M-Pesa, einem in Ostafrika entwickelten und in Deutschland noch vollkommen unbekannten neuen und bankunabhängigen Überweisungssystem. „Innerhalb von nur 20 Sekunden hatten die Handwerker in Tansania ihr Geld auf dem Handy“, staunte Rudolf Blauth.

Die Gesamtkosten für die Renovierung des vollständig verfallenen Gebäudes – es musste komplett entkernt und auch mit einem neuen Dach sowie neuen Fenstern und Türen versehen werden – beziffert Rudolf Blauth auf 16 000 Euro. „Dies war nur möglich, weil sowohl der Bauleiter als auch die Architektin und ihr Assistent bereits vorab auf ihr Honorar verzichtet hatten.“

Nakwabi hielt Rede zur Einweihung

Den Redebeitrag des Freundeskreises bei der Einweihungsfeier hielt der Schauspieler Nkwabi in seiner Funktion als Ehrenmitglied des Vereins. Er war dafür extra aus der Millionenmetropole Daressalam angereist, wo er als Hauptdarsteller gegenwärtig fast täglich an Dreharbeiten für eine neue TV-Serie teilnimmt.

Nach der offiziellen Eröffnung konnte die Leitung der Kunsthochschule das neue Unterrichtsgebäude, das im Zentrum des College-Geländes über mehrere Unterrichts- und Übungsräume, ein Lehrerzimmer sowie Abstellräume verfügt, besichtigen. Es wird die Ausbildungssituation für circa 300 Studierende verbessern, die an der einzigen staatlichen Kunsthochschule Ostafrikas in den Bereichen Musik, Tanz, Theater, Regie oder Bildende Kunst unterrichtet werden. Im Rahmen des Community Theatre leisten Dozenten und Studierende zudem mit künstlerischen Mitteln Aufklärungsarbeit zu Themen wie Aids, Malaria, Korruption, Albino-Morde oder Frauenrechte.

Die offizielle Übergabe des neuen Musik-Unterrichtsgebäudes mit Architektin Anita Kurasa, College-Direktor Dr. Herbert Makoye (vorne 2.v.l), Nkwabi (6.v.l.) und Jumanne Mwegeo (l.). Foto: Freundeskreis Bagamoyo

Als kultureller Eigenbetrieb besitzt das College zwar eine gewisse Eigenständigkeit gegenüber dem übergeordneten Kulturministerium, andererseits übernimmt der Staat fast ausschließlich die laufenden Personal- und Betriebskosten, so dass die Hochschule bei Baumaßnahmen und Projekten auf Sponsoren und Drittmittel angewiesen ist.

Die Idee für die Baumaßnahme hatte bereits vor drei Jahren der ehemalige Direktor der Schule für Musik im Kreis Warendorf, Dr. Wolfgang König, in einem Gespräch mit der Leitung der Kunsthochschule in Bagamoyo entwickelt. Wolfgang König, selbst Vorstandsmitglied des Freundeskreises, will bereits im kommenden Sommer mit seiner Frau nach Tansania fliegen, um weitere musikalische deutsch-tansanische Kooperationsprojekte vorzubereiten – dann vielleicht auch mit Proben in dem neuen Musikgebäude.

Startseite
ANZEIGE