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Jahresbericht Denkmalpflege in Ahlen

„Bauliche Auswüchse in der Kolonie“

Ahlen

Aufgrund einer überlangen Sitzung wurde der Jahresbericht Denkmalpflege am Dienstag nur in Kurzform im Bauausschuss vorgetragen.

Christian Wolff

Seit der Privatisierung der Ahlener Bergarbeitersiedlung im Jahr 2008 sind viele der Häuser renoviert worden. Allerdings wird dabei trotz eines eigens erstellten Gestaltungshandbuchs nicht immer denkmalkonform gearbeitet. Und auch nicht immer so ganz akkurat, wie jetzt im Stadtplanungs- und Bauausschuss kritisiert wurde.. Foto: Christian Wolff

Eine mehr als vierstündige Sitzung hatten Politik und Verwaltung bereits hinter sich, als am Dienstagabend im Stadtplanungs- und Bauausschuss der Jahresbericht Denkmalpflege aufgerufen wurde. Ein so wichtiges wie umfangreiches Thema als vorletzten Punkt im Eiltempo durchzuwinken, gefiel Bernd Schulze Beerhorst nicht besonders. Der ehrenamtliche Denkmalpfleger erinnerte daran, dass die Denkmal-Diskussion schon im Vorjahr zeitlich sehr eng gestrickt gewesen sei. Vorsitzender Matthias Harman gelobte Besserung.

Zunächst stellte Nicole Wittkemper-Peilert die Arbeit der Unteren Denkmalbehörde vor und musste gleich mit einer schlechten Nachricht beginnen: „Leider ist der Hof Holtrup an der Münsterstraße in Vorhelm im März 2020 abgebrannt. Wir mussten ihn aus der Denkmalliste löschen.“ Somit gebe es in Ahlen aktuell 233 ortsfeste Baudenkmäler, zehn Bodendenkmäler, drei bewegliche Denkmäler und eine Denkmalbereichssatzung.

Nachinventarisierung von Gebäuden angelaufen

Aufgrund einer Eingabe des ehrenamtlichen Beauftragten für Denkmalpflege seien seitens der Unteren Denkmalbehörde rund 150 weitere Gebäude, vornehmlich aus der Gründerzeit, über Erfassungsbögen dokumentiert und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe zur Verfügung gestellt worden. „Die systematischen Untersuchungen konnten 2020 beginnen. Für 43 Prozent der Gebäude wurde inzwischen kein Denkmalwert attestiert“, so Wittkemper-Peilert. „Für die weiteren Gebäude ist eine vertiefte Untersuchung vorgesehen, die mit Aktenrecherchen, Besichtigungen und Gesprächen mit den Eigentümern einhergehen.“

Im Vorjahr wurden knapp 120 Anträge zu Baugesuchen eingereicht, die im Zusammenhang mit den denkmalpflegerischen Belangen, aber auch der Stadtbildpflege oder dem Umgebungsschutz zu Baudenkmälern stehen. Die entspricht einem Antragszuwachs von 32 Prozent, der wohl auf die coronabedingte Orientierung der Eigentümer auf die Sanierung ihrer Baudenkmäler zurückzuführen ist.

Positives gab es von Objekten zu berichten, die bereits seit längerem auf der Agenda stehen. Dazu gehört das Heimathaus an der Twieluchtstraße in Dolberg, wo der alte Tennenbereich rekonstruiert und das Tor freigelegt wurde. Im Seebrock wurde eine Bansenscheune saniert, während im nahen Hofgebäude zwei Wohnungen entstanden sind. Sichtbare Fortschritte macht die Rekonstruktion an Haus Pustekrey an der Alten Beckumer, wo es durch Vererbung einen Eigentümerwechsel gegeben hat. In diesem Jahr werden die Metallteile am historischen Trafohäuschen im Berliner Park restauriert. „Für die Figuren der Kreuzigungsgruppe an der Parkstraße suchen wir noch einen trockenen und angemessenen Standort“, so Wittkemper-Peilert. Im Freien sollen künftig Kopien aufgestellt werden, da eine weitere Erneuerung der Originale nicht mehr möglich ist.

Finanzielle Förderungen

Daneben gab es mehrere finanzielle Förderungen, unter anderem für die Aufarbeitung eines Holzfußbodens in einer Villa Im Kühl und für ein Fachwerkhaus an der Ostenmauer, das mit zwei Kränen 40 Zentimeter angehoben wurde.

Rolf Leismann (BMA) wies die Denkmalschützer darauf hin, dass er im Bereich der Bergarbeitersiedlung immer wieder bauliche Auswüchse feststelle, die mit dem Denkmalschutz überhaupt nicht in Einklang zu bringen sind. Diesen Ball nahm auch Bernd Schulze Beerhorst in seinem anschließenden Vortrag auf. „Viele Bausünder wissen ganz genau, was sie da tun“, meinte er. Solche Auswüchse würden geahndet, hielt Nicole Wittkemper-Peilert fest, allerdings könne sie die regelmäßige Kontrolle alleine kaum leisten. Für Hinweise sei sie daher immer dankbar.

Einen Wunsch schob Bernd Schulze Beerhorst abschließend noch hinterher: Seiner Meinung nach müsse das Heimatmuseum wieder stärker in den Fokus rücken. Schon jetzt hat er das Jahr 2024 als Jubiläumsjahr im Auge: „800 Jahre Stadt Ahlen“.

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