1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Ahlen
  6. >
  7. Beide Angeklagten voll geständig

  8. >

Mord an 22-jährigem Ahlener vor dem Landgericht

Beide Angeklagten voll geständig

Ahlen / Münster

Die zwei Männer, die im März 2021 einen schlafenden 21-Jährigen mit 19 Messerstichen getötet haben sollen, stehen seit Freitag vor dem Landgericht Münster.

Von Eva-Maria Landmesser

Hektik am Tatort: Nachdem der 21-Jährige, der jetzt vor dem Landgericht Münster steht, bei der Polizei aufgetaucht war, rückte die Spurensicherung im Ahlener Süden. Foto: Max Lametz

Der 21-jährige Ahlener sprach mit sehr leiser Stimme und stets gesenktem Kopf, als er die Geschehnisse in der Nacht zum 18. März dieses Jahres schilderte, als sein 22-jähriger Mitbewohner mit 19 Messerstichen von ihm und einem Mittäter heimtückisch im Schlaf ermordet wurde.

Der 21-jährige hatte seine Tatbeteiligung noch am gleichen Tag bei der Polizei gestanden und einen Freund als Mittäter schwer belastet. Bei dem zweiten Täter handelt es sich um einen 19-jährigen Mann aus Ahlen, der laut Aussage seines Freundes den Großteil der Stiche zugefügt haben soll. Während der 19-Jährige seine Tatbeteiligung im Ermittlungsverfahren noch bestritten hatte, wendete sich beim Prozessauftakt vor der 21. Strafkammer des Landgerichts Münster das Blatt. Auch der zweite Ahlener legte ein vollumfängliches Geständnis ab.

Handyvideo soll das Motiv gewesen sein

Tatmotiv war ein kompromittierendes Handyvideo, auf dem zu sehen ist, wie der 21-jährige – laut eigener Aussage – in bewusstlosem Zustand „mit der Hand vergewaltigt“ wird. Obwohl der Filmende auf dem Video nicht zu hören oder zu sehen ist, es den Ahlener aber auf seinem Sofa liegend zeigt, hatte dieser daraus geschlossen, dass nur sein Mitbewohner die Aufnahmen gemacht haben kann.

Die beiden Männer hatten sich in einer Wohngruppe der Diakonie kennengelernt und nach einiger Zeit beschlossen, zusammen zuziehen. In der gemeinsamen Wohnung hatte es jedoch bald Streitigkeiten wegen Kleinigkeiten – die Sauberkeit oder den Einkauf betreffend – gegeben. Der 21-jährige habe seinem Mitbewohner mitgeteilt, dass dieser sich eine eigene Wohnung suchen solle, woraufhin sich dessen Charakter vollkommen verändert habe.

Der Angeklagte erklärte, dass er etwa zwei Wochen vor der Tat auf das Video aufmerksam geworden sei, als es sich ein Arbeitskollege auf seinem Smartphone angeschaut habe. Was den Ausschlag gegeben hat, dass es etwa 14 Tage später zu der grausamen Tat kam, konnte der 21-jährige nicht erklären. Am Abend hatte er sich mit dem 19-jährigen Mitangeklagten getroffen und zusammen eine Flasche Whiskey getrunken. Durch die Wirkung des Alkohols habe er seine Hemmungen überwunden und seinem Freund von dem Video erzählt. Der 21-jährige erklärte, dass er dabei sehr wütend geworden sei und gesagt habe: „Ich bin so fertig, ich könnte ihn umbringen.“ Der Mitangeklagte habe geantwortet: „Wenn du das möchtest, gehen wir zusammen.“

Messer mit zwei Spitzen geholt

Der 19-Jährige holte sodann ein Messer mit zwei Spitzen aus der Küche und mit dem bereits gefassten Tatplan, den Mitbewohner zu erstechen, habe man sich zusammen auf den Weg gemacht. In der Wohnung angekommen, bewaffnete sich auch der 21-jährige mit einem Küchenmesser. Zu zweit betraten sie das Zimmer des 22-jährigen und positionierten sich an beiden Seiten des Bettes. Der 19-Jährige hatte dann begonnen, auf den Schlafenden einzustechen und der 21-Jährige tat es ihm gleich.

Die Autopsie des Leichnams ergab insgesamt 19 Stichverletzungen, im Bauch- und Brustbereich sowie am Hals, bei deren Verlesung der Vertreter der Staatsanwaltschaft fassungslos stockte. Der 21-Jährige sagte aus, dass er nur zwei- oder dreimal zugestochen habe. Demgegenüber soll der 19-Jährige dem Opfer sogar noch in den Hals gestochen haben, als man den Geschädigten schon für tot geglaubt und mit einer Decke bedeckt hatte. Um Spuren zu vernichten, hatten die beiden Männer noch versucht, ein Feuer zu legen. Dies hatte jedoch nicht funktioniert. Der erste Prozesstag endete mit der Einlassung des 19-Jährigen, der die Angaben des 21-Jährigen als wahr qualifizierte. Am 15. September wird der Prozess fortgesetzt.

Startseite